Zweites Leben fürs Feuerlöschboot FLB 40-3

Ein Traditionsverein aus Seeleuten und Feuerwehrmännern hat sich den Erhalt des Rostocker Feuerlöschbootes FLB 40-3 im Fahrbetrieb zum Ziel gesetzt

12. März 2020, von
Das ehemalige Rostocker Feuerlöschboot FLB 40-3 soll als Traditionsschiff Fahrt aufnehmen
Das ehemalige Rostocker Feuerlöschboot FLB 40-3 soll als Traditionsschiff Fahrt aufnehmen

„Wir haben in der Hansestadt Rostock genug Schiffe, die rumliegen“, sagt Thomas Wilde und schaut aus dem Brückenfenster auf das Traditionsschiff „Dresden“ und das Jugendschiff „Likedeeler“ in Rostock-Schmarl.

Das ehemalige Rostocker Feuerlöschboot FLB 40-3 soll eine andere Zukunft haben. „Wir wollen das Schiff wieder in Fahrt bringen und dann für uns und die Hansestadt nutzen“, bekräftigt Wilde und schwärmt von Ausfahrten und „warmen, erlebbaren Maschinen“.

Zu diesem Zweck hat er mit aktiven und pensionierten Seeleuten und Feuerwehrkameraden den Verein „Traditionsschiff FLB 40-3 e.V.“ gegründet. Heute wurde das ehemalige Rostocker Feuerlöschboot offiziell von der Stadt übernommen. Der Leiter des Brandschutz- und Rettungsamtes Johann Edelmann übergab den symbolischen Schlüssel. Eigentümer bleibt die Stadt, Erhalt und Betrieb obliegt dem Verein.

Brandschutzamtsleiter Johann Edelmann (v.l.) übergibt den symbolischen Schlüssel fürs Feuerlöschboot FLB 40-3 an den Vereinsvorsitzenden Thomas Wilde, Kassenwart Thomas Russ und den stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Matthias Ullrich
Brandschutzamtsleiter Johann Edelmann (v.l.) übergibt den symbolischen Schlüssel fürs Feuerlöschboot FLB 40-3 an den Vereinsvorsitzenden Thomas Wilde, Kassenwart Thomas Russ und den stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Matthias Ullrich

Maritimes Erbe für Jugendarbeit und Ausfahrten

Der Arbeits- oder Heimatliegeplatz soll bei der Feuerwache See in Groß Klein bleiben. Zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr soll Kindern und Jugendlichen hier das Schiff gezeigt und so die Jugendarbeit gefördert werden.

Doch auch für Touristen und Einheimische soll das maritime Erbe erlebbar werden. „Wir wollen zwischen Warnemünde und dem Stadthafen pendeln“, blickt Thomas Wilde in die Zukunft. Am Neuen Strom könnten sie Passagiere aufnehmen, ihnen auf der Fahrt das Schiff zeigen und sie im Stadthafen absteigen lassen. Auch das Begleiten von Kreuzfahrtschiffen mit Wasserfontänen gehört zu den Ideen des Vereinsvorsitzenden.

Bevor wieder in See gestochen werden kann, wird jedoch die Klassifizierung als Traditionsschiff benötigt. Am 1. April kommt die Berufsgenossenschaft See zur Erstbesichtigung. Mit deren Vorgaben geht es dann zur Werft, beschreibt Wilde, wie es jetzt weitergeht. „Unser großer Wunsch ist es, bei der Hanse Sail aktiv dabei zu sein“, sagt der 55-Jährige, doch das liegt nicht allein in den Händen des Vereins.

Das Feuerlöschboot FLB 40-3 bei seinem letzten Einsatz, einem Großbrand auf dem Schrottplatz im Gewerbegebiet Schmarl
Das Feuerlöschboot FLB 40-3 bei seinem letzten Einsatz, einem Großbrand auf dem Schrottplatz im Gewerbegebiet Schmarl

Eigenleistung und Sponsoren

Die meisten Arbeiten am Schiff möchten die Vereinsmitglieder in Eigenleistung durchführen. „Wir haben alle einen handwerklichen Beruf gelernt und können an dem Schiff viel selbst machen“, erklärt Wilde. Der Vereinsvorsitzende bringt nicht nur Erfahrungen aus seiner eigenen Schlosserei mit, er habe als Selbstständiger auch „gute Kontakte in die Wirtschaft“. Sponsoren sind trotzdem willkommen.

Nicht nur die Schlosserei von Wilde ist übrigens in Leipzig, auch der Verein ist beim dortigen Amtsgericht eingetragen. Kein Wunder, dass auch die sächsische Flagge an Bord weht.

Repariert und verschönert werden muss einiges, doch „die ganze technische Substanz ist funktionstüchtig“, erzählt Wilde. Erst kurz vor der Außerdienststellung hat das Feuerlöschboot ein neues zehn Meter langes Vorschiff sowie drei generalüberholte Maschinen bekommen.

Feuerlöschboot FLB 40-3 war 35 Jahre im Dienst

Das 40 Meter lange Feuerlöschboot FLB 40-3 wurde 1983 auf der Yachtwerft Berlin gebaut und war 35 Jahre im Dienst. Seinen letzten Einsatz hatte es am 4. Juli 2018 bei einem Großbrand auf dem Schrottplatz im Gewerbegebiet Schmarl.

Am 25. Oktober 2018 wurde sein Nachfolger in Dienst gestellt. Bei dem Löschboot „Albert Wegener“ handelt es sich um einen umgebauten ehemaligen Seenotkreuzer.

Auf der Brücke des Feuerlöschboots FLB 40-3
Auf der Brücke des Feuerlöschboots FLB 40-3

Ex-Kapitän ist mit an Bord

„Von der Baubelehrung bis zu meinem Ende war ich hier“, erzählt der stellvertretende Vorsitzende Matthias Ullrich. 2012 ist er in Pension gegangen, doch seiner „alten Dame“ ist er treu geblieben. Bei der Freiwilligen Feuerwehr kümmert er sich jetzt um Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchsförderung.

Von klein auf habe er sich bis zum Kapitän hochgearbeitet. An Bord kennt er jeden Hebel und Schalter. „Zweimal im Jahr haben wir Navigationsbelehrungsfahrten gemacht – da ging es drei Tage in unbekannte Seegebiete“, erzählt Ulrich etwas wehmütig. Es gab auch Fahrten nach Polen, Dänemark oder Schweden. Nicht ohne Stolz erinnert er sich an die Fahrt zum Hafengeburtstag in Hamburg, wo sie an den Landungsbrücken vorbei die Parade angeführt haben. „Da konnten wir uns richtig sehen lassen, die haben gar nicht geglaubt, dass die DDR solch ein Schiff gebaut hat“, schmunzelt Ulrich.

Jetzt hofft er, dass Schulklassen für ein Wochenende nach Rostock kommen, an Bord schlafen und eine Ausfahrt mit dem Schiff erleben können. Da bleibt nur der Wunsch für die berühmte Handbreit Wasser unterm Kiel!

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