Diskussion über höhere Kurabgabe in Rostock

Die Kurabgabe in den Rostocker Seebädern Warnemünde, Diedrichshagen, Hohe Düne und Markgrafenheide soll ab 1. Mai 2021 ganzjährig auf 2,25 Euro steigen

14. April 2021, von
Diskussion über höhere Kurabgabe in Rostock (Foto: Archiv)
Diskussion über höhere Kurabgabe in Rostock (Foto: Archiv)

Übernachtungsgäste müssen in den vier Rostocker Seebädern künftig tiefer in die Tasche greifen. Die Kurabgabe soll in Warnemünde, Diedrichshagen, Hohe Düne und Markgrafenheide ganzjährig bei einheitlich 2,25 Euro pro Tag liegen. Damit erhöht sie sich vor allem in der Nebensaison und außerhalb von Warnemünde deutlich.

Kurabgabe steigt in der Nebensaison deutlich

In der Hauptsaison liegt die Kurabgabe in Warnemünde bereits jetzt bei 2,25 Euro am Tag. In Hohe Düne und Markgrafenheide beträgt sie 1,75 Euro, in Diedrichshagen 1,50 Euro. Besonders stark wäre der Anstieg in der Nebensaison. In Warnemünde liegt die Kurtaxe von April bis Oktober aktuell bei 1,50 Euro.

Ortsbeiratsmitglied Stephan Porst (Grüne) kritisierte, dass die Kurtaxe künftig ganzjährig einheitlich sein soll, obwohl ein großer Anteil der Kosten in der Hauptsaison anfällt. Sei es den Wintergästen gegenüber nicht fairer, die Abgabe übers ganze Jahr gleichmäßig zu erhöhen, fragte er.

„Wir haben uns zur Ganzjahresdestination entwickelt“, die auch eine Ganzjahreskalkulation rechtfertigt, entgegnete Tourismusdirektor Matthias Fromm. Die größten Zuwächse bei den Übernachtungen gibt es inzwischen außerhalb der Sommermonate. Mit dem Warnemünder Wintervergnügen, Halloween-Veranstaltungen oder der Unterstützung von Turmleuchten und Weihnachtsmarkt sind auch in der Nebensaison zahlreiche Veranstaltungen entstanden. Zudem gehe die Beseitigung von Sturmschäden im Herbst und Winter ins Geld.

Deutliche Kritik an der Erhöhung gab es aus Diedrichshagen, wo kaum touristische Infrastruktur vorhanden ist. Fehlende Radwege, Beleuchtung, Toiletten und die Möglichkeit, mit dem Bollerwagen an den Strand zu kommen, wurden etwa vom Landhotel Ostseetraum bemängelt. Eine solche „Hammer“-Erhöhung sei weder fair gegenüber den Gästen noch charmant als Gastgeber.

„Ja, es ist ein Hammer, das ist richtig“, sagte Fromm, „aber wenn wir jetzt diesen Schritt nicht gehen, dann verlieren wir noch mehr den Anschluss an Kühlungsborn oder Graal-Müritz.“ Einige Kritikpunkte liegen nicht in der Verantwortung der Tourismuszentrale, andere lassen sich im Naturschutzgebiet am Strand vor Diedrichshagen nicht realisieren. Zudem würden die Gäste auch die Angebote im benachbarten Warnemünde nutzen. „Wir brauchen jetzt Spielraum genau für die Qualität, die unsere Gäste wollen und suchen“, warb der Tourismusdirektor für die höhere Abgabe.

Kurabgabe trotz gestiegener Kosten seit 2008 nicht erhöht

Die Einnahmen aus der Kurabgabe werden zweckgebunden für die Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur und des touristischen Angebots verwendet, etwa für Strandreinigung, Wasserwacht, Veranstaltungen oder die Touristeninformation.

Seit Inkrafttreten der Kurabgabesatzung am 01. Januar 2008 wurde der Betrag nicht mehr angepasst. Vor allem in den letzten Jahren seien die Aufwendungen jedoch stark gestiegen, so Fromm. 2019 wurden die Gesamtkosten durch die Kurtaxe lediglich zu 73 Prozent gedeckt, im Corona-Jahr 2020 waren es sogar nur rund 60 Prozent. Die Tourismusfinanzierung ist jedoch eine freiwillige Aufgabe der Kommune. Mindestens zehn Prozent der Kosten muss die Gemeinde tragen, die anderen 90 Prozent Deckungsquote sollten möglichst über die Kurtaxe gedeckt werden, erläuterte Tourismusdirektor Fromm die Hintergründe.

Die Tourismuszentrale rechnet durch die Erhöhung für 2021 mit Mehreinnahmen in Höhe von mindestens 300.000 Euro. Künftig sollen die jährlichen Einnahmen durch die Kurabgabe bei 2,57 Mio. Euro liegen, im Jahr 2019 betrugen sie 2,07 Mio Euro.

Ortsbeiratsmitglied Sven Klüsener (SPD) warf ein, ob man „den Fehler aus der Vergangenheit auf einen Schlag ausgleichen“ muss oder die Kurtaxe angesichts der Corona-Pandemie nicht schrittweise erhöhen könnte und der städtische Zuschuss so lange höher bleibt. „Die Nachfrage ist ungebrochen, Inlandstourismus – gerade in Pandemiezeiten – liegt im Trend“, ist sich Fromm sicher, dass eine Erhöhung keinen Einfluss auf das Urlaubsverhalten der Gäste hat.

Ortsbeirat stimmt für Erhöhung fordert jedoch kostenlose Toiletten

„Es kann nicht sein, dass wenn jetzt die Kurabgabe erhöht wird, alles so weiterläuft wie bisher“, stellte Axel Tolksdorff (Rostocker Bund) klar und forderte, dass zumindest die Nutzung der Toiletten in den Seebädern künftig kostenfrei möglich sein muss. Ob und wie dies mit dem „Entgeltkonzept für die Inanspruchnahme öffentlicher Sanitäranlagen der Hansestadt Rostock“ in Einklang gebracht werden kann, ist allerdings noch unklar. Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski hatte in diesem Zusammenhang bereits früher erklärt, dass es ohne Einnahmeerzielungsabsicht Vorsteuer-Rückforderungen des Finanzamts in sechsstelliger Höhe geben könnte.

Nach langer Diskussion stimmte der Ortsbeirat für die Beschlussvorlage zur Erhöhung der Kurabgabe, forderte aber im Änderungsantrag von Tolksdorff eine kostenfreie Toilettennutzung in Warnemünde. Entscheiden muss die Bürgerschaft in ihrer Sitzung am 21. April.

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