„Der Sängerkrieg der Heidehasen“ in der Halle 207

Volkstheater Rostock zeigt Kindermusical von James Krüss inszeniert von Gerald Gluth

19. Juni 2011, von
Moritatensänger Andrea Stache-Peters und Christian Kuzio
Moritatensänger Andrea Stache-Peters und Christian Kuzio

„Man ist das langweilig!“ – wird wohl jeder schon einmal irgendwann geseufzt haben. Besonders Prinzessinnen haben mit Langeweile zu kämpfen, schließlich werden sie die ganze Zeit bedient. Und wenn sie mal etwas tun wollen, zum Beispiel Federballspielen, dann ist keiner da. So geht es auch der Hasenprinzessin Mina.

Aber sie hat schon eine Lösung: Heiraten. Denn „wenn zwei Hasen heiraten, dann sind sie ganz oft zusammen, machen alles gemeinsam, tragen schicke Ringe und ihnen ist überhaupt nicht mehr langweilig.“ So einfach ist das, erfahren die Theaterbesucher in dem Musical „Der Sängerkrieg der Heidehasen“. Gerald Ruth hat es nach dem Hörbuch von James Krüss für Kinder ab 5 Jahren inszeniert.

Lodengrün und Prinzessin Mina
Lodengrün und Prinzessin Mina

Mit einem riesigen, bunten Bilderbuch (Bühnenbild von Andrea Eisensee) erzählen zwei Moritatensänger, begleitet von einer E-Gitarre die Geschichte.

Und weil es darin um Hasen geht, waren heute Vormittag zur Premiere nicht nur große Theaterbesucher, sondern auch viele kleine Hasenkinder mit langen Ohren und Schnuppernasen in die Halle 207 gehoppelt.

Jörg Schulze und Bjoern-Ole Blunck treten im Sängerkrieg der Heidehasen an
Jörg Schulze und Bjoern-Ole Blunck treten im Sängerkrieg der Heidehasen an

Gespannt wollten sie wissen, wen Mina denn nun heiraten wird. Die Prinzessin, süß und liebenswürdig dargestellt von Laura Bleimund, hat auch schon einen ganz bestimmten Bräutigam ins Auge gefasst. Allerdings kennt sie seinen Namen nicht. Sie weiß nur, dass er wunderschön singen kann. Um ihn zu finden, veranstaltet ihr Vater, der König (Ulrich K. Müller), einen Sängerkrieg.

Die Tradition derartiger Wettstreite lässt sich bis in die mittelalterliche Sagenwelt zurückverfolgen. Anspielungen gibt es im „Sängerkrieg der Heidehasen“ auch auf Richard Wagner, der den Stoff in einer Oper verarbeitete. Lodengrün, so der Name von Minas Schwarm, ist dem Titel der Wagner Oper Lohengrin zum Verwechseln ähnlich und natürlich kennt sich der junge Meistersinger auch hervorragend bei den Opernsängern (Robert de Möhro) aus und hat auch eine Lieblingsoper. Na, wenn so ein netter Sympathieträger da nicht den einen oder anderen kleinen Zuschauer auch für das große Musiktheater begeistern kann.

Dirk Donat als Direktor Wackelohr
Dirk Donat als Direktor Wackelohr

Ihren jüngsten Ausdruck finden die Sängerkriege aber wohl in den diversen Casting-Shows der Fernsehsender, die dem Publikum nicht unvertraut sein dürften.

Auch die Heidehasen in Rostock sind diesbezüglich in der Gegenwart angekommen und treten fast wie die Teenie-Stars der aktuellen Charts auf. Obwohl sie James Krüss bereits 1952 gegeneinander singen ließ, haben die Langohren schon einmal etwas von DSDS gehört und verstehen es zu rappen. Vor allem Stephan Fiedler in der Rolle des jungen Helden Lodengrün konnte seine Flow-Techniken unter Beweis stellen und erntete dafür viel Beifall beim Premierenpublikum. Die passenden Moves dürfen beim Hip-Hop natürlich auch nicht fehlen. Auch die Klamotten sind entsprechend hip. Mit sportlichen Streifen und coolen Kopfbedeckungen hat Ulrike Schlafmann die jungen Hasen zurechtgemacht.

Heidehasen Paul Walther und Stephan Fiedler
Heidehasen Paul Walther und Stephan Fiedler

Nur Direktor Wackelohr mit seinem dicken Wackelbauch (Dirk Donat) scheint noch von der alten Schule zu sein. Aber auch er möchte den Wettstreit gewinnen und schreckt dabei nicht vor Betrügereien zurück.

Als Böser der Geschichte ist er eindeutig an den langen Hasenzähnen zu erkennen und dabei doch auch irgendwie witzig. So auch sein Komplize der gewiefte Minister (Paul Walther). Dieser hat einen Stimm-O-Mat aufgetrieben. „Da singt man schlecht rein und da kommt es gut raus“, preist der Verkäufer das Gerät an. Kommt das jemandem bekannt vor?

Aber nicht nur die Stimme, auch das Publikum will der Minister manipulieren. Aber das lässt sich nur anfänglich von den Applausschildern lenken. Zum Schluss, als die Prinzessin ihren Bräutigam küssen darf, gibt es ausgiebigen Beifall für alle Hasen auf der Bühne.

Noch bis zum 28. August wird „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ ausgetragen. Wer wissen möchte, wie er ausgeht, sollte beim Volkstheater Rostock in der Halle 207 vorbeischauen.

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1 Kommentar

  • Ingo Schetzien sagt:

    Wieso man den Kindern den Begriff „Krieg“ als etwas relativ Harmloses unterjubelt ist mir unbegreiflich. Eine katastrophale Unsensibilität.

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