Atomkraftgegner machen gegen Castortransport mobil

Mit Demonstration durch Rostock starten die Protestaktionen gegen den Castortransport von Karlsruhe nach Lubmin

5. Februar 2011, von

Voraussichtlich am 17. Februar soll wieder ein Castortransport in Richtung Lubmin bei Greifswald rollen.

Hier sollen dann 140 sogenannte Glaskokillen aus der ehemaligen Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe zwischengelagert werden. Bei dem Atommüll handelt es sich um 60 Kubikmeter einer hoch radioaktiven Plutonium-Uran-Flüssigkeit, die in Glas eingeschmolzen und verfestigt wurde.

Die Vorbereitungen für die Absicherung der Überführung laufen bei der Polizei bereits auf Hochtouren.

Atomkraftgegner in Rostock
Atomkraftgegner in Rostock

Auch die Atomkraftgegner machen mobil und läuteten heute ihre Proteste gegen den Transport mit einer Demonstration in Rostock ein. Es gilt als wahrscheinlich, dass in gut zwei Wochen hier der Zug mit den fünf hoch radioaktiven Behältern durchfährt. Bereits beim letzten Castortransport ins vorpommersche Seebad Lubmin vor zwei Monaten führte die Strecke durch unsere Hansestadt.

Schon damals zeigte sich, dass sich die Atomkraftgegner nicht durch widrige Wetterbedingungen von ihrem Protest abbringen lassen. So trotzten auch am heutigen Samstagnachmittag etwa 200 Aktivisten dem stürmischen Wetter und versammelten sich am Rostocker Hauptbahnhof. Ausgestattet mit bunten Fahnen, angemalten Gesichtern und einigen Transparenten hatten sie nicht nur dem grauen Himmel etwas entgegenzusetzen, sondern auch der Atompolitik der Bundesregierung.

Tobias Lerche
Tobias Lerche

„Ich finde es wichtig, dass wir hier demonstrieren“, sagte Tobias Lerche. „Ich habe den Eindruck, die Leute haben viel zu lange gedacht, im Nordosten oder Mecklenburg-Vorpommern sei es ruhig, da passiert nichts und diese Zeiten müssen vorbei sein.“

„Es geht um mehr als nur um den Castor“, rief Daniel Holtermann vom Anti-Atom Bündnis NordOst den Demonstranten zu. „Die Transporte sind unnötig. Es gibt keine sicheren End- und Zwischenlager“, meint der Aktivist in seiner Ansprache und bezeichnete das Hin- und Hergeschiebe des radioaktiven Abfalls als „Atomtourismus“.

Begleitet von Musik und Anti-Atom-Rufen, zogen die Demonstranten lautstark, aber friedlich, zum Neuen Markt und im Anschluss durch die Kröpeliner Straße zum Doberaner Platz. Vor allem junge Erwachsene, aber auch viele Ältere und Kinder beteiligten sich an dem Protest. Unter ihnen auch der neunjährige Bjarne und der achtjährige Vali. Die beiden Freunde trugen, wie viele andere auch, eine grüne „Atomkraft? Nein Danke“-Fahne und fanden es wichtig „dabei zu sein“.

Josefine Springer
Josefine Springer

Auch Josefine Springer wollte ihren Unmut auf der Demonstration zum Ausdruck bringen. „Atomkraft birgt Risiken, die ich einfach nicht akzeptieren kann.“ Neben den „gruseligen Bedingungen beim Uranabbau“ befürchtete die 25-jährige Studentin vor allem, dass sich immer mehr Atommüll ansammelt. „Andere Länder machen es uns nach, in denen die Sicherheitsstandards nicht so hoch sind. Wir haben Verantwortung Vorreiter zu sein und auszusteigen.“

Ulrich Söffker
Ulrich Söffker

Sofortiger Ausstieg und eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien, war eine der Kernforderungen der Demonstranten.
In Mecklenburg-Vorpommern werden bereits heute schon 51 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien hergestellt. Das müsse weiter ausgebaut werden, forderte Ulrich Söffker, Landesgeschäftsführer der Grünen und wies auf das Energiesparen und den Wechsel des Stromanbieters als Möglichkeiten hin, selbst aktiv zu werden.

Die nächste Möglichkeit gegen Atomkraft zu demonstrieren, gibt es am 12. Februar um 14 Uhr auf dem Marktplatz in Greifswald.

 

 

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