Thomas Hartmann „Unruhe“ in der Kunsthalle Rostock

Rostocker Kunsthalle zeigt Gemeinschaftsprojekt mit Museum für moderne Kunst Bremen und der Kunsthalle Erfurt

5. April 2011, von
"Paris" von Thomas Hartmann
"Paris" von Thomas Hartmann

„Ohne Unruhe passiert überhaupt nichts“, sagt Thomas Hartmann und meint damit weniger das Hungergefühl auf Essen, was einen zur Nahrungsaufnahme treibt, sondern vor allem auf alles, was neu ist. Ein Gefühl, das seine Arbeit als Maler entscheidend bestimmt. Kein Wunder also, dass er „Unruhe“ als Titel seiner Schau gewählt hat, die derzeit in der Kunsthalle zu sehen ist.

"Viele Einzelne" von Thomas Hartmann
"Viele Einzelne" von Thomas Hartmann

Unruhig und wimmelnd wirken die „vielen Einzelnen“ auf seinen großformatigen Ölbildern. Aus der Nahsicht als individuelle menschliche Figürchen erkennbar, lösen sie sich aus der Ferne betrachtet in Punkte auf. Manchmal frei im Raum, manchmal auf Linien angeordnet, wird deutlich, dass Strukturen bei der Arbeit von Thomas Hartmann eine wichtige Rolle spielen.

Thomas Hartmann in der Kunsthalle Rostock
Thomas Hartmann in der Kunsthalle Rostock

So auch bei seinen „Bibliotheksbildern“. „Ich mag Bibliotheken“, sagt Thomas Hartmann, der selbst viele Bücher hat und gern Antiquariate besucht. „Bibliotheken müssen wachsen und so ist auch meine Malweise.“ Der Künstler nimmt sich Zeit für seine Bilder, um ihnen in kleinteiliger Arbeit die nötige Substanz zu verleihen.

Was auf diese Weise in seinem Atelier entstand, ist nun in einer umfassenden Werkausstellung des 1950 in Zetel bei Wilhelmshafen geborenen Malers in der Kunsthalle zu sehen. Vor allem Arbeiten der letzten fünf Jahre, aber auch frühere Werke werden hier gezeigt. Zu den ältesten gehört das Gemälde „Paris“ von 1986, einer Zeit, in der sich Thomas Hartmann intensiv mit Stadtansichten beschäftigte.

"Ins Grüne" von Thomas Hartmann
"Ins Grüne" von Thomas Hartmann

Eine weitere Vorliebe hegt der Künstler für Waldwege, die er immer wieder gern malt. Allerdings ist die Farbe Grün eher selten auf seinen Leinwänden zu sehen. Winterliches Blau, helle Brauntöne und immer wieder Weiß lassen die Landschaften ruhig und weit wirken. Nur bei „Ins Grüne“, das ebenfalls in der Kunsthalle zu sehen ist, hat sich Thomas Hartmann doch einmal hinreißen lassen. So hat er seinen Pinsel in die grüne Farbe getaucht und eine überwältigende, geradezu beunruhigende, Blätterwand auf die Leinwand getupft.

Trotz „Unruhe“ hat der Maler „immer so etwas, wie eine höhere Ordnung, was das alles zusammenhält.“ Was zunächst wie ein Widerspruch erscheint, wird bei der Betrachtung seiner Gemälde deutlich.

Diese können sich während des Malprozesses völlig verändern. So enthält beispielsweise der Katalog zur Ausstellung ein Bild namens „Reine Formsache“, auf der eine Frau inmitten von riesigen Tellerstapeln steht, die sie wohl gerade abgewaschen hat. „Ich fand die Struktur interessant. Aber aus dem Bild wurde nichts und dann habe ich es verändert“, erklärt Thomas Hartmann, für den es immer wie ein Neuanfang ist, wenn er vor die Leinwand tritt.

Kunsthalle Rostock
Kunsthalle Rostock

Was daraus geworden ist, das schaut euch am besten selbst mal an. Das Bild hat immer noch denselben Titel und dürfte in der 1000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche gut zu finden sein.

Noch bis zum 8. Mai habt ihr die Gelegenheit, die Schau, die ein Gemeinschaftsprojekt der Weserburg/Museum für moderne Kunst Bremen und der Kunsthallen in Erfurt und Rostock ist, zu besuchen. Der Eintritt kostet 4 bzw. 6 Euro.

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