25 Jahre Rostocker Ortsbeiräte

Festveranstaltung würdigt die ehrenamtlichen Vermittler zwischen Einwohner und Verwaltung

16. November 2016, von
Sieben Ortsbeiratsvorsitzende wurden für ihr Engagement geehrt.
Sieben Ortsbeiratsvorsitzende wurden für ihr Engagement geehrt.

Parkplatzprobleme, Bauvorhaben, Lärm, die Linienführung einer Buslinie, die Größe des Weihnachtsmarktes – immer wieder sind es ähnliche Themen, die die Emotionen der Rostocker hochkochen lassen, wenn sie mit den Plänen ihrer Stadtverwaltung nicht einverstanden sind oder es in ihrem Wohnumfeld zu Konflikten kommt.

Als Katalysator für aufkommende Unmutserscheinungen und Moderator zwischen Behörden und Einwohner haben sich in den letzten 25 Jahren die Rostocker Ortsbeiräte etabliert. Im Herbst 1991, als die kommunale Selbstverwaltung nach der deutschen Wiedervereinigung neu organisiert werden musste, wurden sie nach dem Vorbild der Partnerstadt Bremen ins Leben gerufen. Zum silbernen Jubiläum versammelten sich nun viele ehemalige und aktuelle Mitglieder der 19 Ortbeiräte zu einer Festveranstaltung in der Nikolaikirche.

„Nach 40 Jahren Deutsche Demokratische Republik wussten wir zwar wie Demokratie geschrieben wurde, aber wie das funktioniert und wie man das lebt, da hatten wir Lernbedarf“, erinnerte Karl Scheube an die schwierigen Anfangszeiten. Seit 1992 ist er Mitglied und seit 1999 Vorsitzender des Ortsbeirates Brinckmansdorf. Sitzungen, Begehungen, Ausschüsse und Informationsgespräche mit der Stadtverwaltung gehören seitdem zu seinem ehrenamtlichen Aufgabenbereich. Mit Ruhe und Sachlichkeit versucht er mit seinen Gesprächspartnern zu Lösungen im Sinne der Bewohner seines Ortsteils zu kommen. Manchmal habe er sie auch bei einem Spaziergang mit seinem Dackel in der Nachbarschaft angetroffen, erzählt er über seine langjährigen Erfahrungen.

Festveranstaltung 25 Jahre Ortsbeiräte in der Nikolaikirche
Festveranstaltung 25 Jahre Ortsbeiräte in der Nikolaikirche

Über 700 Mitstreiter waren in den vergangen Legislaturperioden in den Rostocker Ortsbeiräten tätig. Auch wenn die Ortsbeiräte nur eine beratende Funktion gegenüber der Bürgerschaft und Verwaltung haben, seien ihre Hinweise und Kritik extrem wichtig, lobt Verwaltungschef Oberbürgermeister Roland Methling. Viele Ortsbeiräte machten von ihrem Antragsrecht intensiven Gebrauch und da auch jeder Einwohner einen Antrag bei seinem Ortsbeirat stellen könne, schließe sich für ihn der Kreis der Mitbestimmungsrechte. Als „Instrument, sich aktiv in die Stadtpolitik einzubringen“, begrüßt er auch das seit dieser Legislaturperiode eingeführte eingeschränkte Vetorecht der Ortsbeiräte. „Das hat uns so manches Mal geholfen, eine noch bessere Lösung für den Ortsbereich zu finden.“

Nicht genug, findet Alexander Prechtel, Vorsitzender des Ortsbeirates der Seebäder Warnemünde und Diedrichshagen und erntet dafür spontanen Applaus. Die Warnemünder wurden von allen Rednern als besonders streitfreudig und engagiert hervorgehoben und vom Bürgerschaftspräsidenten sogar als kleines gallisches Dorf bezeichnet. Alexander Prechtel fordert eine noch stärkere Einbindung der Einwohner bei politischen Entscheidungsprozessen. Denn gerade in den letzten Jahren habe der Bürgerwille auch in Rostock eine neue Qualität bekommen. Den Ortbeirat sieht er dabei in der Rolle als Mittler und unmittelbarer Fürsprecher der Bevölkerung, der von der Verwaltung und Bürgerschaft noch intensiver wahrgenommen und beteiligt werden müsse. „Denn auch wenn die Einwände der Ortsbeiräte bisweilen lästig erscheinen. Die Erfahrung zeigt, dass oftmals nachträglich Ärger und Aufwand erspart blieben. Das Ignorieren von Sachhinweisen und Anliegen nicht nur durch einzelne Verwaltungsmitarbeiter, sondern auch durch die Verwaltungsspitze sind nicht hinnehmbar.“

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