„Amphitryon“ im Theater im Stadthafen

Göttliche Verwechslungen zum Jahresausklang im Volkstheater Rostock

29. Dezember 2010, von

Sosias (Ulrich K. Müller) ist verwirrt. Die Schlacht gegen die Athener ist geschlagen, der Siegeswein ist getrunken. Jetzt hat ihn sein Herr Amphitryon zu dessen Frau Alkmene gesandt, um zu berichten, wie er sich nach ihr sehne.

Und nun das! Vor dem Haus seines Herrn steht … Sosias und verwehrt ihm den Eintritt: „Hier darfst Du nicht hinein. Verschwindest Du nicht gleich, so prügel ich Dich windelweich!“

Sosias? Ja, ist er das nicht selbst? Aber da steht es, sein perfektes Ebenbild – sieht aus wie er und weiß alles über ihn. Neidlos muss er anerkennen: „Der wahre Sosias bist Du!“

„Doch wer bin ich? Ich muss doch schließlich auch was sein!“ Identität gestohlen, das philosophische Verwirrspiel beginnt.

Merkur (Jakob Kraze) und Sosias (Ulrich K. Müller)
Merkur (Jakob Kraze) und Sosias (Ulrich K. Müller)

Wieder einmal sind es die Götter, die in dem Lustspiel von Jean-Baptiste Molière für Unruhe unter den Sterblichen sorgen. Göttervater Jupiter (Alexander Flache) hat die grandiose Idee, die schöne Alkmene zu beglücken und eine Liebesnacht mit ihr zu verbringen. Um ungestört zu sein, hat er seinen Diener Merkur (Jakob Kraze) mitgebracht, der als Sosias sein Liebesspiel bewacht.

Jupiter (Alexander Flache) und Alkmene (Laura Bleimund)
Jupiter (Alexander Flache) und Alkmene (Laura Bleimund)

Jupiter selbst hat in Gestalt Amphitryons Zugang zu Alkmenes Herz und Bett gefunden. Doch nach einer opulenten Nacht steht am nächsten Morgen der echte Amphitryon (Tim Ehlert) vor der Tür bzw. dem Liegestuhl. So schnell zurück?

So schnell!? Und warum will sich ihr Liebster nicht mehr an die Nacht mit ihr erinnern? Nun ist auch Alkmene (Laura Bleimund) verwirrt. Was soll dieses Spiel, will Amphitryon sich von ihr trennen? „Für wahr, Du hättest dieses Ziel mit anderen Mitteln auch erreichen können.“

Ist es Alk-mene, ein schlechter Traum, Krankheit, die den Geist zerstört oder sind gar die Tabletten des stolzen Feldherren Schuld? Zu Risiken und Nebenwirkungen …

Amphitryon (Tim Ehlert) und Jupiter (Alexander Flache)
Amphitryon (Tim Ehlert) und Jupiter (Alexander Flache)

„Ich war es nicht, der gewagt sich Dir zu nahen!“ ist sich aber auch Amphitryon sicher, dass ER nicht die Nacht mit seinem holden Weib verbracht hat. Alkmenes Bruder soll bestätigen, dass er seit gestern nicht von seiner Seite wich. „This Is A Man’s World“ – bis es zum Showdown mit seinem göttlichen Ich kommt.

Was bleibt? Ein „Ach!“. Und, ach ja, ein „Ja.“

Katharina de Vette (Dramaturgie) und Bettina Rehm (Inszenierung) geben Molières Komödie den passenden Schwung. Flotte Musik, spritzige Dialoge und so zum Verwechseln gut besetzte Rollen, dass man manchmal selbst ins Grübeln kommt, wer das wahre Ich verkörpert.

Alkmene (Laura Bleimund) und Amphitryon (Tim Ehlert)
Alkmene (Laura Bleimund) und Amphitryon (Tim Ehlert)

Die Premiere ist am Donnerstag um 20 Uhr im Theater im Stadthafen zu sehen. Zum Jahresausklang finden am Silvesterabend zwei weitere Vorstellungen statt, um 18 und um 21 Uhr.

Das Jahr göttlich ausklingen zu lassen, könnte allenfalls an den schon ausverkauften Vorstellungen scheitern. Weitere Aufführungen zeigt das Volkstheater Rostock dann im neuen Jahr. Allen Lesern und Theaterfreunden wünschen wir einen guten Rutsch!

Als kleinen Vorgeschmack gibt es noch eine kurze Videoszene von der Probe:

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