Tag des offenen Denkmals 2012 in Rostocks Innenstadt

Hausbaumhaus, Kaufmannshaus Krahnstöver, Ausspanne, Kuhtor und ganz viel Holz beim Tag des offenen Denkmals 2012

9. September 2012, von
Hausbaumhaus in der Wokrenter Straße
Hausbaumhaus in der Wokrenter Straße

Wo könnte man einen Tag zum Thema Holz besser beginnen, als bei einem Baumhaus. Doch nach einem von Kindern erbauten Versteck in den Baumkronen sucht man in der Wokrenter Straße vergebens. Den Namen bekam das alte Kaufmannsgebäude von dem Hausbaum, einem massiven Eichenstamm, der als tragende Säule fungiert. Das Bauwerk ist eine von 18 Einrichtungen, die zum Tag des offenen Denkmals 2012 in ganz Rostock geöffnet waren.

Besucher des Hausbaumhauses beim Tag des offenen Denkmals 2012
Besucher des Hausbaumhauses beim Tag des offenen Denkmals 2012

Schon 1490 wurde das Hausbaumhaus errichtet und ist somit eines der ältesten Rostocker Kaufmannshäuser. Im Erdgeschoss befindet sich eine große Halle, die im 16. Jahrhundert sogar mit Pferdewagen direkt befahrbar war. Das war nur möglich, da man durch den Hausbaum, der im Keller auf einem Findling steht, auf tragende Wände größtenteils verzichten konnte. Im Dachgeschoss befand sich ein Lagerraum, der ebenfalls durch eine Holzverstrebung getragen wurde. Obwohl man hier sprichwörtlich sehen kann, wie sich die Balken biegen, hält das Material, natürlich immer wieder restauriert, schon über 500 Jahre.

Auch außerhalb des Tages des offenen Denkmals ist das Gebäude, in dem sich heute eine Außenstelle der Deutschen Stiftung Denkmalschutz befindet, zu besichtigen und auch als Veranstaltungsort mit besonderem Ambiente buchbar.

Eingang des Kaufmannshauses Krahnstöver
Eingang des Kaufmannshauses Krahnstöver

An den ebenfalls geöffneten Rostocker Kirchen vorbei geht es weiter Richtung Östliche Altstadt. Die nächste Station bietet sich sehr gut an, um eine kurze Verschnaufpause einzulegen, denn das Kaufmannshaus Krahnstöver in der Großen Wasserstraße beherbergt heute ein Restaurant und ein Hotel. Den Namen bekam das Haus von Julius Krahnstöver, der das Grundstück 1876 samt Brennerei erwarb und ein Jahr später darauf die „Dampf-Korn-Brennerei, Hefe- und Liqueur- Fabrik Julius Krahnstöver“ eröffnete.

Ursprünglich war auch dieses Gebäude ein Bürgerhaus, das mit seiner ersten urkundlichen Erwähnung von 1376 sogar auf eine noch längere Geschichte als das Hausbaumhaus zurückblicken kann. Abermals erzählt das Holz hier eine spannende Geschichte. Forscher fanden heraus, dass Teile der ursprünglichen Bausubstanz aus der Renaissance noch erhalten sind. Die Kiefernbalken, die noch heute das Dach stützen, wurden ab 1423 auf Gotland gepflanzt und ab dem Jahre 1595 gefällt und verarbeitet.

Erika Schulz und Maria Pistor
Erika Schulz und Maria Pistor

Direkt nebenan befindet sich ein weiteres offenes Denkmal. Heute ist das grüne Haus am Beginenberg ein Wohnhaus mit Gästewohnungen, früher befand sich hier eine Ausspanne, ein Ort, an dem Reisende ihre Pferde ausspannen und versorgen konnten. Auch wenn die Wasserstelle im Garten inzwischen zugewachsen ist, luden der idyllische Innenhof und das von Maria Pistor vorbereitete Kuchenbuffet die Besucher zum Ausspannen ein.

Naturfotografien von Erika Schulz
Naturfotografien von Erika Schulz

Im historischen Kellergewölbe zeigte die Fotografin Erika Schulz, wie man Bäume und Holz künstlerisch in Szene setzen kann. „Auf jedem Stück Holz lebt es, ob nur Würmer oder Käfer, alles ist lebendig. Ich finde es fantastisch“, beschreibt die Warnemünderin ihre Faszination für den Stoff. Besonders in der Kombination mit Licht und Stimmung überzeugen ihre Aufnahmen und präsentieren den Werkstoff Holz von einer ganz anderen Seite.

„Ich bin angenehm überrascht von diesem Tag. Es gab viele Besucher und ganz viel positive Resonanz“, erzählt Erika Schulz. Und auch Maria Pistor zeigte sich zufrieden, auch wenn es für sie wie immer anstrengend war: „Hier steckt so viel Arbeit drin, das kann man nur mit Hilfe und guten Freunden schaffen“, erzählt die Rostockerin.

Auch das Kuhtor war für interessierte Rostocker geöffnet. Im ältesten Stadttor Rostocks, dem früheren Standort des Literaturhauses, befindet sich heute die Mediationsstelle Rostock. Neben der Vorstellung der Einrichtung stand vor allem der Holzbildhauer Harald Wroost im Mittelpunkt des Besucherinteresses.

Holzbildhauser Harald Wroost mit der Skulptur „Affe mit Mütze"
Holzbildhauser Harald Wroost mit der Skulptur „Affe mit Mütze"

Der gebürtige Rostocker macht aus abgestorbenen Stämmen und Holzstücken Skulpturen. Besonders bekannt ist seine Figur des Fürsten Borwin III. in Marktgrafenheide, die er aus einer 365 Jahre alten und in der Rostocker Heide gewachsenen Eiche fertigte. Schon seit seiner Ausbildung als Stellmacher entwickelte sich bei ihm eine Leidenschaft für das Material: „Es ist Hassliebe. Zum einen gibt es immer wieder Schwierigkeiten bei der Beschaffenheit und den Eigenheiten des Holzes, zum anderen macht die Gestaltung aber unglaublich Freude.“

Leider geht so ein Tag des offenen Denkmals immer sehr schnell vorbei, sodass man gar nicht schafft, alles zu entdecken. Zum Glück sind auch einige der Denkmäler regulär zu besichtigen. Und bei den anderen heißt es warten auf den Tag des offenen Denkmals 2013.

Weitere Impressionen vom Tag des offenen Denkmals 2012:

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