Physische Malerei von Arnulf Rainer in der Kunsthalle

Kunsthalle Rostock: Neue Ausstellung „Out of Control!“ gibt Einblick in das Schaffen des österreichischen Malers Arnulf Rainer

20. April 2012, von
„Out of Control!“ in der Kunsthalle Rostock
„Out of Control!“ in der Kunsthalle Rostock

Voller Körpereinsatz in der Kunsthalle Rostock. Keine feinen Pinselstriche und keine dezenten Farbverläufe gibt es bei den Bildern von Arnulf Rainer. Dafür Kunst als echtes Handwerk, denn der Österreicher arbeitet mit der Technik des „Physical Paintings“, einer stark gestischen Fuß-, Finger- und Handmalerei. Darüber hinaus machten ihn vor allem seine Übermalungen berühmt. Eine breite Auswahl seiner Werke aus den Jahren 1975 bis 2005 ist seit heute in der Kunsthalle ausgestellt.

Besucher vor den Bildern von Arnulf Rainer
Besucher vor den Bildern von Arnulf Rainer

„Ich habe so sehr auf die Bilder eingeschlagen, dass meine Hände bluteten“, beschreibt Arnulf Rainer die Anfänge seiner Körperkunst. Er verwendete sogar rote Farbe, damit sich das Blut nicht störend in das Bild einfügte. Es ist also Kunst mit ganzem Herzen und dazu passt auch eine Aussage des Künstlers, dass jeder Tag, den er nicht mit Malerei zubringe, ein verschwendeter sei. Gemischt mit kräftigen, meist dunklen Farben, überträgt sich der gewalttätige Akt der Produktion auch auf das fertige Kunstwerk.

Fingermalerei ohne Titel, Öl auf Holz
Fingermalerei ohne Titel, Öl auf Holz

Die physische Kunst kombiniert der Maler auch mit seinem anderen Markenzeichen, den Übermalungen. Teilweise jahrelang überarbeitet er Bilder Schicht um Schicht. Dabei können die Ausgangsstoffe Fotografien, eigene Bilder aber Arbeiten anderer Künstler sein. Neben den klassischen Übermalungen finden sich auch verschiedene andere Effekte, so sind in einige Holzbilder Muster eingekratzt, die wie die Gänge von Holzwürmern aussehen. Am liebsten überarbeitet er nach eigener Aussage Überarbeitungen.

Bilder von Kreuzen aus Pappe bei der Eröffnung der Ausstellung in der Kunsthalle
Bilder von Kreuzen aus Pappe bei der Eröffnung der Ausstellung in der Kunsthalle

Die so geschaffenen Kompositionen decken eine weite inhaltliche Fläche ab. So finden sich thematisch in der Kunsthalle aufgeteilt Übermalungen von Frauenkörpern, Tieren und Blumen. Ein wichtiger Themenkomplex ist auch die kritische Auseinandersetzung mit Religiosität, die sich zum Beispiel in stark verfremdeten Totenmasken oder christlichen Darstellungen auf Kreuzen aus Pappe zeigt. Gemeinsam haben alle Bilder eine ungemeine Lebendigkeit und Bewegung in der Komposition, ja schon fast eine eigentümliche Unruhe.

Jörg-Uwe Neumann vor den Bildern von Arnulf Rainer
Jörg-Uwe Neumann vor den Bildern von Arnulf Rainer

Sehr zufrieden mit der neuen Ausstellung zeigte sich auch Jörg-Uwe Neumann, der Leiter der Kunsthalle. Die Arbeiten von Arnulf Rainer seien die perfekte Ergänzung zu „Brain Painting“, der Ausstellung, die im Moment im unteren Bereich des Museums gezeigt wird. „Das ist das erste Mal, dass Rainer im Nordosten gezeigt wird. Wir hoffen dazu beizutragen, ihn hier bekannter zu machen.“ Weltweit gehört Rainer zu den wichtigsten Künstlern der Nachkriegszeit.

Bis zum 15. Juni kann man sich von der Bewegung in den 86 Bildern anstecken lassen. Um den Künstler näher kennenzulernen, werden laufend zwei Filme von Herbert Brödel über Arnulf Rainer gezeigt. Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Künstler nicht bei der Eröffnung anwesend sein, er kündigte aber an, im Laufe der Ausstellung noch mal nach Rostock zu kommen. Und wer weiß, vielleicht wird er dann ja noch das eine oder andere Bilder weiter überarbeiten, denn dies kündigte er mal bei einer Ausstellung in München an: „Wenn sie wollen, kann ich morgen kommen und noch ein bisschen was übermalen.“

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