Corona: Rostock schließt Schulen, Kitas und Ämter

Rostock ordnet umfangreiche Schließungen von Schulen, Kitas und weiteren Einrichtungen an, um die Ausbreitung des Corona- oder COVID-19-Virus zu verzögern

13. März 2020, von
Rostock schließt Schulen, Kitas und Ämter, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verzögern - Dr. Markus Schwarz (Leiter, Gesundheitsamt Rostock, v.l.), Prof. Emil Reisinger (Wissenschaftlicher Vorstand und Leiter der Abteilung Infektionskrankheiten an der Universitätsmedizin Rostock), Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen und Prof. Wolfgang Schareck (Rektor der Universität Rostock)
Rostock schließt Schulen, Kitas und Ämter, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verzögern - Dr. Markus Schwarz (Leiter, Gesundheitsamt Rostock, v.l.), Prof. Emil Reisinger (Wissenschaftlicher Vorstand und Leiter der Abteilung Infektionskrankheiten an der Universitätsmedizin Rostock), Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen und Prof. Wolfgang Schareck (Rektor der Universität Rostock)

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verzögern, hat Rostock heute die Schließung von Schulen, Kitas, Ämtern sowie von Sport- und Kultureinrichtungen beschlossen. „Es ist uns nicht leicht gefallen die Maßnahmen zu beschließen, aber keine Maßnahme wäre viel schlimmer“, wirbt der Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen um Verständnis für die teilweise einschneidenden Regelungen, die jedoch gerade am Anfang einer Pandemie besonders wirkungsvoll seien.

„Wir machen das aus Fürsorge für unsere Schwächsten“, erläutert das Stadtoberhaupt. Es gehe um den Schutz der Menschen, die durch ihr Alter, eine Vorerkrankung oder andere Umstände nicht über ausreichend Abwehrkräfte verfügen. Bei ihnen könnte eine Infizierung zu einem schweren Krankheitsverlauf führen.

Es geht jetzt darum, die Infektionskurve möglichst flach zu halten, so Madsen. Eine zu schnelle Ausbreitung könnte das Gesundheitssystem überfordern. Prof. Emil Reisinger, Wissenschaftlicher Vorstand und Leiter der Abteilung Infektionskrankheiten an der Universitätsmedizin, bestätigt dies. Er rechnet mit etwa 100 stationären Fällen pro Monat. Die sind zwar zu bewältigen, stellen die Klinken – neben den weiteren Patienten – aber schon vor Herausforderungen.

Um die Sicherheit aufrechtzuerhalten, arbeitet die Rostocker Feuerwehr nur noch in Zwölf-Stunden-Schichten statt wie bisher doppelt so lange. Die beiden Mannschaften sind strikt voneinander getrennt, sodass bei einer Infektion zumindest das jeweils andere Team einsatzbereit bleibt. Für das „vitale“, systemkritische Personal der Stadt (Polizei, Medizin, Pflege etc.) wird es ein Betreuungsangebot für die Kinder geben.

Verständnis hat Madsen auch für die Unternehmer, die von der aktuellen Situation betroffen sind. Einige Rostocker Unternehmen hätten schon Kurzarbeit beantragt, sagt er. Finanzielle Hilfen seien eher Sache des Bundes, doch die Stadt hilft auch hier, wo sie kann. Gewinneinbrüche würden schließlich auch bei der Stadt zu niedrigeren Gewerbesteuereinnahmen führen. „Wir werden einen anderen Haushalt haben“, ist sich das Rostocker Stadtoberhaupt der finanziellen Auswirkungen bewusst. Das Land hat ein Maßnahmepaket für die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern beschlossen.

„Wir möchten, dass sie als vernünftig agierender Mensch auf Sozialkontakte verzichten“, appelliert der Oberbürgermeister an die Vernunft der Rostocker. Zwei Wochen nicht die Oma im Altersheim zu besuchen und zwei Wochen auf den Sportverein zu verzichten, ist auch nichts anderes als zwei Wochen Spanienurlaub, so Madsen.

Universität, Schulen, Kitas und Horte geschlossen

Ab Montag sind in Rostock sämtliche allgemeinbildende Schulen, Berufliche Schulen, Kindertagesstätten, Tagespflegeeinrichtungen und Horte geschlossen. Dies gilt voraussichtlich bis zum 15. April 2020 (nach den Osterferien).

