Mittelmole Warnemünde – Bürgerbeteiligung, aber kein Wunschkonzert

In einer Prüfwerkstatt diskutierten Einwohner, Verwaltung und Politik die Zukunft der Warnemünder Mittelmole – Wohnen, Parken, Tourismus und Landmarken waren Thema

10. Oktober 2021, von
Andrea Krönert (Grüne, v.l.), Helge Bothur (Linke), Anke Knitter (SPD), Ralf Zimlich (Wiro-Geschäftsführer) und Constanze Ackermann (Urbanista) diskutierten mit Einwohnern über die Zukunft der Mittelmole Warnemünde
Andrea Krönert (Grüne, v.l.), Helge Bothur (Linke), Anke Knitter (SPD), Ralf Zimlich (Wiro-Geschäftsführer) und Constanze Ackermann (Urbanista) diskutierten mit Einwohnern über die Zukunft der Mittelmole Warnemünde

Leben, Wohnen, Wirtschaft, Sport, Kultur, Tourismus und Kreuzfahrt –auf der Warnemünder Mittelmole gilt es viele Wünsche unter einen Hut zu bringen. Nach dem Kauf des Grundstücks durch die Wohnen in Rostock Wohnungsgesellschaft (Wiro) begannen vor rund zehn Jahren die Planungen für die künftige Nutzung des Filetstücks zwischen Altem Strom und Seekanal. 2019 endete der Prozess in einem Streit um die geplante Bebauung. Nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister rief Claus Ruhe Madsen einen Neustart aus, vor einem Jahr begann das neue Bürgerbeteiligungsverfahren.

„Wir als Büro vertreten einfach die Meinung, dass Bürgerbeteiligung kein Wunschkonzert ist“, stellte Constanze Ackermann vom beauftragten Hamburger Büro Urbanista klar. „Erfolgreiche Bürgerbeteiligung heißt“, so Ackermann bei der gestrigen Prüfwerkstatt zur Warnemünder Mittelmole, „dass wir den Rahmen vorgeben, in dem die Bevölkerung mitgestalten kann.“

Nach einer Ämterrunde und Gesprächen mit wichtigen Akteuren (Stakeholder) wurden die Bürger nach ihren Wünschen und Ideen befragt – Corona-bedingt online, ohne die geplanten Vor-Ort-Veranstaltungen. 450 Beiträge und fast 15.000 Likes sind im Beteiligungsprozess zusammengekommen, so Ackermann. Daraus wurden 24 Thesen entwickelt, die zwischen Einwohnern, Verwaltung und Politik geprüft und diskutiert wurden.

Neustart oder alter Wein in neuen Schläuchen?

Es gehe um eine „ganz neue Flughöhe“, betonte Urbanista mehrfach. Diskutiert werden sollte nicht über Kubaturen oder Gebäudehöhen, sondern ob und in welchem Maße es überhaupt Wohnbebauung auf der Mittelmole gibt oder welche anderen Nutzungen möglich sind.

„Dann müssen Sie diese Karte wegnehmen, mit den unsäglichen Parkhäusern“, ereiferte sich Helge Bothur (Linke). Solange Wohngebäude und Parkhäuser weiter auf der Karte eingezeichnet sind, sei das für ihn „alter Wein in neuen Schläuchen“, kritisierte das Mitglied des Bau- und Planungsausschusses der Hansestadt.

Mittelmole Warnemünde – Bürgerbeteiligung, aber kein Wunschkonzert (Foto: Archiv)
Mittelmole Warnemünde – Bürgerbeteiligung, aber kein Wunschkonzert (Foto: Archiv)

Wohnungsbau – ja, aber …

Auf besondere Ablehnung stieß die These, dass die Mittelmole „nur durch eine kritische Masse an Anwohnenden“ ganzjährig belebt werden könne. Die meisten Teilnehmer votierten nicht grundsätzlich gegen Wohnungsbau, doch wo liegt die „kritische Masse“, wurde gefragt. In vielen Köpfen sind noch immer die Erinnerungen an die ehemaligen Planungen präsent: Hohe, dichte Bebauung, ein Hochhaus als Landmarke und verlorengehende Sichtachsen machten Angst, dass Warnemünde seinen Charme als altes Fischerdorf verliert.

