Uraufführung des Weihnachtsmärchens Schneekönigin

Amina Gusner inszeniert den Winterklassiker von Hans Christian Andersen für das Rostocker Volkstheater

1. Dezember 2018, von
Juschka Spitzer als Schneekönigin im Volkstheater Rostock (Foto: Dorit Gätjen)
Juschka Spitzer als Schneekönigin im Volkstheater Rostock (Foto: Dorit Gätjen)

Während draußen der Spätherbst die letzten Blätter von den Bäumen pustet, wintert es bereits im Großen Saal des Rostocker Volkstheaters. Es hat die Schneekönigin auf die Bühne gebracht. Das berühmte Kunstmärchen von Hans Christian Andersen in einer werktreuen und dennoch sehr modernen Fassung von der mehrfach preisgekrönten Regisseurin Amina Gusner wurde bereits am Montag vor ausverkauftem Schülerpublikum uraufgeführt. Ab morgen gibt es auch Familienvorstellungen.

Erzählt wird die Geschichte der beiden befreundeten Nachbarskinder Kai (Cornelia Wöß) und Gerda (Katja Göhler). „Wo du auch hingehen wirst, ich will immer bei dir sein“, singen die Beiden anfangs noch vergnügt zu einer bekannten Melodie eines Wir-sind-Helden-Hits. Doch dann werden sie getrennt. Kai wird von Splittern eines Zauberspiegels getroffen. Sein Herz verwandelt sich in einen Eisklumpen und er selbst in einen egoistischen Rüpel. Der „Mathe-Checker“ wendet sich von Gerda ab und lässt sich von der Schneekönigin (Juschka Spitzer) in ihr Reich entführen.

Gerda ist verzweifelt und begibt sich auf eine abenteuerliche Suche nach ihrem Freund. Sie trifft eine Blumenfrau, die sie fast ebenfalls verführt hätte, bei ihr zu bleiben, hilfreiche Krähen, ein Prinzenpaar, das sie für die kalte Reise ausstattet und eine Räuberbande. Weit wäre sie ohne die Kinder im Publikum jedoch wohl nicht gekommen. Immer wieder rufen die jungen Zuschauer Gerda ihre Unterstützung zu. Der Inszenierung gelingt es außerordentlich gut, ihre Zielgruppe anzusprechen. Vergnügte, verträumte und spannungsreiche kurzweilige Szenen hält sie für sie parat. Mit einer ordentlichen Portion Glitzerschnee, atmosphärischen Bühnenbildern und angesagten Pop- und Hip-Hop-Songs werden die Figuren in Szene gesetzt. Liebevoll und originell werden sie von einem sechsköpfigen Ensemble dargestellt. Es diskutiert Geschlechterrollen (die Inszenierung strotzt nur so von starken Frauenrollen. Es gibt sogar eine Schneefrau statt des meist üblichen Schneemannes) und das große Thema: Freundschaft.

Einen starken Höhepunkt dabei stellt die Begegnung Gerdas mit dem Räubermädchen (Beatrice Boca) dar. Das zunächst äußerst bedrohliche und eigennützige Räubermädchen entwickelt schließlich Mitgefühl und erkennt, dass Freundschaft nicht zu erzwingen ist. Einen erleichternden Zwischenapplaus gibt es daher vom Publikum als auch bei Gerda die Angst in Zuneigung umschlägt. Das Räubermädchen entlässt schließlich ihr Rentier in die Freiheit, das nun Gerda auf ihren Weg zur Schneekönigin ein Stück begleitet.

Letztendlich ist es auch Gerdas Mitgefühl, mit dem sie den bösen Zauber brechen kann. Es sind ihre Tränen, die das Herz aus Eis zum schmelzen bringen und Kai erlösen. Diese Kraft war bereits in ihr – so die Lektion des Märchens – keine andere Magie wäre mächtiger gewesen, erklärt die Alte Finnin, kurz vor dem großen Finale.

Während der romantische Dichter Andersen, der 1875 in Kopenhagen starb, sich in seiner Literaturvorlage mit dem Sieg des Mitgefühls auch gegen die Ratio stellte, betont Amina Gusner in ihrer Bearbeitung die Empathielosigkeit als dessen Alternative und trifft damit den Zeitgeist.

Familienvorstellungen:

  • Sonntag, 02. Dezember 2018, 11:00+16:00 Uhr, Volkstheater Rostock – Großes Haus</
  • Sonntag, 16. Dezember 2018, 11:00 Uhr, Volkstheater Rostock – Großes Haus
  • Samstag, 22. Dezember 2018, 11:00 Uhr, Volkstheater Rostock – Großes Haus
  • Sonntag, 23. Dezember 2018, 11:00 Uhr, Volkstheater Rostock – Großes Haus
  • 2. Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember 2018, 11:00 Uhr, Volkstheater Rostock – Großes Haus

Alle weiteren Termine sind unter www.volkstheater-rostock.de zu finden.

Foto: Dorit Gätjen

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