Die Stadtverwaltung setzt darauf, dass die Betreuung der Kinder durch Familienangehörige oder Freunde sichergestellt werden kann. Aufgrund des erhöhten Risikos eines schweren Krankheitsverlaufs sollte diese möglichst nicht durch die Großeltern erfolgen.

In Schulen, Kindertagesstätten und Horten wird eine Notfallbetreuung eingerichtet, die ausschließlich für Eltern gilt, die bei der Feuerwehr, der Polizei, bei Rettungsdiensten oder im Medizin- bzw. Pflegebereich arbeiten.

Dazu wurde die folgende Allgemeinverfügung erlassen.

Auch der Betrieb an der Universität Rostock wird – mit Ausnahme des klinischen Bereichs – ab sofort bis zum 13. April eingestellt. Der Vorlesungsbeginn fürs Sommersemester wird auf den 20. April verschoben.

Keine Besuche in Krankenhäusern sowie in Alten- und Pflegeheimen

Bis zum 14. April 2020 sind Besuche im Klinikum Südstadt, in der Universitätsmedizin Rostock sowie in allen Alten- und Pflegeheimen grundsätzlich untersagt. Ausnahmen können die jeweiligen Einrichtungsleitungen regeln.

RSAG fährt Fahrplan herunter

Die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) wird ihren Fahrplan ab Montag stark herunterfahren, in etwa auf den Samstagsfahrplan.

Zum Schutz der Fahrer bleibt die vorderste Tür bei Bussen geschlossen. Die Fahrzeugtüren der Busse und Straßenbahn werden bei jedem Halt automatisch geöffnet, damit die Tasten nicht berührt werden müssen.

Sport- und Kultureinrichtungen sowie der Zoo werden geschlossen

Das Hallenschwimmbad „Neptun“, die Städtischen Museen sowie die Tourist-Informationen stellen ab dem 14. März 2020 ihren Publikumsverkehr ein. Das Volkstheater sagt bis zum 31. März alle Vorstellungen ab. Die Bibliotheken bleiben geschlossen. Allen weiteren Sport- und Kultureinrichtungen (Kinos, Fitnessstudios, Clubs etc.) wird die Schließung dringend empfohlen.

Der Zoo schließt ab morgen für vorerst zwei Wochen, dann soll die Lage neu bewertet werden. Bis einschließlich 27. März werden zudem sämtliche Zooveranstaltungen abgesagt.

Der Rostocker Ostermarkt entfällt komplett. Die Wochenmärkte bleiben als Bestandteil der Einzelhandelsstruktur geöffnet.

Eingeschränkte Arbeit der Ämter

Ab morgen (14. März 2020) stellt die Stadtverwaltung den Publikumsverkehr in den meistern Ämtern ein. Ortsamts-Dienstleistungen werden ab Montag (16. März 2020) nur noch im Ortsamt Stadtmitte angeboten. Alle weiteren Ortsämter bleiben geschlossen.

Hilfsangebote für Menschen in häuslicher Quarantäne

Für Einwohner, die unter häusliche Quarantäne gestellt werden, koordiniert die Stadtverwaltung notwendige Einkäufe und Erledigungen. Anfragen sind an das Bürgertelefon unter der Telefonnummer (0381) 381-1111 zu richten.

Abstrichzentren/Corona-Tests

Corona-Tests werden im Abstrichzentrum der Universitätsmedizin in der Schillingallee 35 (Seminarräume 1 und 2) durchgeführt. Voraussichtlich ab Dienstag wird ein weiteres Testzentrum beim Gesundheitsamt eingerichtet.

Tests werden nur mit einer Überweisung des Hausarztes durchgeführt. Diese kann ggfs. auch telefonisch erfolgen.

Pressekonferenz zur Schließung von Kitas, Schulen und öffentlichen Einrichtungen in Rostock:

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1 Kommentar

  • Uwe Bleck sagt:

    Ich finde das was der Ob gesagt hat und das, dass er die Vorsorge getroffen hat
    ds es nicht so schlimm wird wie in anderen länder
    der BRD .Achtung gut gemacht

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