„Sie werden von mir jetzt nicht hören, dass wir auf Wohnungen komplett verzichten – das ist einfach unsere Aufgabe“, stellte Wiro Geschäftsführer Ralf Zimlich klar. „Über die Summe und über die Menge können wir reden“, zeigte er sich kompromissbereit, am Ende müsse es jedoch finanziert werden – „von wem auch immer, das muss nicht zwingend die Wiro sein“, so Zimlich.

Befürchtungen, es könnten hier Eigentums- oder Ferienwohnungen entstehen, widersprach er deutlich. „Wenn wir Wohnungen bauen, sind das Mietwohnungen“. Und trotz der Lage und dem schwierigem Baugrund „bekommen wir dort sozialen Wohnungsbau hin“, versprach der Wiro-Chef. Dass Wohnungen als Zweitwohnsitz angemietet werden und im Winter leer stehen, lasse sich jedoch nicht vollständig verhindern, gestand Wiro-Sprecher Carsten Klehn ein.

„Wohnungsbau ist für mich ein wesentlicher Bestandteil“, erklärte Anke Knitter (SPD), Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus. „Natürlich soll das flankiert werden von anderen Nutzungen“. Sollte die Bebauung der Mittelmole nicht wirtschaftlich sein, müsse dies die gesamte Stadt tragen, gab sie zu bedenken.

Parkhäuser auf der Mittelmole

Hitzig diskutiert wurde auch das Thema Parken auf der Mittelmole. „Wer die städtebaulichen Leitlinien ernst nimmt, wer die Zukunftsvorstellungen der Hansestadt Rostock ernst nimmt, der kann nicht ernsthaft auf die Idee kommen, an dieser Stelle ein solches Parkhaus bauen zu wollen“, fand Helge Bothur deutliche Worte.

„In meiner Vision eher weit vor Warnemünde“, fand auch Andrea Krönert (Grüne), Vorsitzende des Ausschusses für Stadt- und Regionalentwicklung. Wenn es „übergangsweise“ Parken auf der Mittelmole geben sollte, dann nur in rückbaubaren Parkpaletten, und nicht teuer unterirdisch, wodurch das Mobilitätsverhalten für Jahrzehnte zementiert werde, so Krönert.

Teepott und Leuchtturm vs. neuer Landmarke

Auf wenig Gegenliebe stieß bei den Warnemündern die Idee einer neuen, zusätzlichen Landmarke, auch wenn diese – wie ursprünglich geplant – kein Hochhaus sein muss. Warnemünde hat Leuchtturm und Teepott, das Seebad braucht keine neue städtebauliche Dominante, waren sich die Bewohner einig.

Auf der Wunschliste stand dafür ein Rundweg mit freiem Zugang zur Wasserkante.

Mittelmole Warnemünde – so geht es weiter

Bis Jahresende soll das öffentliche Gutachten von Urbanista vorliegen, das Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen darlegt. Verwaltung und Politik soll es konkrete Empfehlungen zur erfolgreichen Entwicklung des Areals geben und als Entscheidungsgrundlage für die Bürgerschaft dienen.

Ziel ist der Bebauungsplan, blickt Rostocks oberster Stadtplaner Ralph Müller in die Zukunft, ohne bereits jetzt einen Zeitpunkt für den Satzungs- oder Aufstellungsbeschluss nennen zu wollen. Mitte des nächsten Jahres könnte die Bürgerschaft jedoch einen „Richtungsbeschluss für die weitere Arbeit am Bebauungsplan“ bekommen, so Müller, „inklusive Aussagen zur weiteren Beteiligung“. Spätestens im B-Plan-Prozess wird es erneut eine förmliche Bürgerbeteiligung geben.

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