Großer Zapfenstreich auf dem Neuen Markt in Rostock

Zeremoniell anlässlich der Feierlichkeiten zu „20 Jahre Deutsche Einheit – 20 Jahre Deutsche Marine in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern“

21. Oktober 2010, von
Großer Zapfenstreich auf dem Neuen Markt in Rostock
Großer Zapfenstreich auf dem Neuen Markt in Rostock

Das Wasser ist das Element der Marine – das dürfte hinlänglich bekannt sein. Es passte also irgendwie am Donnerstagabend beim Großen Zapfenstreich, dass es ohne Unterlass regnete. Aber ungemütlich war es schon.

Trotzdem kamen über tausend Schaulustige, um sich das höchste militärische Zeremoniell auf dem Neuen Markt anzusehen. Die Marine bedankte sich damit für die gute Aufnahme und Unterstützung in Rostock. Anlass waren die Feierlichkeiten zu „20 Jahre Deutsche Einheit – 20 Jahre Deutsche Marine in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern“.

Fackelträger beim Großen Zapfenstreich auf dem Neuen Markt in Rostock
Fackelträger beim Großen Zapfenstreich auf dem Neuen Markt in Rostock

Außergewöhnlich war dieses Ereignis aus vielerlei Gründen. Nicht nur, dass der Große Zapfenstreich nur hochgestellten Persönlichkeiten und besonderen Anlässen vorbehalten ist, es ist auch nicht selbstverständlich, dass er für die Öffentlichkeit durchgeführt wird. In der Geschichte Rostocks fand diese höchste Form der militärischen Ehrenerweisung zum ersten Mal statt. Lange hatte man zuvor daraufhin gearbeitet, bis mit dem Jubiläum „20 Jahre Deutsche Marine in Rostock“ eine passende Gelegenheit gefunden worden war.

In Anwesenheit des Ministerpräsidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern Erwin Sellering, des Oberbürgermeisters Roland Methling und des Chefs des Marineamtes Konteradmiral Dr. Horst-Dieter Kolletschke gestaltete das Wachbataillon des Verteidigungsministeriums und das Marinemusikkorps Ostsee diese feierliche Abendmusik.

Großer Zapfenstreich auf dem Neuen Markt in Rostock
Großer Zapfenstreich auf dem Neuen Markt in Rostock

Insgesamt 288 Soldaten traten zum Großen Zapfenstreich auf dem Neuen Markt an. Der Spielmannszug und das Musikkorps sorgten für die Musik. Begleitet wurden sie von zwei Waffenzügen und von Fackelträgern, die von einer sogenannten Perlenkette umrahmt wurden.

Die Abfolge der feierlichen Abendmusik von Trommel- und Pfeifenstücken, Reitersignalen und dem „Gebet“ hat in der deutschen Militärmusik eine lange Tradition. Die heutige Form ist im 19. Jahrhundert entstanden. Der Name „Zapfenstreich“ selbst geht bis ins 16. Jahrhundert zurück, der Zeit der Landsknechte. Er bezeichnet den Schlag bzw. den Streich auf den Zapfen eines Fasses, mit dem der Bierausschank beendet wurde und sich die Soldaten zur Nachtruhe begeben mussten.

Demonstranten beim Großen Zapfenstreich auf dem Neuen Markt in Rostock
Demonstranten beim Großen Zapfenstreich auf dem Neuen Markt in Rostock

Aber nicht nur zackige Militärmusik erklang auf dem Neuen Markt.

Etwa 150 Demonstranten protestierten lautstark mit Tröten, Pfeifen und Rufen gegen den Großen Zapfenstreich. Viele von ihnen drückten damit ihre Ablehnung der Bundeswehreinsätze im Ausland aus und kritisierten dieses historische Zeremoniell als unzeitgemäß.

So geteilt die Meinungen auch sein mögen, ist es doch schön, dass jeder hier und jetzt – 20 Jahre nach der deutschen Einheit – seine Meinung zum Ausdruck bringen kann, oder?

Wer heute lieber im Regen zu Hause geblieben ist, für den gibt es hier ein kurzes Video mit Eindrücken des Großen Zapfenstreichs.

 

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2 Kommentare

  • Julia sagt:

    Ich stand am Donnerstag auch im strömenden Regen am Neuen Markt und fand es ebenso interessant wie ergreifend, den Zapfenstreich einmal live und nicht nur am Fernseher zu erleben.
    Schade nur, dass einige wenige selbst-ernannte Scheinheilige mal wieder meinten, den Zapfenstreich lautstark stören zu müssen. Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man ja darüber lachen, dass sich ein Helmut Holter als Friedensengel aufspielt. Was war denn mit den Aufmärschen der NVA? Oder mit den geliebten Fackelzügen der FDJ? Und hat der gute Herr Holter denn in seiner Zeit an der Parteischule in Moskau auch gegen die Sowjetarmee und deren Krieg in Afghanistan protestiert?
    Recht hast du aber: Schön, dass man heutzutage protestieren darf. Und in einer Demokratie muss man wohl auch damit leben, wenn ein paar Störenfriede selbst die Nationalhymne mit Buh-Rufen bedenken oder während dieser lieber vor der Fernsehkamera posieren.
    Bestimmte Freiheiten sieht man nach 20 Jahren einfach viel zu schnell als selbstverständlich an – sich ab und an daran und an seine eigene Vergangenheit zu erinnern, würde dem einen oder anderen bestimmt ganz gut zu Gesicht stehen.

    Julia

  • Thueringer sagt:

    Ja,ja – wie die Alten Pfeifen, so zwitschern die Jungen!!!!!

    Und zu Julia

    Wenn zwei das Gleiche tun ist es noch lange nicht das Selbe :-)
    Mit den Tratitionen ist es nicht einfach.
    Alte Götter werden oft zu neuen Dämonen gemacht. Aber heute muß man überlegen, ob die heutigen Götter nicht die alten Dämonen sind.

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