Rostocker Kunstpreis 2011 geht an Dirk Wunderlich

Preisträger überzeugt mit rätselhaften Skulpturen

27. November 2011, von
Das Kammerorchester der Norddeutschen Philharmonie unter der Leitung von Peter Leonard
Das Kammerorchester der Norddeutschen Philharmonie unter der Leitung von Peter Leonard

Die Verleihung des Rostocker Kunstpreises 2011 – nicht nur die Gäste wurden gestern auf die Folter gespannt, sondern auch die fünf Kandidaten erfuhren erst am Abend, wer die zehnköpfige Jury am meisten überzeugen konnte.

Etwa 15 Minuten später als geplant übernahm das Kammerorchester der Norddeutschen Philharmonie Rostock unter der Leitung von Peter Leonard die Eröffnung des Abends. Da sich der Weihnachtsmann verspätete und der Zeitplan knapp gesetzt war, erreichten Karina Jens und Roland Methling die Kunsthalle auch mit Verzögerung. Neben den beiden Politikern wollten sehr viele Kunstbegeisterte wissen, wer der diesjährige Preisträger ist, sodass die Halle gut gefüllt war und so eine passende Kulisse für die Zeremonie bot.

Erwin Sellering bei der Verleihung des Rostocker Kunstpreises 2011
Erwin Sellering bei der Verleihung des Rostocker Kunstpreises 2011

Zuerst trat Jörg-Uwe Neumann hinter das Rednerpult. Der Leiter der Kunsthalle hob noch einmal die große Rolle des Preises für Rostock, aber auch das Land Mecklenburg-Vorpommern heraus. Jedoch sei es nicht nur der wichtigste Preis des Landes, sondern „für uns die wohl spannendste Veranstaltung im ganzen Jahr.“

Wolfgang Methling bei der Verleihung des Rostocker Kunstpreises 2011
Wolfgang Methling bei der Verleihung des Rostocker Kunstpreises 2011

Dass der Preis auch von der Landesregierung geschätzt wird, zeigte die Anwesenheit von Ministerpräsident Erwin Sellering. Er war mit seiner Frau schon etwas früher da, um die Ausstellung noch zu begutachten und zeigte sich sehr beeindruckt von den Arbeiten der Künstler. „Dieser Preis ist ein schönes Signal, dass die Arbeit unserer Künstler wahrgenommen wird“, sagte der Politiker, der auch den hohen Anteil der ehrenamtlichen Mitarbeiter lobte.

„Schön, dass Sie in diesem Jahr hier sind, Herr Sellering. Aber ich habe Sie ja auch zu Genüge angebaggert“, sagte Wolfgang Methling, der Vorsitzende der Kulturstiftung Rostock e. V. Jedoch baggerte er nicht nur, er äußerte auch Wünsche an die Landespolitik: „Es ist nicht nur mein Wunsch, dass die Kunsthalle in die Trägerschaft des Landes übertragen wird und sie so mehr Unterstützung bekommt“, sagte Methling. Er verkündete auch, dass geplant sei, die ersten sechs Preisträger im kommenden Jahr in der Landesvertretung in Berlin auszustellen.

Verleihung des Rostocker Kunstpreises 2011: Wolfgang Methling, Erwin Sellering, Dirk Wunderlich und Thomas Kühl
Verleihung des Rostocker Kunstpreises 2011: Wolfgang Methling, Erwin Sellering, Dirk Wunderlich und Thomas Kühl

Nach einer weiteren Symphonie von Wolfgang Amadeus Mozart hatte Thomas Kühl von der Provinzial das Wort. Der Versicherer ist Hauptsponsor und stellt die 10.000 Euro für den Gewinner. Bevor er diesen jedoch zusammen mit den Politikern verriet, offenbarte er, dass die Versicherung auch im kommenden Jahr unverändert den Preis weiter unterstützen wird. Dann erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. Wer sollte der Kunstpreisträger 2011 in der Kategorie „Plastik/Skulptur/Objekt“ sein? Schon 2007 wurde Thomas Jastram in dieser Kategorie ausgezeichnet.

Kunstpreisträger 2011 Dirk Wunderlich neben seiner Skulptur
Kunstpreisträger 2011 Dirk Wunderlich neben seiner Skulptur

Der Rostocker Kunstpreisträger 2011 und damit Nachfolger von Matthias Wegehaupt, ist Dirk Wunderlich. Der Kneesener, der auch für die Gestaltung des Rostocker Altstadtmodells verantwortlich war, überzeugte die Jury mit seinen rätselhaften Skulpturen. In seiner Laudatio lobte der Bildhauer Hartmut Hornung die Grammatik der Arbeit von Wunderlich. „Es sind Kunstobjekte mit Fetischcharakter, die eine vordergründige Fremdheit mit einer seltsam morbiden Ästhetik verbinden und so zu einer emotionalen Verunsicherung führen.“ Die Arbeiten Wunderlichs sind durchnummeriert wie Maschinen, erinnern aber eher an organische und geheimnisvolle Unterseewesen.

Dirk Wunderlich - "Nachtwache"
Dirk Wunderlich - "Nachtwache"

Der Preisträger selbst konnte seinen Sieg kaum fassen, sodass die abschließenden Dankesworte auch sehr kurz ausfielen: „Ich muss mich jetzt erst mal daran gewöhnen. Ich habe keine Rede vorbereitet, da meine Favoritin Susanne Rast war. Aber danke an alle und einen schönen Abend noch.“ Im Gespräch nach der Verleihung wirkte der Künstler immer noch etwas perplex. „Ich hänge momentan noch etwas im luftleeren Raum, bin aber natürlich sehr, sehr froh. Trotzdem wird alles wohl erst richtig in den nächsten Tagen bei mir ankommen.“ Dirk Wunderlich arbeitet zurzeit in seinem Atelier an schwebenden Objekten, eins ist auch in der Kunsthalle zu sehen. Eine neue eigene Ausstellung sei aber noch nicht geplant, sagte der Künstler, der an dem Abend auch die ersten Autogramme schreiben durfte.

Noch bis zum 4. Dezember zeigt die Kunsthalle die Ausstellung der fünf Nominierten, die bis zum gestrigen Abend schon über 2000 Besucher anlockte. Auch wenn nur einer gewinnen kann, hätten den Preis alle fünf verdient – da waren sich viele der Anwesenden einig.

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