2. Landesfachtagung „Kultur von Anfang an“

Kulturelle Kinder- und Jugendbildung des Landes Mecklenburg-Vorpommern

15. November 2010, von
Beim Tag der Offenen Tür im Volkstheater konnten Kinder die Instrumente Norddeutschen Philharmonie Rostock ausprobieren
Beim Tag der Offenen Tür im Volkstheater konnten Kinder die Instrumente Norddeutschen Philharmonie Rostock ausprobieren

Nicht aus jedem kleinen Geiger wird einmal ein Mozart. Dennoch lohnt es sich, bei jedem Kind musisch-ästhetische Interessen zu fördern. Denn Tanzen, Musizieren, Lesen, Malen oder Filmen machen nicht nur Spaß, sondern haben auch noch einen anderen positiven Nebeneffekt: Die Beschäftigung mit den verschiedenen Kunstformen trägt auf vielfältige Weise zur Persönlichkeitsentwicklung bei.

Da das Kindes- und Jugendalter besonders prägend ist, sollte kulturelle Bildung in dieser Lebensphase deshalb einen hohen Stellenwert genießen.

Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff(NRW), Dr. Valentin Gramlich (Sachsen-Anhalt), Volker Heller (Berlin), Liane Melzer (Rostock) und Klaus-Michael Körner(M-V)
Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff(NRW), Dr. Valentin Gramlich (Sachsen-Anhalt), Volker Heller (Berlin), Liane Melzer (Rostock) und Klaus-Michael Körner(M-V)
Dafür setzen sich zumindest zahlreiche Pädagogen und Künstler im Land ein. Doch „oft macht jeder nur seins“, bemängelte Dr. Klaus-Michael Körner.

Angesichts finanziell schwieriger Zeiten und bevorstehender Wahlen sei es daher wichtig, die Akteure von Bildung und Kultur zusammenzubringen, um klare, abgestimmte Vorstellungen zu haben, so der Sprecher des landesweiten Netzwerkes Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (KKJB). Um dafür einen Dialog anzustoßen, hatte das Netzwerk KKJB unter dem Dach der POPkw am Samstag zur 2.Landesfachtagung „Kultur von Anfang an“ eingeladen.

„Es geht uns darum, dass wir Kindern helfen, zu selbstständigen Persönlichkeiten heranzureifen“, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering. Das sei nicht nur eine Frage der liebevollen Zuwendung für jedes Kind, sondern auch der Chancengleichheit und sozialen Gerechtigkeit und „es ist in Zeiten ökonomisierten Denkens eine Frage der ökonomischen Notwenigkeit. Wir brauchen kreative, tüchtige Menschen“, unterstrich Erwin Sellering auch die gesellschaftliche Dimension musisch-ästhetischer Erziehung.

malende Kinder im Volkstheater Rostock
malende Kinder im Volkstheater Rostock

Doch nicht jedes Kind hat die gleichen Chancen an kultureller Bildung teilzuhaben. Oft entscheidet der Geldbeutel der Eltern darüber, ob sich ein Kind die Gebühren für den Musikschulunterricht, die Malfarben oder die Fahrt zur Bibliothek leisten kann.

Für Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff gehört kulturelle Bildung jedoch zur Allgemeinbildung und ist damit Pflichtaufgabe des Staates. „Jedes Kind in unserem Land soll mit jeder Kunstform in Berührung kommen“, so sein ehrgeiziges Ziel.

In seiner Amtszeit hatte er als Staatssekretär für Kultur in Nordrhein-Westfalen erfolgreich das Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ (JeKi) auf den Weg gebracht. Auch in Rostock hat JeKi schon Schule gemacht. Durch großzügige Spenden können im Osten der Stadt inzwischen 120 Grundschulkinder auf einem Instrument musizieren, informierte die Rostocker Kultur- und Jugendsenatorin Dr. Liane Melzer bei einer Podiumsdiskussion der Tagung.

Auch die Landessozialministerin Manuela Schwesig war zu der Tagung gekommen, um für ihre Vorschläge zur Sicherstellung der Chancengleichheit bei der kulturellen Bildung zu werben. Als Alternative zur Ankündigung der Bundesministerin Ursula von der Leyen, eine Bildungschipkarte bzw. Gutscheine einzuführen, die Kindern aus Hartz IV Familien zugutekommen sollen, setzt sie sich für einen Bildungsfonds ein. Nach Lübecker Vorbild soll damit die finanzielle Förderung über eine pädagogische Einrichtung zum Kind gelangen.

Christiane Krüger, Christiane Hermes, Manuela Schwesig, Simone Briese, Kirsten Balzer
Christiane Krüger, Christiane Hermes, Manuela Schwesig, Simone Briese, Kirsten Balzer

In einem Forum zur kulturellen Bildung für Kinder in Kita und Grundschulen erntete sie dafür viel Zustimmung. Denn in diesem Modell sahen viele Vertreter von Kinder- und Bildungseinrichtungen einen Lösungsansatz, um auch Kooperationen beider Seiten besser zu organisieren und eine qualitativ hochwertige kulturelle Bildungsarbeit in den Alltag der Kinder einzubetten.

Puppentheater von Sabine Zinnecker mit einer Kindergartengruppe im Sommertheater der BÜHNE 602 im Klostergarten
Puppentheater von Sabine Zinnecker mit einer Kindergartengruppe im Sommertheater der BÜHNE 602 im Klostergarten

Dem Zusammenschluss der pädagogischen und künstlerischen Kompetenzen zu einem Tandem, wie es zum Beispiel Simone Briese vom Landesverband der Jugendkunstschulen M-V, befürwortet, stehen oft neben Fragen der Finanzierung auch organisatorische Probleme im Wege.

So hat der Ausbau von Ganztagsbetreuungsangeboten in der Vergangenheit dazu geführt, dass zusätzliche Angebote zur künstlerischen Freizeitgestaltung immer weiter in den Nachmittag und Abend verlegt wurden und Familien zusätzlich belastet haben. Eine enge Zusammenarbeit der Kitas und Schulen mit Künstlern und Kultureinrichtungen könnte auch hier für eine bessere räumliche und zeitliche Vereinbarkeit sorgen.

„Wir nutzen das Engagement der Künstler und Pädagogen zu wenig. Viele machen das aus Berufung“, machte Simone Briese das noch nicht optimal genutzte Potenzial für die kulturelle Kinder- und Jugendbildung deutlich.

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