Ausstellung „Die Familie Samuel“ im Max-Samuel-Haus

Einblicke in das Leben der deutsch-jüdischen Familie aus Rostock

4. September 2010, von
Max-Samuel-Haus am Schillerplatz
Max-Samuel-Haus am Schillerplatz

Das Max-Samuel-Haus am Schillerplatz, der heutige Sitz der Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock, wurde nach einem seiner früheren Bewohner benannt. Aber wer war eigentlich Max Samuel? Eine umfassende Antwort auf diese Frage gibt es nun im Hause selbst, in der Ausstellung „Die Familie Samuel“. Zahlreiche Fotos und Originaldokumente wurden dafür aus den Archiven der Stadt, der Universität und von Privatsammlungen zusammengetragen. Sie geben Einblick in das Leben des Rostocker Unternehmers und seiner Familie, die 1921 die Villa bezogen.

Ausstellung im Max-Samuel-Haus
Ausstellung im Max-Samuel-Haus

Max Samuel war durch seine Erfindung einer Gummibürste für Wildlederschuhe und anderem Schuhzubehör zu einem Vermögen gekommen. Hergestellt wurden diese Produkte, die bald auch international erfolgreich verkauft wurden, in seiner Firma EMSA-Werke in der Rostocker Friedrichstraße. Zeitweise beschäftigte er hier etwa 100 Mitarbeiter.

Von 1933 bis 1938 nutzte er sein Vermögen, um 30 Menschen die Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland zu ermöglichen. Als Juden konnte er sie so vor dem Tod in einem Konzentrationslager retten. Er selbst verließ Rostock 1938 und folgte seinem Sohn Herbert nach England, wo er 1942 starb.

Große Verdienste erwarb sich Max Samuel als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Rostock. Neben der Bewältigung der Finanzkrise, stellten vor allem die Spannungen zwischen orthodoxen und weniger streng gläubigen Juden, zu denen auch er selbst gehörte, Herausforderungen im Gemeindeleben dar. „Man ist bewusster Jude, aber lässt jedem nach seiner Auffassung Jude sein“, fasst der Kurator der Ausstellung Frank Schröder die Einstellung Max Samuels zusammen. Von seiner Toleranz zeugt auch die Tatsache, dass es im Hause Samuel zwei Küchen gab: eine koschere für den frommen Schwiegervater und eine nicht koschere für die weniger frommen Familienmitglieder.

Frank Schröder bei der Ausstellungseröffnung
Frank Schröder bei der Ausstellungseröffnung

Mit teilweise recht unkonventionellen Mitteln versuchte Max Samuel auch innerhalb der jüdischen Gemeinde, unterschiedliche Interessen zu integrieren. Als Beispiel dafür erzählte Frank Schröder bei der Ausstellungseröffnung die Anekdote, wie der Gemeindevorsitzende während eines Gottesdienstes entgegen den religiösen Vorstellungen Bonbons an die Kinder verteilte.

Toleranz und Hilfsbereitschaft zeichnen aber nicht nur Max Samuel allein aus, auch andere Angehörige seiner Familie haben sich tatkräftig für ihre Mitmenschen eingesetzt. Wie zum Beispiel sein Sohn Herbert, der sich in England um osteuropäische Immigranten kümmerte und sie in seinem Haus aufnahm. Oder George Kaiser, ebenfalls ein Nachfahre Max Samuels, der heute in den USA lebt und zu den 100 reichsten Menschen der Welt zählt. Mit seiner Stiftung setzt er sich für die Chancengleichheit von Kindern vor allem im Bereich der Bildung und Gesundheit ein.

Ausstellung im Max-Samuel-Haus
Ausstellung im Max-Samuel-Haus

„Wir betrachten mit Absicht die Familie, nicht nur Max Samuel“, betonte Frank Schröder. Der Besuch der Ausstellung lohne sich deshalb, „weil sie auch die Geschichte der Stadt, der Region und des Landes umfasst, viele Momente, die in der Weltgeschichte bedeutsam waren.”

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann die Ausstellung „Die Familie Samuel“ noch bis zum 4. Februar immer dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr im Max-Samuel-Haus besuchen.

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