Brain Painting in der Kunsthalle Rostock

„PINGO ERGO SUM – Das Bild fällt aus dem Hirn“ – aus Gedanken schafft der Künstler Adi Hoesle Bilder: Mittels „Brain Painting“ führt er in der Rostocker Kunsthalle Wissenschaft und Kunst zusammen

16. März 2012, von

Adi Hoesle beim „Brain Painting“ in der Kunsthalle Rostock Malen allein mit den Gedanken? Eine künstlerische Vision direkt aus dem Kopf in die Welt projizieren? Das klingt nach Science-Fiction und ein wenig unheimlich, „Brain Painting“ macht es aber heute schon möglich.

Der Künstler Adi Hoesle malt nicht mit seinen Händen, sondern nur durch seine Gedanken. Ohne jegliche Mal-Utensilien schafft er Kunst – ausschließlich durch die Aktivität seiner Hirnströme. Ohne Werkzeug und Motorik werden seine Ideen materialisiert.

Die Kunsthalle Rostock zeigt gemeinsam mit dem ARS ELECTRONICA Center in Linz Adi Hoesles interaktives Ausstellungs- und Performance-Projekt „PINGO ERGO SUM – Das Bild fällt aus dem Hirn“. In der Weltpremiere der „Ich male, also bin ich“-Ausstellung werden erstmals Bilder im Mittelpunkt stehen, die durch bloße Gedankenkraft geschaffen wurden.

Durch die Verwendung von Hilfsmitteln aus der Neurotechnik, einem EEG-Messgerät und dem „Brain Computing Interface“ (BCI), werden die Hirnströme des Künstlers visualisiert und so zu virtuellen Gemälden, den „Brain Paintings“.

Angela Jansen Dadurch, dass beim „Brain Painting“ Bilder nur durch die Kraft der Gedanken manifestiert werden, bietet diese Ausdrucksform auch vollständig gelähmten Menschen eine Möglichkeit kreativ tätig zu sein.

Wichtiger Teil der Ausstellung ist deshalb die Arbeit von Angela Jansen. Die 56-Jährige erkrankte an der unheilbaren, den Körper lähmenden Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und befindet sich bereits seit 14 Jahren im „Locked-In-Zustand“. Äußern kann sie sich über ein computergesteuertes Schreibprogramm, das ihre Pupillenbewegung in Sprache umwandelt. In der Kunsthalle wird die Berlinerin mit ihrer Gedankenkraft malen.

„Frau Jansen ist hier für mich eine wichtige Bezugsperson, nicht nur im Rahmen des ‚Brain Paintings‘. Einerseits sieht man ihre tatsächliche Realität und natürlich die Möglichkeit, durch ‚Brain Painting‘ auch in der Immobilität kreativ tätig zu sein. Andererseits ist sie aber auch künstlerisch hochinteressant zu diskutieren“, kündigt Hoesle die Performance von Angela Jansen an.

Wohn-Container von Angela Jansen bei der Kunsthalle Rostock Angela Jansen wird für die Zeit der Ausstellung in einem an die Kunsthalle angeschlossenen Refugium leben und entscheiden, wann sie für die Besucher direkt vor Ort „Brain Paintings“ schaffen wird. Ihre Beteiligung wird ein zentraler Bestandteil der Ausstellung sein, wie auch die Arbeiten von 25 weiteren Künstlern und Künstlerinnen aus Deutschland und Österreich.

Während der Ausstellungszeit werden verschiedene Künstler in ihren Ateliers „Brain Paintings“ schaffen. Ihre Performances werden live aus den Ateliers in die Ausstellung in Rostock und in das Ars Electronica Center in Linz übertragen.

Adi Hoesle Parallel wird in der Kunsthalle in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Rostock ein „Art Research Lab“ entstehen. Hier wird aktuelle und direkte Forschung zum „Brain Painting“ betrieben, für alle Besucher einsehbar. So soll die Möglichkeit geschaffen werden, auch am wissenschaftlichen Prozess des Projekts teilzuhaben.

Die „Brain Painting“-Exponate sollen laut Hoesle nicht nur Ausstellungsstücke sein, sondern auch in Diskussion und Forschung von Psychologie, Philosophie und Kunstgeschichte hineinwirken. Auch deshalb wird das Projekt in der Kunsthalle von einer interdisziplinären Vortragsreihe begleitet.

Ausstellung von Adi Hoesle in der Kunsthalle Rostock International anerkannte Mediziner, Psychologen, IT-Spezialisten, Philosophen und Kunsthistoriker werden neben dem Künstler selbst Einblicke in die Wirkung des Projekts auf Wissenschaft und Kunst geben.

Das interaktive Ausstellungs- und Performance-Projekt „PINGO ERGO SUM – Das Bild fällt aus dem Hirn“ von Adi Hoesle wird am 17. März um 18 Uhr in der Kunsthalle Rostock eröffnet. Das Rahmenprogramm kann auf der Internetpräsenz der Kunsthalle Rostock eingesehen werden.

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