Stirb langsam? Hansa-Kino schließt wohl für immer

Der Hansa-Filmpalast wird aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter betrieben, wie der Kino-Betreiber CineStar heute erklärte

10. Juli 2012, von
Der Hansa-Filmpalast in Rostock wird von CineStar nicht weiter betrieben - das Traditionskino im Hansaviertel schließt wohl für immer
Der Hansa-Filmpalast in Rostock wird von CineStar nicht weiter betrieben - das Traditionskino im Hansaviertel schließt wohl für immer

Der Hansa Filmpalast, der seit dem 22. Juni wegen technischer Störungen geschlossen ist, wird nicht wieder in Betrieb genommen. Das teilte heute der Kino-Betrieber CineStar am 75. Geburtstag des Lichtspielhauses mit.

Nach Überprüfung der Anlagen stellte sich heraus, dass Investitionen in die Gebäudetechnik getätigt werden müssten. Daneben ständen weitere erhebliche Investitionen in eine digitale Abspieltechnik an, ohne die ein zeitgemäßer Fortbetrieb des Filmtheaters nicht mehr möglich sei. Die Digitalisierung nur eines Saales würde sich auf ca. 120.000 Euro belaufen, dazu kämen zunächst erhöhte Folgekosten. Da CineStar als Privatunternehmen diese Investition vollständig aus eigenen Mitteln und ohne Subventionen leisten müsse, ergebe der weitere Betrieb nur Sinn, wenn dieser wirtschaftlich ist, heißt es in einer Pressemitteilung.

CineStar-Geschäftsführer Oliver Fock erklärt dazu: „Der Hansa Filmpalast ist ohne Zweifel ein sehr schönes, nostalgisches Filmtheater. Um dieses zeitgemäß weiterzuführen, müsste jedoch eine hohe sechsstellige Summe investiert werden, die aber die Wirtschaftlichkeit des Standortes nach unseren Einschätzungen übersteigt. Schweren Herzens haben wir uns daher entschlossen, den Mietvertrag nicht zu verlängern und aus wirtschaftlichen Gründen den Kinobetrieb schon jetzt einzustellen.“ Bezüglich der Besucherzahlen hält sich das Unternehmen bedeckt.

Eine von sechs allegorischen Kunststeinfiguren am Kinogebäude, das in den 1930ern errichtet wurde.
Eine von sechs allegorischen Kunststeinfiguren am Kinogebäude, das in den 1930ern errichtet wurde.

Was nun aus dem roten Ziegelgebäude in der Maßmannstraße wird, das der Kieft Projektentwicklungs GmbH gehört und als Kino in den 1930 Jahren errichtet wurde, ist noch unklar, sagt Kai Tannenberg, CineStar Bereichsleiter Nord-Ost.

Bei seiner Eröffnung galt das Kino, das damals noch den Namen „Hansa-Lichtspiele“ trug, mit seinem breiten Eingangsportal, seiner komfortablen Innenausstattung und modernen Technik als das schönste Lichtspieltheater in Rostock. Der erste Film „Die Stimme des Herzens“ lief am 10. Juli 1937. Damals bot der Saal 730 Besuchern Platz. Nachdem die Kieft-Gruppe das Hansa-Theater in den 1990er von der Stadt übernommen und umgebaut hatte, konnten nach der Wiedereröffnung im Mai 1993 nun in vier Kinosälen insgesamt 950 Filmfreunde Platz nehmen. Zuletzt hatte CineStar dem Lichtspieltheater Wundervoll zwei Kinosäle überlassen, dann jedoch den Vertrag nicht verlängert, sodass das LiWu ab morgen im früheren Metropol die Leinwand zum Flimmern bringt.

Ob die übrig gebliebenen CineStar-Kinos in der Innenstadt und in Lütten Klein das besondere Angebotsprofil des Hansa-Kinos kompensieren, steht noch in den Sternen. „Wir werden die relativ wichtigen Arthouse-Filme im Capitol zeigen“, kündigt Kai Tanneberg an, ließ aber offen, ob hier auch Nachspielzeitfilme zu sehen sein werden. Für den CineStar-Filmpalast in der St. Petersburger Straße und das Capitol in der Breiten Straße gebe es immerhin „keine Anzeichen, das wir in Bedrängnis kommen“, so der Bereichsleiter.

Bereits gekaufte Tickets für das Hansa-Kino werden zurückerstattet. Die Ticketkassen im CineStar Capitol, Breite Str. 3-5, 18055 Rostock, sind besetzt und auch telefonisch unter 0381-2525216 erreichbar.

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4 Kommentare

  • trappwolf sagt:

    Hat man sowas nicht kommen sehen?
    Das Hansa hätte man lieber gleich den LI.WU.-Leuten geben sollen.
    Kieft&Kieft haben in Rostock doch nur die Kinokultur zerstört!
    Erst das „Theater des Friedens“ plattgemacht, jetzt den „Hansa-Filmpalast“.
    Bravo, weiter so! (Ironie) Das „Capitol“ haben sie auch reichlich verschandelt.
    Als ich z.B. 1996 „Das Boot-The Directors Cut“ in der 20 Uhr-Vorstellung sah, war ich der einzige Besucher und das hat bestimmt nicht am Film gelegen!
    Auch im Winter 2011, wo ich das letzte mal da war, waren alle Besucher wegen den Filmen bei den LI.WU.-Leuten (Kino 3 und 4) gekommen.
    Bei Kieft&Kieft (Kino 1 und 2) war hingegen gähnende Leere.

  • Hansa sagt:

    Echt Schade dass das Kino schließen muss.
    Ich fand es immer angenehm in einem nicht so überfüllten Kino Filme zu schauen.

  • HaL sagt:

    @trappwolf: K&K ist schon lange nicht mehr der Betreiber.

  • Nutak sagt:

    Ich habe heute erst mitbekommen, dass das Hansa-Kino nicht mehr geöffnet ist. Das hat mich sehr traurig gemacht. Gleich als ich zu hause war, habe ich recherchiert, woran das nur liegen mag. Dass es wirtschaftliche Gründe sein würden, habe ich mir schon gedacht, oder besser gesagt, befürchtet.

    Sehr schade das ganze, da ich mit diesem Kino auch viele Kindheitserinnerungen verbinde, weil ich schon in den 1980er Jahren sehr oft dort war.

    Es ist wirklich traurig mitanzusehen, wie Wirtschaftlichkeit vor Nostalgie und Charme geht. Wenn es schon 2 Kinos mit neuester Technik gibt, dann hätte man in diesem Kino wirklich nur besondere Filme zeigen können, so wie es schon durch das LiWu passiert ist. Die anderen beiden Kinos hätten dieses Kino doch ohne Probleme subventionieren können. Wenn man nur will, dann schafft man das auch…

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