Erste Corona-Bilanz und Ausblick der Unimedizin Rostock

700 Corona-Tests, davon 13 positiv, und eine stationäre Aufnahme gab es bislang an der Unimedizin Rostock – mit zwei- bis zehntausend Corona-Fällen in M-V wird gerechnet

12. März 2020, von
Erste Corona-Bilanz und Ausblick der Unimedizin Rostock - Britta Wark (Stellvertretender Kaufmännischer Vorstand, v.l.), Annett Laban (Pflegevorstand), Prof. Andreas Podbielski (Direktor Institut für Med. Mikrobiologie, Virologie & Hygiene), Prof. Christian Schmidt (Ärztlicher Vorstand), Prof. Emil Reisinger (Wissenschaftlicher Vorstand, Leiter Abteilung Infektionskrankheiten) und Harald Jeguschke (Kaufmännischer Vorstand)
Erste Corona-Bilanz und Ausblick der Unimedizin Rostock - Britta Wark (Stellvertretender Kaufmännischer Vorstand, v.l.), Annett Laban (Pflegevorstand), Prof. Andreas Podbielski (Direktor Institut für Med. Mikrobiologie, Virologie & Hygiene), Prof. Christian Schmidt (Ärztlicher Vorstand), Prof. Emil Reisinger (Wissenschaftlicher Vorstand, Leiter Abteilung Infektionskrankheiten) und Harald Jeguschke (Kaufmännischer Vorstand)

Rund 70 Prozent der Bevölkerung müssen sich mit dem Corona-Virus infizieren, damit dessen Ausbreitung durch ausreichend viele immune Personen gestoppt werden kann, erklärte Christian Drosten, Virologe von der Berliner Charité. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte in der Bundespressekonferenz unter Berufung auf Experten die Zahl von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung, die sich infizieren könnten, solange weder Immunität noch Impf- oder Therapiemöglichkeiten existieren. Rund 58 Mio. Menschen wären das in Deutschland, mehr als 250.000 könnten sterben. Auch wenn sich diese Zahl über einen relativ langen Zeitraum relativiert, sorgte sie für reichlich Verunsicherung.

Prof. Emil Reisinger, Wissenschaftlicher Vorstand und Leiter der Abteilung Infektionskrankheiten an der Universitätsmedizin Rostock, rechnet anders als bei der „Herdenimmunität“: Im chinesischen Wuhan, wo die Erkrankung inzwischen abflacht, wurden 80.000 der elf Millionen Einwohner infiziert, also etwa 0,7 Prozent. 560.000 Infizierte würde dies bei ähnlicher Ausbreitung in Deutschland bedeuten. Reisinger geht von 100.000 bis 500.000 Menschen aus, für Mecklenburg-Vorpommern würde dies zwischen zwei- und zehntausend Infizierte bedeuten.

Pro Monat rechnet der Infektionsmediziner mit etwa 1.000 Fällen. Zehn Prozent davon, schätzt er, müssen stationär behandelt werden. Das sei zu „wuppen“, so Reisinger. Zusätzlich zu den anderen Patienten wird es trotzdem eine Herausforderung. In den nächsten Monaten müsse zusätzliches Personal akquiriert werden. Auch was die Dauer der ersten Infektionswelle betrifft, schaut der Mediziner nach Wuhan und rechnet damit, dass die erste Welle bis etwa Mitte/Ende Juni dauert. „Das ist meine persönliche Einschätzung“, so Reisinger.

700 Tests, 13 positiv, eine stationäre Aufnahme

Etwa 700 Corona-Tests wurden bislang an der Universitätsmedizin Rostock durchgeführt, 13 davon waren positiv, erklärt Prof. Andreas Podbielski. „Das ist ein sehr kleiner Anteil“, resümiert der Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie & Hygiene.

Ein Patient wurde bislang stationär aufgenommen – „wir sind guter Hoffnung, dass es gut ausgeht“, sagt Reisinger.

Vier infizierte Ärzte an der Universitätsmedizin Rostock

Bei vier Ärzten der Universitätsmedizin wurde das Coronavirus nachgewiesen, bestätigt der Ärztliche Vorstand Prof. Christian Schmidt. Über 100 Patienten und Mitarbeiter, die direkten Kontakt zu diesen hatten, wurden getestet. „Bisher hat sich niemand infiziert“, so Podbielski.

Alle Mitarbeiter, die mit den vier infizierten Ärzten Kontakt hatten, mussten zum Schutz von Patienten und Kollegen einen Mundschutz tragen und wurden eine Woche lang täglich getestet. Ist nach sieben Tagen keine Infektion aufgetreten, können sie ganz normal ohne Mundschutz weiterarbeiten, beschreibt Christian Schmidt die Regeln in solch einem Fall. Das Vorgehen wurde mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales M-V (LAGuS) abgesprochen und von diesem jetzt fürs gesamte Bundesland übernommen.

„Die Infektion unserer Mitarbeiter mit Corona ist eher ein nachgeordnetes Problem“, stellt Christian Schmidt klar. Die normale Grippewelle begleitet von RS-Viren in Kitas macht dem Ärztlichen Vorstand mehr zu schaffen. So war in der Kardiologie zeitweise ein Drittel der Mitarbeiter erkrankt. Emil Reisinger rechnet mit einem Ende der Grippewelle in etwa vier Wochen und hofft die Corona-Ausbreitung so verlangsamen zu können, dass es nicht zu Überlagerungen kommt.

Abstrichzentrum für Coronatests

Vor zwei Wochen gab es einen regelrechten Ansturm auf die Notaufnahme, weil sich viele Leute testen lassen wollten, führt Emil Reisinger aus. Daraufhin habe die Unimedizin ein Abstrichzentrum für die Tests eingerichtet und mit eigenen Ärzten betrieben. Etwa 60 bis 70 Abstriche werden täglich gemacht, bis zu 200 sind möglich, bei Bedarf kann die Kapazität noch einmal verdoppelt werden.

Ab morgen befindet sich das Abstrichzentrum in den Seminarräumen 1 und 2 in der Schillingallee 35 (Hörsaal der Chirurgie). Es ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr geöffnet, eine Überweisung oder telefonische Anmeldung des Hausarztes ist erforderlich. Betrieben wird das Abstrichzentrum mit freiwilligen Studierenden.

Inhalieren und den Rachen mit Alkohol spüren

Impfstoffe oder Medikamente gegen das Corona-Virus gibt es bislang nicht. Zwei Hausmittel kann Emil Reisinger aber empfehlen: Mit ätherischen Ölen und 70 Grad Celsius heißem Wasser inhalieren und den Rachenraum mit Alkohol spülen. Damit könne die Viruslast im Mund-/Rachenraum reduziert werden. „Von anderen Virusinfektionen wissen wir: Wenn wir die Viruslast reduzieren, vermindern wir die Ansteckung und wir vermindern auch den klinischen Verlauf“, so Reisinger.

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