Zwei neue Wohnungsbauprojekte in Warnemünde

Neue Wohngebiete sollen am ehemaligen Güterbahnhof und in der Parkstraße entstehen

11. Juli 2012, von
Architekt Carsten Gieseke vor dem Model der Neubauten in der Parkstraße in Warnemünde
Architekt Carsten Gieseke vor dem Model der Neubauten in der Parkstraße in Warnemünde

Warnemünde stirbt aus! Zumindest werden die Einwohner des Stadtteils immer weniger. Zählte das Siedlungsgebiet in den 60er-Jahren noch über 18.000 Bewohner, sind es inzwischen nur noch etwa 6700.

„Das liegt vor allem an den Ferienwohnungen. Sind sonst 15 bis 20 Prozent Anteil normal, sind es in Warnemünde weit über 25 Prozent Ferienwohnungen“, vergleicht der Ortsbeiratsvorsitzende Alexander Prechtel das Ostseebad mit anderen Urlaubsorten. So ist Warnemünde durch ein hohes Durchschnittsalter auf der einen Seite und fehlenden bezahlbaren Wohnraum für junge Familien auf der anderen Seite gekennzeichnet.

Um für sie wieder mehr Platz zu schaffen, sollen in den nächsten Jahren etwa 1000 neue Wohnungen im Ostseebad entstehen. Neben dem größten Projekt, der Mittelmole, sind es vor allem zwei Standorte, an denen neue Wohnanlagen in Planung sind.

Ein Wohn- und Sportpark sollte auf der Brachfläche zwischen Sportplatz und Jugendherberge in der Warnemünder Parkstraße eigentlich entstehen. Zwei Drittel Sport, ein Drittel Wohnen sah der Bebauungsplan für diesen Bereich vor, nachdem die ehemaligen Wohnheime der Warnowwerft abgerissen waren. Wünsche, die mit den wirtschaftlichen Interessen möglicher Investoren nicht in Einklang zu bringen waren. Passiert ist in den letzten Jahren nichts, sodass die Stadtverwaltung ein Konzept zur Änderung des Bebauungsplanes entwarf.

Zehn Häuser mit 145 Wohneinheiten sollen hier nun in Zukunft stehen. Eine Besonderheit, die aus einer Auflage der Stadt resultiert, ist, dass der gesamte Verkehr unter den Boden verlegt werden soll. Alle Wohnungen sollen deshalb über Tiefgaragen verfügen. Etwa zwei Drittel der Wohneinheiten sollten Eigentumswohnungen werden, die restlichen Quartiere sind für Mieter vorgesehen.

Zu „bezahlbaren Mieten“, wie es gestern hieß. Was dies genau bedeudet, darauf wollte sich Alfred Kreis, Geschäftsführer der OSPA Immobiliengesellschaft noch nicht festlegen, es könnten aber um die 10 Euro pro Quadratmeter werden. Wobei Oberbürgermeister Roland Methling vor der Wahl für die hier entstehenden Wohnungen erstmalig wieder eine Mietsubvention der Stadt versprach. Insgesamt rechne man mit Gesamtkosten in einer Höhe von 30 Millionen Euro.

Neben den Gebäuden soll ebenfalls eine neue Dreifelder-Sporthalle entstehen. Mit dieser soll die einst vom Haus des Sports gebotene Sportfläche verdreifacht werden. „Die Mittel für die Halle sind fest im Haushalt 2012/2013 eingeplant“, sagte Oberbürgermeister Roland Methling.

Architekt Thomas Jäntsch vor den Entwürfen des Wohnparks "Am Molenfeuer"
Architekt Thomas Jäntsch vor den Entwürfen des Wohnparks "Am Molenfeuer"

Schon über die Planungsphase hinaus und kurz vor Beginn des ersten Bauabschnittes ist der Wohnpark „Am Molenfeuer“. Auf dem Gebiet, wo früher einmal der Güterbahnhof war, soll ein moderner Multifunktionskomplex mit Büros, Ladenflächen, einem Parkhaus und 64 Wohnungen (im ersten Bauabschnitt) entstehen. Durch die direkte Nähe zum neuen Verkehrsknotenpunkt Warnemünde hat die Anlage eine günstige Anbindung an die lokale Verkehrsinfrastruktur.

Das Projekt des Architekturbüros Jäntsch befindet sich momentan in der Endphase der Planung und Zulassung. Wenn alles glatt läuft, wird noch in diesem Sommer mit dem Bau begonnen. Im Idealfall könnten Ende nächsten Jahres sogar schon die ersten Molenfeuerbewohner ihr neues Heim beziehen.

In Warnemünde boomt momentan also der Wohnungsbau. Doch die Angst der Einwohner bleibt, dass auch die neuen Häuser in der Parkstraße nur als Ferienwohnsitz genutzt werden und der Küstenort im Winter weiter ausgestorben bleibt. Einer Zweckentfremdung des hier entstehenden Wohnraums als Ferienwohnungen erteilte Stadtplaner Ralph Müller jedoch eine klare Absage. Laut B-Plan seien diese ausdrücklich ausgeschlossen.

Außerdem bleibt die Frage, wie es mit Arbeitsplätzen und Versorgungsinfrastruktur aussieht. Doch, „das ist das typische Henne-Ei-Problem“, so Prechtel, „wir können nicht schon zehn neue Kindergärten bauen, bevor die Leute da sind. Wir müssen die Stadt erst wieder mit Leben füllen!“

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