„Berggasse 19: Die Couch“ im Peter-Weiss-Haus

Erlebnis-Theater mit Schauspiel-Triathlon vor ungewohnter Kulisse

24. Juni 2010, von
Hannes Florstedt auf der Couch
Hannes Florstedt auf der Couch

Letzte Woche bereits groß beim Kulturausschuss angekündigt, fand gestern nun endlich das heimliche Highlight der Woche statt: eine Theaterpremiere im Peter-Weiss-Haus. Mal ganz was Neues, kennen wir doch bisher fast nur Literaturveranstaltungen in diesen Räumlichkeiten.

Schon bei meiner Ankunft am Peter-Weiss-Haus bekam ich fast einen Schrecken – der ganze Fußweg vor dem Eingang war mit Fahrrädern zugeparkt. Bevor ich jedoch ein schlechtes Gewissen bekommen konnte, dass ich etwa zu spät war und keinen Sitzplatz mehr abbekomme, kam auch schon die einleuchtende Erkenntnis: Der große Freigarten wurde zum Public Viewing genutzt und dank des (vermeintlich letzten) Deutschland-Spiels war der Andrang entsprechend groß.

Eva Geiler auf der Couch
Eva Geiler auf der Couch

Aber wen interessiert schon Fußball, wenn er drinnen eine Theaterpremiere erleben kann? ;-) Dieses Erlebnis konnte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen und, um es schon einmal vorwegzunehmen, es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Den Räumlichkeiten entsprechend durften die ungeduldigen Theaterbesucher auf der Treppe im Eingangsbereich des Peter-Weiss-Hauses auf den Einlass warten. Wie sich später herausstellte, war dabei schon die zufällige Wahl des Programmheftes (es standen drei Farben zur Auswahl) von entscheidender Bedeutung. Davon ahnte man an der Kasse jedoch noch nichts.

Bernd Hölscher zieht blank für "Die Couch"
Bernd Hölscher zieht blank für "Die Couch"

Um acht Uhr begann schließlich der Einlass. Dramaturg Marc Steinbach lüftete das Geheimnis um die bunten Heftchen und erklärte den abenteuerlichen Ablauf des Stückes.

Mit der Wahl des Programmheftes hatte sich das Publikum automatisch in drei Gruppen geteilt, welche jeweils einen Führer vom Volkstheater bekamen und von diesem in getrennte Säle des Peter-Weiss-Hauses eskortiert wurden.

Gelber Hase bei der "Couch"Mit der Wahl des grünen Heftes hatte ich also mein Schicksal besiegelt. Unsere kleine Gruppe wurde von Corinna Sommerhäuser, die am Volkstheater für Inszenierung und Ausstattung zuständig ist, in den wohl bekannten Möckelsaal geleitet. Die Zuschauer durften in zwei Reihen auf der rechten Längsseite des Saals Platz nehmen und gespannt auf das warten, was kommt.

Als dann plötzlich ein lautes Klopfen an der Tür die Stille durchbrach, zuckte schon der eine oder andere irritiert zusammen. Aber seien wir ehrlich, was haben wir denn erwartet? Dass „Berggasse 19: Die Couch“ kein normales Theaterstück seien würde, wie wir es gewohnt sind, war doch eigentlich längst klar.

Bernd Hölscher auf der Couch
Bernd Hölscher auf der Couch

Schauspielerin Eva Geiler trat in den Saal, eine große Tasche in der Hand, und ging zur gegenüberliegenden beleuchteten Sitzreihe. Über ihren Monolog erfuhren wir, dass ihre Figur bereits zwei Kinder groß gezogen hatte und nun mit 38 Jahren erneut versehentlich schwanger geworden war, was ihr ziemlich zu schaffen machte.

Wer sich vorher nicht schon ausführlich über das Stück informiert hatte, erkannte das Prinzip nun während der Handlung recht schnell. Der leere Platz links neben mir, auf dem ein Notizbuch lag, stellte den Psychotherapeuten dar. Die Schauspieler, in dem Fall Eva Geiler, spielten die Patienten und erzählten in Monologen anschaulich von ihrem Leid.

Hannes Florstedt in "Die Couch"
Hannes Florstedt in "Die Couch"

Nach etwa zehn Minuten war der armen Frau zwar noch nicht geholfen, die Zeit der Therapiesitzung aber abgelaufen, sodass Eva Geiler den Saal verließ. Während vom Band mit tiefer Männerstimme alte Weisheiten der Psychoanalyse vorgelesen wurden, kam plötzlich ein fetter gelber Hase zur Tür hinein (auch auf die Gefahr hin, dass meine lieben Leser mich jetzt für verrückt erklären …).

Dieser setzte sich erst ungeduldig auf die gegenüberliegende Sitzreihe, kam dann herüber, drückte mir das bereits erwähnte Notizbuch in die Hand und setzte sich auf den freien Stuhl direkt zu meiner Linken. Viel Zeit, um darüber nachzudenken, gab es aber nicht, denn wenig später betrat schon der nächste Patient den Raum.

Bernd Hölscher, Eva Geiler, Hannes Florstedt
Bernd Hölscher, Eva Geiler, Hannes Florstedt

Nachdem auch Hannes Florstedt und Bernd Hölscher vom Volkstheater jeweils ihre Monologe überzeugend spielten, war ein Raumwechsel angesagt. Nach kurzem Warten durften wir in den Nebenraum umziehen, in dem letzte Woche auch die Kulturausschuss-Tagung stattgefunden hatte. Nach den Theaterumbauten war dieser Raum jedoch kaum wieder zu erkennen, einzig der große seltsam-lustige Türstopper in Katzenform kam mir bekannt vor.

Für weitere Monologe mussten die drei Schauspieler auch hier in neue Rollen und Kostüme schlüpfen und sich in den Räumen jeweils abwechseln. Das ganze Prozedere stelle ich mir ehrlich gesagt ziemlich schwierig vor. Während der drei Durchgänge des Raumwechsels mussten die Schauspieler je drei Monologe aufführen

Suchbild: Die Autorin sitzt im Couchpublikum
Suchbild: Die Autorin sitzt im Couchpublikum
und zwischendurch immer wieder die Kostüme wechseln.

Ein wahrhaftes Meisterstück ist es letztlich in jeder Hinsicht geworden. Nach dem Triathlon für Schauspieler und Publikum kamen alle im großen Möckelsaal zusammen, um gebührend Beifall zu spenden. Weitere Aufführungen des Stücks finden am 25., 26. und 27. Juni jeweils um 20:00 Uhr ebenfalls im Peter-Weiss-Haus statt.

Vielen Dank auch an Stefanie, die diesmal die schönen Fotos für uns gemacht hat ;-)

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1 Kommentar

  • Stefan & Kati sagt:

    Wir haben die Premiere gestern auch gesehen und waren begeistert! Vielleicht waren die Monologe hier und da etwas lang und anstrengend, aber andererseits passte gerade das wieder zum Thema.

    So mitten drin zu sein und die Räume zu wechseln, war einfach ein tolles Erlebnis. Die Location des Peter Weiss-Hauses passte dazu perfekt!

    Danke auch für den Bericht, eine schöne Nachlese!

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