Klarschiff.HRO - Ideen und Probleme per Internet melden

Bessere Bürgerbeteiligung – das kartenbasierte Internet-Informationssystem Klarschiff.HRO soll die Kommunikation zwischen Einwohnern und Verwaltung vereinfachen und transparenter gestalten

28. März 2012, von
Dr. Detlef Neitz, Projektverantwortlicher im Kataster-, Vermessungs- und Liegenschaftsamt, und Projekt-Mitarbeiter Sebastian Schwarz
Dr. Detlef Neitz, Projektverantwortlicher im Kataster-, Vermessungs- und Liegenschaftsamt, und Projekt-Mitarbeiter Sebastian Schwarz

Schlaglöcher auf dem Weg zur Arbeit, Glas auf dem Radweg, die Lieblings-Parkbank demoliert und dann hat auch noch irgendwer seinen Abfall illegal im Park entsorgt. Gerne würde man so einiges melden, doch welche Stelle ist eigentlich verantwortlich? Und wie und wann erreiche ich die zuständigen Bearbeiter?

Damit sich engagierte Bürger nicht länger solchen entmutigenden Fragen stellen müssen, bekommen die Rostocker nun durch das Portal Klarschiff.HRO die Möglichkeit, Probleme und Ideen einfach und schnell über das Internet zu kommunizieren. Die zuständige Stelle für das individuelle Problem findet die interaktive Bürger- und Verwaltungs-Schnittstelle von allein.

Und so funktioniert es: Wer ein Problem der Stadtentwicklung oder der öffentlichen Ordnung melden möchte, besucht die Seite klarschiff-hro.de und markiert dort die Problemstelle auf einer interaktiven Karte.

Durch eine Eingabemaske, die durch Haupt- und darauf basierenden Unterkategorien strukturiert ist, wird das Melden einfach und bürgerfreundlich gestaltet. Über Detailangaben kann der Nutzer seine Idee oder sein Problem genauer formulieren und auch Fotos der Problemstelle anfügen.

Mit dem britischen „FixMyStreet“ oder dem amerikanischen „CitySourced“ gibt es bereits vergleichbare Systeme. Auch im Brandenburgischen Maerker wird ein ähnliches Dienstleistungsportal genutzt. Das Rostocker Portal Klarschiff.HRO stelle jedoch, so die Entwickler, ein eindeutig innovativeres Angebot dar.

Internetportal "Klarschiff.HRO"
Internetportal "Klarschiff.HRO"

„Das Alleinstellungsmerkmal gegenüber vergleichbaren internationalen Systemen ist hier der selbstlernende Zuständigkeitsfinder. Als Privatperson ist es ja nicht immer so einfach zu wissen, wer in einer Stadtverwaltung für was zuständig ist“, erklärt Dr. Detlef Neitz, Projektverantwortlicher im Kataster-, Vermessungs- und Liegenschaftsamt Rostock.

Auf der Basis der räumlichen Eingrenzung des Problems und dessen Kategorisierung wird das Problem automatisch der Stelle gemeldet, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit zuständig ist. Lehnt der Bearbeiter die Zuständigkeit für das Anliegen ab, wird das Problem der Stelle mit der zweitwahrscheinlichsten Zuständigkeit gemeldet. „Das System lernt aus den Entscheidungen der Bearbeiter, sodass mit Erfahrung noch schneller die richtige Bearbeitungsstelle adressiert wird“, beschreibt Neitz die praktische Entwicklung des Systems.

Das Kooperationsprojekt Klarschiff.HRO entstand in Zusammenarbeit der Hansestadt Rostock mit der WhereGroup GmbH sowie dem Fraunhofer IGD Rostock und wurde vom Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern gefördert.

Neben der schnellen Kontaktaufnahme und der vereinfachten Meldung von Problemen und Ideen ermöglicht das Internet-Portal jedem einen transparenten Überblick über bereits getätigte Meldungen und deren Bearbeitung.

Müll und Unrat, wie hier am Kabutzenhof, findet sich an einigen Stellen in Rostock
Müll und Unrat, wie hier am Kabutzenhof, findet sich an einigen Stellen in Rostock

„Die gemeldeten Probleme sind auf der virtuellen Karte nach Bearbeitungsstand farblich gekennzeichnet: Rot heißt ‚Gemeldet‘, Gelb heißt ‚in Bearbeitung‘, Grün heißt ‚Abgeschlossen‘“, erklärt Neitz. Nach der Behebung eines Problems wird der engagierte Nutzer per E-Mail davon in Kenntnis gesetzt.

In einer Testphase wurde das Portal im Vorhinein bereits zu Test- und Schulungszwecken für Mitarbeiter der Stadtverwaltung Rostock freigeschaltet. „Das Umweltamt und das Grünamt sind begeistert“, erklärt Holger Matthäus, Rostocker Senator für Bau- und Umwelt.

„Zum einen kann man unseren Ordnungsdienst optimieren, zum anderen können wir die Potentiale der engagierten Bürgerinnen und Bürger nutzen. Wir kontrollieren nun nicht mehr allein, sondern geben den Leuten die Chance, aktiv in die Gestaltung ihres Lebensumfeldes einzugreifen“, freut sich Matthäus und fügt an: „Falls wir feststellen, dass die Abarbeitung der Fälle stockt, werden wir das als Auftrag sehen. Wir werden dann auch von Amtsseiten nacharbeiten und mehr Personal einstellen.“

Auf den Service des Klarschiff.HRO-Portals kann man nicht nur von zu Hause, sondern auch mit einem Smartphone zugreifen. „Wir wollen auch in Schulen Werbung für Klarschiff.HRO machen, um jüngere Bürger mit ins Boot zu kriegen, für die der Umgang mit Internet und Handy zum Alltag gehört“, erklärt Neitz.

Ziel des Portals sei schließlich nicht nur die Senkung von Transaktionskosten und eine höhere Transparenz von Verwaltungsvorgängen, sondern außerdem, „das Gefühl für Engagement im Lebensumfeld zu steigern, da nun direkt sichtbar wird, dass die Behörde reagiert, wenn etwas gemeldet wird,“ erklärt der Projektverantwortliche.

Damit auch weitere Kommunen von dem kartenbasierten Informationssystem profitieren können, wird Klarschiff.HRO vollständig als Open-Source-Software bereitgestellt. Jede Verwaltung kann die Software so kostenlos nutzen, den eigenen Bedürfnissen anpassen und weiterentwickeln.

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