Erste 24-Stunden-Kita für Rostock

Der Spatenstich für die Rund-um-die-Uhr-Betreuungseinrichtung in Reutershagen ist erfolgt – die Eröffnung der Kita ist für September 2015 geplant

29. September 2014, von
Kinder, Sonne, Politiker zum Spatenstich für die erste 24-Stunden-Kita in Rostock. Zum feierlichen Baustart eines Kindergartens waren zahlreiche hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft nach Reutershagen gekommen.
Kinder, Sonne, Politiker zum Spatenstich für die erste 24-Stunden-Kita in Rostock. Zum feierlichen Baustart eines Kindergartens waren zahlreiche hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft nach Reutershagen gekommen.

Es sei wirklich nicht schlimm, sollen Kinder der Schweriner 24-Stunden-Kita Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) erzählt haben, berichtet sie heute in Rostock von ihrer anfänglichen Skepsis, Kleinkinder über Nacht weggeben zu müssen. Manchmal ist es jedoch in der modernen Arbeitswelt nicht anders möglich. Alleinerziehende, Schichtarbeiter, keine Großeltern in der Nähe – da geraten Familien mit den konventionellen Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen schnell an ihre Grenzen.

Nach Schwerin und Greifswald soll nun auch unsere Hansestadt ab September 2015 zum ersten Mal eine 24-Stunden-Kita bekommen. Heute wurde der erste Spatenstich gesetzt. Mehrere Anläufe waren dafür nötig. Über vier Jahre hatte allein der zukünftige Träger der Einrichtung die Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik (GGP) nach einem geeigneten Standort gesucht. Nun will sie an ihrer Kindertagesstätte in der Humperdinckstraße anbauen lassen. Bauherr ist der Waldemarhof e.V. Etwa zwei Millionen Euro kostet das Bauvorhaben, wovon 231.000 Euro aus Fördergeldern stammen.

365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag und in der Nacht können hier dann Kinder von Fachkräften betreut werden. 130 neue Plätze entstehen, womit die Einrichtung auf insgesamt 220 Kinder im Krippen- und Kindergartenalter wächst. 20 neue Mitarbeiter sollen eingestellt werden. Neben erweiterten Öffnungszeiten sind zunächst 50 Übernachtungsmöglichkeiten vorgesehen. „Wir sehen aber, dass der Bedarf größer ist. Schon jetzt gibt es gut ein Dutzend Anmeldungen“, sagt GGP-Bereichsleiter Dr. Wolfgang Richter.

Innenminister Lorenz Caffier hatte ein praktisches Geschenk dabei.
Innenminister Lorenz Caffier hatte ein praktisches Geschenk dabei.

Die Betreuungsangebote richten sich insbesondere an Eltern und Sorgeberechtigte, die im Schicht-, Wochenend- und Feiertagsdienst oder in individuellen Arbeitszeitmodellen beispielsweise in der Pflege und im Gesundheitswesen, bei der Polizei, Feuerwehr, im Nahverkehr oder in der Gastronomie und Tourismusbranche beschäftigt sind. Partnerschaften gibt es bereits mit der Universität, deren Klinik zu den größten Arbeitgebern mit Schichtbetrieb in Rostock zählt, und der Polizei. „Allein in den verschiedenen Polizeidienststellen an den Standorten Rostock und Waldeck arbeiten derzeit 168 Eltern, die fast 196 Kinder im Alter von null bis sechs Jahren zu betreuen haben“, weist Innenminister Lorenz Caffier (CDU) auf den potenziellen Bedarf hin. Auch wenn Mitarbeiter dieser beiden Institutionen zunächst Vorrang genießen, stehe das Betreuungsangebot prinzipiell allen offen. Schon jetzt haben sich mehrere Unternehmen bei der GGP gemeldet.

Voraussetzung für die Aufnahme in der 24-Stunden-Kita ist ein Dienstnachweis. Schließlich – so wird von allen Seiten betont – sei die Einrichtung kein Aufbewahrungsort, sondern solle die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern und so die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes stärken.

Aber noch seien einige Details zu klären: eine stabile Finanzierungsgrundlage beispielsweise. Denn die Mehrkosten für das 24-Stunden-Angebot sind nicht durch die Regelpreise zu decken. Angestrebt wird eine 50:50-Aufteilung zwischen Stadt und Eltern, wobei auch die Arbeitgeber aufgefordert sind, die Eltern dabei zu unterstützen. Vom Finanzsenator gibt es diesbezüglich schon positive Signale.

Kindergarten der GGP - sie betreibt acht Kita-Einrichtungen, sechs davon in Rostock.
Kindergarten der GGP - sie betreibt acht Kita-Einrichtungen, sechs davon in Rostock.

Die Kita-Erweiterung hatte auch bei den Anwohnern zu Befürchtungen geführt. Ihnen entgegnet Wolfgang Richter, dass es keinen nächtlichen Bring- und Abholverkehr geben werde. Schon allein aus Rücksicht auf den Tagesrhythmus der Kinder werde ein geordnetes und ruhiges Angebot mit festen Zeiten angestrebt. So soll der Nachwuchs zum gemeinsamen Abendessen um 19 Uhr gebracht und nicht vor dem gemeinsamen Frühstück um 7 Uhr abgeholt werden.

Richter erwartet, dass der Schritt zur ersten 24-Stunden-Kita in Rostock auch andere Träger beflügeln könnte. Bedarf gebe es genug, beispielsweise in der Innenstadt, wo jedoch die Standortsuche zunehmend komplizierter werde.

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