Glockenweihe in der Rostocker St.-Marien-Kirche

Erstmals erklingen die neu gegossene und die vier restaurierten Glocken zusammen – Festkonzert zum Abschluss der Turmsanierung

9. Mai 2011, von
Marienkirche Rostock
Marienkirche Rostock

Andächtig und mit gespitzten Ohren versammelten sich am Samstag-Abend Hunderte Menschen am Fuße des Turmes von Sankt Marien. Von oben erklang zum ersten Mal das volle Geläut der fünf Glocken der ältesten Rostocker Stadtkirche. Unten vermischte sich der mächtige Glockenklang mit dem Surren der Straßenbahn, dem Frühlingswind in den Bäumen und dem Hüsteln der Zuhörer, die sich nach dem Kirchbesuch noch die winterliche Kälte abschüttelten, zu einem einmaligen Klangerlebnis.

Als „Klang der Heimat“ hatte Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens zuvor das Glockenläuten bezeichnet. Die vier restaurierten mittelalterlichen Glocken und die neu gegossene Betglocke werden nun den Klang der Marienkirche verändern und zukünftig das akustische Bild unserer Hansestadt zu besonderen Anlässen prägen.

Glockenstuhl der Marienkirche
Glockenstuhl der Marienkirche

Bereits seit 1908 schwieg die Große Glocke, die nach ihrem Gießer Rickert de Monkehagen auch Monkehagen-Glocke genannt wird. „Ihre wunderbaren Bilder sind ein großes Zeugnis mittelalterlicher Ritzzeichen in Norddeutschland“, erklärt Kantor Karl-Bernhardin Kropf, bevor sie seit über hundert Jahren zum ersten Mal wieder geläutet wurde.

Glocken der Marienkirche
Glocken der Marienkirche

Obwohl sie mit über vier Tonnen die schwerste Glocke ist, hat sie nicht den tiefsten Ton. Der erklingt von der Bürgerglocke, die um 1300 gegossen wurde und die älteste im Ensemble ist.

Der höchste Ton ist von der Bleichermädchenglocke zu hören, die ebenfalls in der Monkehagen-Gießerei gefertigt wurde. Von Hans Lavenpris stammt die Wächterglocke. Früher zeigte sie an, dass die Stadtwache auf ihrem Posten ist.

Die jüngste unter den Glocken ist die Betglocke. Erst im Januar dieses Jahres wurde sie in Karlsruhe gegossen. 71.900 Euro wurden dafür aus Spenden aufgebracht. Nun soll sie die hauptsächliche Läutelast tragen.

Wolfgang Friedrich bei der Glockenweihe
Wolfgang Friedrich bei der Glockenweihe

Gestaltet wurde die Betglocke vom Rostocker Bildhauer Wolfgang Friedrich, der sich die Premiere des Zusammenklangs aller Marienglocken nicht entgehen ließ. „Ich fühle mich wie ein Frosch, der ins Wasser springt“, gab er angesichts der ersten Bewährungsprobe seines Kunstwerkes vor einem gespannten Publikum zu. Seit einem Jahr hat ihn dieses Projekt beschäftigt, das mit seiner klanglichen Dimension für den bildenden Künstler neue Erfahrungen bereithielt.

Festkonzert in der Marienkirche
Festkonzert in der Marienkirche

„Das Glockenprojekt ist mit dieser Maßnahme nicht abgeschlossen“, verkündet Pastor Jeremias beim Festakt anlässlich der Glockenweihe.

„Wir wünschen uns für die Marienkirche noch eine sechste Glocke anschaffen zu können, damit unser Geläut rund wird.“

Bis zum Herbst 2010 bestand das Geläut der Rostocker Marienkirche aus drei Glocken. Die älteste, die Petri Glocke, stammt aus dem 16. Jahrhundert und hatte als einzige den Krieg überstanden. Die anderen beiden wurden 1979 gegossen. Alle drei Glocken sollen nun in den Turm der Petrikirche gebracht werden.

Aber nicht nur der Klang der Marienkirche hat sich erneuert, auch äußerlich hat sich der sakrale Bau herausgeputzt. Umsäumt vom frischen Maigrün präsentiert sich der Turm seit der mehr als zweijährigen Bauphase erstmals wieder ohne Gerüst.

Gottfried Kiesow
Gottfried Kiesow

Der Abschluss der Turmsanierung sei jedoch nur ein Zwischenakt, betonte Professor Dr. Dr. Gottfried Kiesow von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „Trotz Begeisterung muss die Bereitschaft zu Spenden wachgehalten werden“, mahnte er an. Seit 2006 hat die Stiftung über eine Million Euro für die Rostocker Marienkirche gesammelt.

Unterstützung gab es auch vom Land Mecklenburg-Vorpommern, der Landeskirche und zahlreichen Spendern. Maßgeblich eingebracht hat sich darüber hinaus der Förderverein „Stiftung St.-Marien-Kirche zu Rostock“.

Die Planung für die weiteren Sicherungsarbeiten reichen bis ins Jahr 2018. Dann soll die äußere Hülle wiederhergestellt sein. Auch die Seitenschiffe, Chorkapellen und die Pfeiler müssen noch restauriert werden und sind teilweise bereits eingerüstet.

Pastor Jeremias nimmt die Auszeichnung vom NABU entgegen
Pastor Jeremias nimmt die Auszeichnung vom NABU entgegen

Bei allen Bemühungen um die alten Stadtkirchen zeigte sich die Innenstadtgemeinde offen für ihre tierischen Bewohner. Mit Nisthilfen förderte sie in den letzten Jahren die Ansiedlung von Dohlen und Turmfalken. Für ihren Einsatz im Artenschutz zeichnete sie jetzt der Naturschutzbund (NABU) mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ aus.

Die Glockenweihe, die Rückkehr der alten Glocken, der Abschluss der Turmsanierung und die Auszeichnung für das Engagement im Artenschutz – für die Innenstadtgemeinde gab es viel Grund zur Freude, zu feiern und zu danken. Zahlreiche Gäste folgten daher der Einladung zu einem festlichen Konzert mit Musik, die von Glockengeläut inspiriert wurde, und abschließendem Glockenfest im Gemeindehaus.

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