Hanse Sail Rostock - Begrüßung aus dem „Schiffsgöttling”

Schützengemeinschaft „Concordia 1848 e. V.” sorgt für einen traditionellen Empfang der Schiffe zur Hanse Sail Rostock

4. August 2010, von
Kanonier begrüßt die Teilnehmer der 20. Hanse Sail Rostock mit Böllerschüssen
Kanonier begrüßt die Teilnehmer der 20. Hanse Sail Rostock mit Böllerschüssen

Hanse Sail liegt in der Luft. Die ersten Segelschiffe sind da und beim Spaziergang durch den Stadthafen spürt man es deutlich: Bald geht es los. Auch in Warnemünde ist alles bereit, doch was riecht sind nicht nur Crepes-Stände und Grills – auf der Ostmole riecht es eher nach Pulverdampf. Auch das gehört zur Hanse Sail: Die traditionelle Begrüßung der einlaufenden Schiffe durch Böllerschüsse, stets gefolgt von herzlichem Winken aller, die durch dieses Signal ihre Aufmerksamkeit auf die Neuankömmlinge richten.

Und traditionell ist diese Begrüßung in mehrerer Hinsicht. Zum einen wird die Begrüßung seit nun schon 11 Jahren so durchgeführt, zum anderen reicht die Praxis der Böllerschüsse als Signalmittel viel weiter zurück. Gerne nahmen Kapitäne im 18. Jahrhundert Vorderlader, zum Beispiel vom Typ „Schiffsgöttling”, aus dem Rostocker Arsenal mit an Bord. Und zwar nicht nur zur Verteidigung, sondern auch, um im Notfall oder bei schlechter Sicht auf sich aufmerksam machen zu können.

Böllerkanone bei der Hanse Sail
Böllerkanone bei der Hanse Sail

Auch vor dem Einlaufen wurden die Kanonen als Zeichen friedlicher Absichten stets leergeschossen. Dies war gleichzeitig ein Freudenböllern und muss besonders eindrucksvoll gewesen sein, als Anfang des 19. Jahrhunderts die Flotten Admiral Nelsons oder davor die des Zaren Peter I. vor Warnemünde lagen. Also ist diese Praxis durchaus mit historischer Prominenz verbunden.

Erstaunlicherweise stand noch bis 1960 in Warnemünde eine Kanone, die bei Nebel ebenfalls per Böllerschuss signalisieren sollte. Auf Flugplätzen werden Böller noch heute verwendet – als Mittel, um ungeliebte Vögel loszuwerden. Neben dem nachgebauten Einpfünder, der zur Hanse Sail zum Einsatz kommt, verfügt die „Schützengemeinschaft Concordia 1848 e. V.” auch über ein Original von 1760.

So hallen also von 10 bis 18 Uhr die Böllerschüsse über den Breitling und am Donnerstag auch im Stadthafen, wenn gleiches Prozedere dort durchgeführt wird. Dabei ist natürlich alles streng reglementiert und kein „wildes Geballere”. Von den Lizenzen, die zum Schwarzpulverkauf nötig sind, bis hin zur Liste, welche Schiffe begrüßt werden, läuft alles nach Plan ab. Die Kanonenbesatzung lässt es sich allerdings nicht nehmen, besonders schöne Schiffe auch spontan zu „grüßen”.

Böllerschuss auf der Ostmole in Warnemünde zur Hanse Sail 2010
Böllerschuss auf der Ostmole in Warnemünde zur Hanse Sail 2010

Von den mitgebrachten 30 Ladungen sind am Abend ca. 20 verbraucht. Wer nach dem Erleben der Schüsse noch nicht genug hat von Böllerschüssen und Vorderladern, der kann sich beim 11. Rostocker Kanoniers- und Böllertreffen eingehend über Geschichte und Technik informieren. Los geht es am Samstag um 10 Uhr am Gehlsdorfer Ufer, ganz standesgemäß mit 11 Schaftböllern.

Wenn Ihr also das nächste Mal erschreckt zusammenzuckt, wenn der „Schiffsgöttling” feuert, denkt einfach daran, dass dadurch maritime Tradition transportiert wird – mit Schallgeschwindigkeit sozusagen.

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