8. Stipendiatenausstellung im Schleswig-Holstein-Haus

Zehn Gaststipendiaten der letzten beiden Jahre zeigen ihre Werke in der Galerie des „Kunstvereins zu Rostock“ Amberg 13

11. Oktober 2011, von
Holger Stark "Torverschließung" bei der Petrikirche
Holger Stark "Torverschließung" bei der Petrikirche

Ist das gefährlich? Ein riesiger weiß-bräunlicher Klotz droht den Abhang an der Petrikirche herunterzurutschen. Irritierte Blicke suchen nach Erklärungen. Eine Tafel daneben klärt schließlich auf. Es handelt sich um eine Installation von Holger Stark.

Zu diesem Ort hat der Land-Art-Künstler eine besondere Beziehung, wurde er nur wenige Straßen weiter an dem Morgen geboren, als hier das alte, kriegsbeschädigte Petritor gesprengt wurde. Das war am 27. Mai 1960. Nun hängt hier ein Holzquader, fast so groß wie ein Möbelwagen, am Berg. Auch dazu, was ihn zu dieser Gestaltung inspiriert hat, gibt es eine Geschichte. Holger Stark erzählt eine Anekdote aus dem Jahre 1945, als ein mit Steinen gefüllter und mit leicht kappbaren Seilen gesicherter Wagen bei einem Angriff der Roten Armee auf Rostock das Petritor blockieren sollte. „Es ist eine Geschichte, man muss sie nicht kennen“, rudert er zurück, um die Deutungsmöglichkeiten seines Kunstwerkes „Torverschließung“ möglichst offen zu lassen.

Denn was der Betrachter zunächst sieht, ist ein Volumen in unmittelbarer Nähe zur mächtigen Petrikirche, dort wo früher einmal ein Stadttor stand. Für den früheren Stadtarchitekten Christoph Weinhold zeigt die Installation deutlich: „Es fehlt hier die Masse des Petritores.“ Beim Anblick des Kunstwerkes kommen ihm sofort die emotionalen Diskussionen um den Wiederaufbau des Tores in den Sinn.

Fotografische Arbeiten von Janet Zeugner
Fotografische Arbeiten von Janet Zeugner

Mit seiner spannenden Installation thematisiert der Künstler also nicht nur ein Stück Geschichte, sondern auch Stadtpolitik Rostocks. Die Idee für seine Arbeit zu diesem verschwundenen Tor entwickelte Holger Stark 2009 bei einem Stipendienaufenthalt im Schleswig-Holstein-Haus.

Seit 1995 haben im Schleswig-Holstein-Haus 77 Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und dem Ausland als Gäste der Hansestadt Rostock gearbeitet.

Meist für einen Zeitraum von drei bis vier Monaten stehen ihnen zwei Atelierwohnungen in der Östlichen Altstadt zur Verfügung. Für diesen Aufenthalt vergeben die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sowie die Hansestadt Rostock Stipendien zur Förderung besonderer künstlerischer Begabungen.

„Diese Stipendien ermöglichen es den Kunstschaffenden eine Zeit lang unabhängig zu arbeiten ohne wirtschaftliche Zwänge“, sagt Rostocks Kultursenatorin Dr. Liane Melzer. Sie betont: „Ich bin ungeheuer glücklich, weil es der Stadt mit den wenigen Mitteln, die wir leider insgesamt für den Kulturbereich zur Verfügung haben, gelungen ist, hier besondere Talente in dieser Stadt zu unterstützen.“

Wollt ihr jetzt wissen, was dabei herausgekommen ist? Ein Teil der Ergebnisse der letzten beiden Jahre wird noch bis zum 19. November in den alten Räumlichkeiten des Kunstvereins, den Galerieräumen im Souterrain des Schleswig-Holstein-Hauses Amberg 13 vorgestellt.

Stipendiaten des Schleswig-Holstein-Hauses
Stipendiaten des Schleswig-Holstein-Hauses

Die zehn ehemaligen Stipendiaten Ulrich Materna, Matthias Dettmann, Berit Ida, Wanja Tolko, Rayk Goetze, Ruzica Zajec, Janet Zeugner, Rüdiger Fuchs, Annette Czerny und Holger Stark geben hier mit ausgewählten Kunstwerken Einblick in ihre Arbeit. Grafiken, Malereien, fotografische und literarische Werke haben sie geschaffen.

„Manches kommt laut, extrovertiert und krachig daher. Anderes versteckt sich eher schüchtern, introvertiert und will gefunden werden. Einiges fordert eine Auseinandersetzung durch Irritation“, schätzt Andreas Fecht die Ausstellung ein. Mit zwei Bitten wendet sich der Berliner Kunstwissenschaftler an das Publikum: „Geben Sie den Arbeiten Zeit“ und „versuchen Sie auf gar keinen Fall sie zu verstehen.“

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