Veranstaltungen erinnern an Ausschreitungen in Lichtenhagen

Mit Podiumsdiskussionen, Filmen, Dokumentationen, Konzerten und einer Radtour erinnern verschiedene Vereine und die Rostocker Bürgerschaft an die Ausschreitungen vor 20 Jahren.

22. August 2012, von

Lichtenhagen Sonnenblumenhaus

Die Bewohner Rostocks waren entsetzt: Die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Lichtenhagen vor 20 Jahren haben nicht nur in den Köpfen der Hansestadtbewohner ein schauerliches Bild hinterlassen. Der Ruf wurde bis in die Bundesrepublik und in andere Länder getragen.

„Mit der Initiative ,Rostock bewegt‘ und ,Lichtenhagen bewegt sich – gemeinsam füreinander‘ werden seit einem Jahr Filme, internationale Kinderfeste und Veranstaltungen organisiert“, so der Ortsbeiratsvorsitzende von Lichtenhagen, Ralf Mucha. Er arbeitet oft mit Rainer Fabian vom Kolping-Begegnungszentrum zusammen, der auch zu bedenken gibt: „Nicht nur für die Angegriffenen, auch für die Bevölkerung von Lichtenhagen ist noch nicht ausreichend Aufarbeitung geleistet worden. Sie waren Zeugen der Ausschreitung und geraten noch heute oft in eine Rechtfertigungssituation, der sie sich selten stellen wollen oder können.“

Von links: Stephanie Nelles (Integrationsbeauftragte), Karina Jens (Bürgerschaftspräsidentin), Liane Melzer („. Stellvertreterin des Oberbürgermeisters), Kerstin Kanaa (Pressebüro der Hansestadt)Die Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens ist sich des Problems des Vergessens bewusst: „Wir Menschen neigen zum Verdrängen, vielleicht auch zum Vergessen. Doch das hier können wir nicht vergessen.“ Mit ihr würden alle demokratischen Fraktionen der Bürgerschaft ein neues tolerantes Bewusstsein unterstützen. Aus einer gemeinsam unterzeichneten Erklärung ergeht: „Auch unmittelbar nach den Ereignissen erfuhren die betroffenen Migrantinnen und Migranten und Asylsuchenden nicht die notwendige Solidarität aus der Gesellschaft. Dafür entschuldigen wir uns und versichern: Wir haben gelernt!“

Zirkuszelt FantasiaDas Erlernte findet an diesem Wochenende seinen Höhepunkt, „doch gab es, über das letzte Jahr verteilt, schon 66 verschiedenste Veranstaltungen, die sich mit Toleranz beschäftigen und aufklären“, so Torsten Sohn, Geschäftsführer des Vereins „bunt statt braun e.V.“ Der Verein hat viele Veranstaltungen am kommenden Wochenende und die themenbezogenen Filme mit Podiumsdiskussion im Li.Wu. organisiert.

Freitag, 24. August

  • Konzerte von „17 Hippies“, „Movimento“, „Antispielismus“ und „Die Reise“ auf der Haedge-Halbinsel ab 18 Uhr

Samstag, 25. August

  • Theaterworkshop im Zirkuszelt Fantasia neben dem Sonnenblumenhaus ab 11 Uhr
  • Ausstellungen, Konzerte, Diskussionen in der Hochschule für Musik und Theater ab 16 Uhr

Sonntag, 26. August

  • Fahrradsternfahrt (Treffpunkte sind Neuer Markt, Doberaner Platz, DKB-Arena, Reutershagen Markt, der Kirchplatz in Warnemünde und alle SBZs Rostocks bis zum Ziel in der Flensburger Straße) um 9 Uhr
  • Pflanzung des Gedenkbaumes am Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen um 12 Uhr
  •  Ansprache des Bundespräsidenten und neuen Ehrenbürgers Joachim Gauck, interreligiöser Dialog am Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen um 13 Uhr
  • Kinderchöre singen Lieder mit Gerhard Schöne auf der Wiese am Sonnenblumenhaus am Nachmittag bis 16 Uhr

Tipps für die Anwohner von der Stadtverwaltung:

Schlagwörter: bunt statt braun e. V. (8)Circus Fantasia (7)Geschichte (86)Joachim Gauck (12)Lichtenhagen (155)Politik (118)

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