Theaterrevue des jüdischen Theaters Mechaje

„Tante Minja oder Der Exodus“ im Theater im Stadthafen

28. Februar 2011, von
Tante Minja
Tante Minja

In der Langen Straße 9 entsteht derzeit der neue Musik-Theater-Salon des jüdischen Theaters Mechaje. Erst in den letzten Tagen hat der Zentralrat der Juden zusätzliche finanzielle Unterstützung zugesagt.

Da die Räumlichkeiten aber noch nicht fertiggestellt sind und für die Theaterrevue „Tante Minja oder Der Exodus“ wahrscheinlich auch etwas zu klein sein dürften, wurde das Theater im Stadthafen als Austragungsort ausgewählt. Die Premiere fand allerdings bereits im Dezember des letzten Jahres im Ateliertheater des Volkstheaters statt.

Jüdisches Theater Mechaje im Theater im Stadthafen
Jüdisches Theater Mechaje im Theater im Stadthafen

Um Punkt 18 Uhr begann schließlich vor gut gefülltem Haus die Vorstellung, nachdem zuvor noch schnell die Kopfhörer auf ihre Funktion überprüft worden waren. Kopfhörer im Theater? Ja Ihr habt richtig gelesen, denn das Stück wurde in russischer Sprache aufgeführt und über die Kopfhörer für alle diejenigen ins Deutsche übersetzt, die der russischen Sprache nicht mächtig waren – mich eingeschlossen. Also Kopfhörer aufgesetzt und los ging’s.

Zunächst kam eine Stimme aus dem Off, die aus den zehn Geboten vorlas: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten aus der Knechtschaft geführt hat.“ Anschließend betrat Michael Beitman-Korchagin, der bei dem Stück Regie geführt hatte, die Bühne und richtete sich an das Publikum: „So steht es in der Thora. Doch wie zieht man aus der Sowjetunion aus, nach Israel, Deutschland oder die USA?“

Tante Minja oder Der Exodus
Tante Minja oder Der Exodus

Inhaltlich ging es folglich um die Situationen verschiedener jüdischer Personen, die auf der Suche nach Glück aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland, Israel oder die USA ausgewandert waren und darum, auf welche Unwägbarkeiten, aber auch Freuden sie dabei gestoßen sind. Da gab es beispielsweise den Schriftsteller, der in die USA geht. Dort bekommt er die Chance auf ein Fernsehinterview, das allerdings zur reinen Werbeveranstaltung verkommt.

Eine andere Szene handelt von einem Ingenieur, der nach Deutschland kommt. Da seine Ausbildung aber als veraltet angesehen wird, muss er auf die Möglichkeit für eine Umschulung warten. Bis dahin vertreibt er sich lieber die Zeit damit, den idealen Bohrer zu finden, um ein Bild an der Wand aufzuhängen, was nach drei Wochen auch endlich gelingt.

Tante Minja oder der Exodus
Tante Minja oder der Exodus

Aber wer ist denn nun diese Tante Minja? Tante Minja ist eine Hochzeitsvermittlerin, die noch im Alter von 75 Jahren beschließt, nach Israel auszuwandern. Kaum dort angekommen, macht sie mit genau dem weiter, was sie offensichtlich am besten kann: Menschen miteinander verkuppeln. Warum sollte sie auch etwas ändern, denn sie weiß: „Solange du mit deinem Leben unzufrieden bist, wird es an dir vorbeiziehen.“

Auch wenn das Stück sehr humoristisch ausgerichtet ist und zahlreiche amüsante bis ein wenig verrückte Szenen aufweist, werden auch immer wieder ernste Momente eingestreut, die der Vorführung Tiefe verleihen. „Die künstlerische Qualität ist uns sehr wichtig“, betonte Regisseur Michael Beitman-Korchagin anschließend auch den eigenen Anspruch des Ensembles.

Tante Minja oder der Exodus im Theater im Stadthafen
Tante Minja oder der Exodus im Theater im Stadthafen

Beim Publikum stieß die Theaterrevue auf Gegenliebe. Der 89 jährigen Charlotte Rösler hatte die Aufführung jedenfalls gut gefallen, zudem betonte sie, dass sie immer wieder gerne zu Stücken des jüdischen Theaters Mechaje gehe. Dr. Manfred Hilner, Vorstandsvorsitzender des jüdischen Theaters, war ebenfalls zufrieden: „Am besten hat mir die Persiflage auf die amerikanische Szene gefallen.“

Wer sowohl die Premiere als auch die Aufführung im Theater im Stadthafen verpasst hat, der hat am 6. März noch einmal die Chance das Stück zu sehen. Dafür müsst Ihr dann allerdings nach Schwerin in das Theater E-Werk fahren. Die nächste Aufführung des Mechaje in Rostock (Splitter der Kristallnacht) wird dann erst im November, ebenfalls im Theater im Stadthafen, stattfinden. Zuvor ist das Ensemble aber nicht untätig, denn es ist unter anderem in Bayern und Hessen zu Gastspielen unterwegs.

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