Wiro will Grund im LSG Diedrichshäger Land kaufen

Die Wiro soll Grundstücke im Landschaftsschutzgebiet Diedrichshäger Land kaufen – wozu bleibt unklar, eine Bebauung hat die Rostocker Bürgerschaft bereits vor Jahren abgelehnt

12. August 2020, von
Zwischen Golfplatz und Solarpark - Wiro will Grundstücke im LSG Diedrichshäger Land kaufen
Zwischen Golfplatz und Solarpark - Wiro will Grundstücke im LSG Diedrichshäger Land kaufen

Knapp drei Jahre ist es her, dass sich die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock gegen eine Bebauung im Landschaftsschutzgebiet (LSG) Diedrichshäger Land aussprach. Auf einem rund 35 Hektar großen Areal zwischen Golfplatz und Solarpark wollte Grundstückseigentümer Jens Gienapp zusammen mit der kommunalen Wohnen in Rostock Wohnungsgesellschaft (Wiro) hier ein Wohngebiet mit Ein- und Mehrfamilienhäusern erschließen. Nach massiven Protesten einer Bürgerinitiative sowie des Ortsbeirats votierte die Bürgerschaft für den Erhalt des LSG.

Der damalige Oberbürgermeister Roland Methling versprach, das Thema während seiner Amtszeit nicht wieder auf die Tagesordnung zu stellen. Unter seinem Nachfolger Claus Ruhe Madsen kocht das Thema nun jedoch wieder hoch. Es gibt einen Prüfauftrag der Verwaltung an die Wiro, die Flächen zu kaufen, bestätigte Madsen gestern in der Ortsbeiratssitzung.

Vor 25 Jahren habe eine „sehr weitsichtige Stadtverwaltung“ in Biestow und anderen Gebieten Flächen aufgekauft, „einfach um sie haben“, erklärte der Oberbürgermeister. Ähnlich verhalte es sich jetzt mit den Flächen im LSG Diedrichshäger Land. „Wenn ein solches Riesengrundstück zu erwerben ist“, müsse „eine weitsichtige Verwaltung oder Kommunalgesellschaft“ dies tun, so Madsen. Die Stadt lege fest, was ihre kommunale Tochter Wiro zu tun habe, auch wenn die Situation in 20 oder 30 Jahren vielleicht ganz anders aussieht. „Ich glaube, dass sonst niemals in dieses Gebiet Ruhe einkehren wird, solange dort private Investoren unterwegs sind.“

Laut Aussage der Wiro würde sich der Kauf des Grundstückes allein durch die Pacht für die dort stehenden Windkraftanlagen innerhalb weniger Jahre amortisieren, erklärte Madsen. Um die Wirtschaftlichkeitsberechnung mache er sich bei der Wiro keine Sorgen, zumal sie genug liquide Mittel hätte, um diese auch mal über Jahrzehnte zu parken. Zudem würde das Gebiet nicht in den Flächennutzungsplan aufgenommen, versuchte Madsen zu beruhigen.

Richtig überzeugen konnte der Verwaltungschef mit seinen Ausführungen nicht. Ortsbeiratsmitglied Stephan Porst, der sich bereits in der Bürgerinitiative engagiert hatte, erinnerte Madsen an sein Wahlversprechen, dort keine Häuser zu bauen. „Wenn es eine perspektivische Flächenvorsorge ist, was soll die Wiro an dieser Stelle mit den Grundstücken machen?“, fragte Porst. Zudem hegte er „ehebliche Zweifel“, dass sich die Finanzierung mit den alten, teilweise längst aus der Förderung gefallenen Windkraftanlagen tatsächlich rechne.

Norma-Markt im Landschaftsschutzgebiet?

Begehrlichkeiten gibt es auch von anderer Seite. Seit mehreren Jahren möchte Norma einen Einkaufsmarkt in Diedrichshagen bauen. Aus städteplanerischer Sicht gehöre der Nahversorger ins Zentrum, erklärte Ralph Müller, Leiter des Stadtplanungsamtes. Dort sei jedoch kein Platz mehr, sodass er zwar trotzdem den ersten Kreisel aus Warnemünde kommend bevorzuge, allerdings östlich des Zentrums.

„Damit liegen wir im Landschaftsschutzgebiet, das ist ein Problem“, so Müller. Wenn es nicht nur um die Nahversorgung, sondern etwa auch um eine Gemeindeschwester oder eine kleine Kindereinrichtung ginge, könnte ein übergeordnetes öffentliches Interesse geltend gemacht werden. Die Leiterin der unteren Naturschutzbehörde Ute Fischer-Gäde könne sich in diesem Fall – anders als bei ganz normalem Wohnungsbau – eine Ausnahme vorstellen.

Der andere mögliche Standort, am Kreisel aus Elmenhorst kommend, liegt in einer Siedlungszäsur des regionalen Raumentwicklungsprogramms. Wenn kein anderer Standort möglich ist, könne sich die zuständige Raumordnungsbehörde aber auch hier eine Ausnahme vorstellen, so Müller. Bis zum Jahresende soll zusammen mit dem Ortsbeirat eine Abwägung erfolgen, dann müsse die Bürgerschaft entscheiden.

Auf Empfehlung des Warnemünder Bauausschuss beschloss der Ortsbeirat jedoch bereits gestern, darauf Einfluss zu nehmen, dass es „auf der Grundlage der bisherigen Beschlusslage aktuell zu keinem Verkauf der im Landschaftsschutzgebiet liegenden Grundstücke an die Wiro kommt und dass der Firma Norma zur Errichtung eines Verbrauchermarktes ausschließlich die Grundstücksfläche am – von Warnemünde aus gesehen – südlichen Teil des zweiten Kreisels, selbstverständlich in Verbindung mit den entsprechenden planungsrechtlichen Grundlagen, angeboten werden darf.“ Das letzte Wort hat in beiden Angelegenheiten die Bürgerschaft.

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