Theaterstück „Adams Äpfel“ feiert Premiere am VTR

Apfelbaum erfolgreich im Theater im Stadthafen gepflanzt

7. Mai 2011, von

„Der klassische Obstkuchen ist der Apfelkuchen“, heißt es im Programmheft von „Adams Äpfel“. Praktischerweise ist auch ein Hefeteigrezept mit abgedruckt. Aber bevor man selbst Hand an das leckere Obst legen konnte, hieß es erstmal anderen dabei zuzusehen. Das dachten sich scheinbar viele Leute, denn das Theater am Stadthafen war zur Premiere des Stückes fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Doch wie wurde der dänische Filmstoff nun auf der Bühne umgesetzt?

Paul Walther, Sonja Hilberger und Stephan Fiedler
Paul Walther, Sonja Hilberger und Stephan Fiedler

Da wir den Inhalt von „Adams Äpfel“ hier schon zuvor beschrieben haben, nur noch einmal das Wichtigste in Kürze. Der Neonazi Adam muss als Bewährungsauflage Zeit in einer Kirche verbringen. Dort erwartet ihn schon Pfarrer Ivan. Adams Aufgabe ist es, den Apfelbaum zu pflegen und am Ende einen Kuchen mit dem Obst zu backen. Doch neben Raben und Würmern stellen auch die anderen Bewohner Adams Charakter auf eine harte Probe. Außerdem versucht Adam den Priester zu brechen, der scheinbar ungetrübt optimistisch ist. Mit der Zeit fällt diese Fassade und Adam schafft es, dass Ivan an sich und seinem Glauben zweifelt.

"Adams Äpfel" feiert Premiere im Theater im Stadthafen
"Adams Äpfel" feiert Premiere im Theater im Stadthafen

Die Bühnenfassung von K. D. Schmidt ist inhaltlich sehr nah am Film von Anders Thomas Jensen. Und auch die Rostocker Aufführung von Dramaturgin Katharina de Vette und Regisseur Alexander Flache entfernt sich erfreulicherweise nicht sehr weit vom Original. Es wurden zwar kleine Änderungen vorgenommen, zum Beispiel ist Insasse Gunnar Violinist statt Tennisspieler, doch diese fallen kaum ins Gewicht.

Vor allem schauspielerisch ist die Inszenierung stark. Stephan Fiedler geht in der Rolle des gespaltenen Geistlichen voll auf. Sowohl die anfängliche Überzeugung als auch die zunehmenden Zweifel in seinem Charakter kauft man ihm ab. Paul Walther als Adam ist ebenfalls gut besetzt, auch wenn man klar erkennt, dass er ein Nazi ist – er hat das Eiserne Kreuz auf die Ellenbogen tätowiert – hat man ihm doch bewusst keine Glatze verpasst. Rechte Tendenzen sind in der heutigen Gesellschaft äußerlich ja auch oft nur schwer als solche zu erkennen.

Ican und Adam
Ican und Adam

Aber auch das restliche Ensemble macht seine Sache sehr gut. Mir persönlich war jedoch die Rolle von Michael Ruchter, der den Araber Khalid spielt, etwas zu klischeehaft dargestellt. Zu übertrieben und gewollt war die Darstellung des Ausländers mit türkischem Akzent und aufgeklebtem Schnurrbart. Dafür sorgte eine Szene mit dem ehemaligen KZ-Aufseher Poul, gespielt von Dirk Donat, für eine Gänsehaut. Gerade in dem Gespräch mit Adam und Ivan zeigt sich, wie nah doch Tragik und Komik in dem Stück beieinanderliegen. Und auch wenn viel gelacht wurde, rutschte es für mich nie zu sehr in den Klamauk ab. Grotesk, wie der Film, ja, aber nie den ernsten Hintergrund aus den Augen verlierend.

Dirk Donat, Paul Walther und Stephan Fiedler
Dirk Donat, Paul Walther und Stephan Fiedler

Ein riesiges Lob gebührt auch der Ausstattung von Petra Linsel. Das Bühnenbild ist wirklich genial gelöst. Im Zentrum steht der Apfelbaum vor einem Kirchenfenster. Die Äpfel werden durch grüne Glühbirnen dargestellt. Auf dem Boden liegt Kunstrasen und die Seitenwände werden mit einem Apfelmuster bestrahlt.

Das Besondere an den seitlichen Begrenzungen sind die Klappen, die vielfältig genutzt werden, mal als Schrank und Ablage für Alkohol und mal als Röntgenbildhalter.

Mit der zunehmenden Wandlung der Figuren verändert sich auch die Bühne. Apfelglühbirnen fallen aus, der Rasen wird weggenommen, die Seitenwände verschwinden. Je mehr die Figuren vorgeführt und dekonstruiert werden, umsomehr reduziert sich auch die Bühne auf das Wesentliche. Die Charaktere verlieren immer mehr ihren Schutzpanzer und am Ende stehen sie passenderweise auf einer nackten Bühne.

Ivan, Adam, Gunnar (Peer Roggendorf) und Sarah
Ivan, Adam, Gunnar (Peer Roggendorf) und Sarah

Ich war anfangs skeptisch, ob man den schwarzen Humor des Films auch auf die Bühne transportieren kann. Doch dies ist vollends gelungen. „Adams Äpfel“ am Volkstheater ist ein starkes Charakterstück, bei dem man viel lachen kann, bei dem aber auch viele ernste Themen – Rolle des Glaubens, Neonazismus – auf eine überdrehte Art und Weise kritisch angesprochen werden. Durch ein tolles Bühnenbild und glaubwürdige Kostüme fühlt man sich, als wäre man selbst in der Pfarrei und könne schon den Apfelkuchen riechen.

Lutz Schweder
Lutz Schweder

Auch Lutz Schweder aus Rostock hat das Stück sehr gut gefallen. Er kannte den Film und lobte, dass die Vorführung sehr nah an diesem gehalten wurde. Besonders von den Schauspielern war er begeistert: „Ich habe Adam in der Mitte des Abends glatzköpfig gesehen, so nah am Film und überzeugend war das Stück.“ Auch die Dynamik und die Requisite haben ihm gefallen. Er merkte jedoch an, dass vielleicht zu viele Kraftausdrücke gebraucht werden. „Die passen zwar rein, aber es sind ja auch häufig Kinder da und ich weiß nicht, ob das so doll nötig war.“

„Adams Äpfel“ kann also ruhigen Gewissens empfohlen werden. Und wer den Film noch nicht kennt, sollte vielleicht erst das Stück sehen und danach den Vergleich machen. Denn auch wenn „Adams Äpfel“ nah am Original gehalten ist, kann man auch seinen Spaß haben, wenn man den Film noch nicht kennt.

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