Rostock will Klimaneutralität bis 2035

Nicht erst 2050, sondern bereits bis 2035 soll Rostock klimaneutral werden – für dieses Ziel hat die Bürgerschaft der Hansestadt am Mittwochabend mehrheitlich gestimmt

3. Dezember 2020, von
Rostock will Klimaneutralität bis 2035 (Foto: Archiv)
Rostock will Klimaneutralität bis 2035 (Foto: Archiv)

Rostock soll bis 2035 klimaneutral werden. Das hat die Bürgerschaft der Hansestadt auf ihrer Sitzung am Mittwochabend beschlossen.

Auf Antrag der Fraktionen von Linke, SPD und Grüne soll die Klimaneutralität in der Hansestadt damit deutlich schneller erreicht werden. Bislang lautete das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 95% gegenüber 1990 zu reduzieren und den Endenergieverbrauch im gleichen Zeitraum zu halbieren.

Rostocker C0₂-Budget Mitte 2026 aufgebraucht?

Es geht um die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens, mit dem die Erderwärmung möglichst auf unter 1,5 Grad Celsius beschränkt werden soll. Laut Wissenschaftlern blieben nur noch acht bis zehn Jahre Zeit, um den Klimawandel beherrschbar zu halten, begründet Andrea Krönert (Grüne), warum Rostock schneller klimaneutral werden soll. „Wir müssen jetzt handeln!“

In ihrem Antrag beziehen sich die Fraktionen auf eine Masterarbeit von Luise Lukow, die von der Klimaschutzleitstelle begleitet wurde. Demnach verbleibt für Rostock bei einer fairen Verteilung des CO₂-Budgets nach dem Pariser Klimaabkommen lediglich noch ein Rest-Budget von etwa 5,5 Mio. Tonnen des Treibhausgases. Bleibt es bei den zuletzt durchschnittlich 1 Mio. Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr, wäre dieses Mitte 2026 aufgebraucht, erläutert Krönert. Mit dem Antrag soll das Budget bis 2035 gestreckt werden.

„Klimaschutz wird etwas kosten“, stellt Krönert klar. Das muss in Haushalts- und Wirtschaftspläne eingestellt werden. Doch, „wenn wir nichts tun, wird es noch viel teurer“, verweist sie etwa auf Kosten für den Hochwasserschutz.

Diskussion über Weg zur Klimaneutralität

„Wir möchten Rostock als lebenswerte Stadt erhalten und entwickeln“, stellte Christoph Eisfeld (FDP) die Gemeinsamkeiten heraus. Klimaneutralität müsse erreicht werden, doch „der Unterschied, das ist der Weg dorthin“, so Eisfeld, der im Antrag konkrete Vorschläge vermisste. „Umsetzbarkeit und nachhaltige Wirksamkeit“ seien wichtiger als Prozentzahlen oder ein konkretes Datum.

Als „schwammig“ und „sehr, sehr unkonkret“ kritisierte auch Sybille Bachmann (Rostocker Bund) den Antrag. Vieles sei bereits beschlossen, in Planung oder Umsetzung, sodass der Vorstoß in dieser Form nicht erforderlich sei. Als „kritischer Teil der antragsstellenden Fraktion“ forderte Anke Knitter (SPD) eine Abschätzung und sozial gerechte Abfederung der finanziellen Lasten.

Konkrete Maßnahmen könne die Bürgerschaft gar nicht vorschlagen, dafür gibt es in der Verwaltung und den kommunalen Unternehmen das notwendige Fachwissen, verteidigte Thoralf Sens (SPD) den Antrag. „Wir geben ein Ziel vor, die Verwaltung sagt uns, wie sie das umsetzen will.“ Ende 2021 müsse die Bürgerschaft dann mit Blick auf Kosten und soziale Auswirkungen über das Maßnahmenpaket beraten.

Stadtverwaltung und kommunale Unternehmen sollen CO₂ einsparen

Bereits im nächsten Jahr sollen Stadtverwaltung und kommunale Unternehmen eine Senkung der CO₂-Emissionen um möglichst fünf Prozent erreichen. Ab 2022 sind jährliche Einsparungen von zehn Prozent vorgesehen, jeweils gegenüber dem Referenzjahr 2019.

Energie- und Wärmeerzeugung, Bauen, Mobilität sowie Ernährung seien die „Stellschrauben“, an denen die Kommune drehen könne, so Krönert. Bis zur Bürgerschaftssitzung im Dezember 2021 soll Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen einen Maßnahmenplan vorlegen, wie Rostocks Stadtverwaltung und kommunale Unternehmen bis 2035 vollständig klimaneutral werden kann.

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