„Macht es auf!“ - Flashmob für das Große Haus

Singend und tanzend versuchten die Mitarbeiter des Volkstheaters die Schließung des Großen Hauses rückgängig zu machen

19. März 2011, von

Unter dem Motto: „Macht es auf!“ flashmobbten heute Nachmittag rund 100 Rostocker durch die Innenstadt. Dabei ging es um das Große Haus, das am 22. Februar seine Türen aufgrund von Brandschutzmängeln schließen musste. Damit fällt bis auf Weiteres eine der wichtigsten Spielstätten des Volkstheaters weg.

Die Suche nach alternativen Spielstätten hat zwar einige Früchte getragen, aber das Gelbe vom Ei war bisher nicht dabei. „Wir probieren natürlich eine Menge aus, aber darunter leidet der Spielbetrieb und auch die Darbietung“, erklärt Janny Fuchs, Dramaturgin am Volkstheater. „Unser Bühnenbild passt nicht überall rein und deswegen können wir momentan nur im Großen Haus das bestmögliche Ergebnis bringen.“

Michael Ruchter und Janny FuchsDeswegen lautet die Forderung des Flashmobs: „Macht es auf! Macht es auf! Macht es wieder, wieder auf! Macht es auf, das Große Haus!“ Dahinter steckte das „Kampflied“, das Janny Fuchs zusammen mit Michael Ruchter, Schauspieler am Volkstheater, geschrieben und komponiert hatte.

Den Flashmob hatten die Beiden zwar nicht organisiert, sich aber gerne daran beteiligt. So standen sie als rumänische Straßensänger „Rawman“ und „Beautiful Sweatlana“ am Neuen Markt und fingen wie verabredet um 16 Uhr an ihr Lied zu singen.

Als sie beim Refrain ankamen, stimmte eine breite Masse an Menschen mit ein, die sich im Vorfeld auf dem Platz versammelt hatten. Diese sangen aber nicht nur, sondern tanzten auch die vom Tanzensemble des Volkstheaters beigesteuerte Choreografie, die zuvor im Internet veröffentlich worden war.

So hielten sie sich abwechselnd Mund, Augen und Ohren zu, bildeten mit ihren Armen Dächer und drehten sich im Kreis. Zum Schluss des Liedes bildeten sie eine Polonaise und liefen wild durch die Gegend.

Flashmob auf der Kröpeliner StraßeAnschließend fanden sich alle wieder im Pulk zusammen und wanderten singend, angeführt von Janny Fuchs und Michael Ruchter, die Kröpeliner Straße entlang. Dort erregten sie gleich noch mehr Aufmerksamkeit als zuvor. Passanten blieben staunend am Rand stehen und wunderten sich über die ungewöhnliche Beschallung in der Fußgängerzone.

Am Universitätsplatz angekommen ging das Tanzen für die Wiedereröffnung des Großen Hauses erneut los. Denn: „Wenn es geschlossen bleibt, liegt ganz Rostock brach“, sangen sie. „Das Theater erzählt auf einzigartige Weise Geschichten“, sagte auch Christof Lange, der zurzeit am Volkstheater beschäftigt ist und nebenbei die Freie Theater Jugend leitet. „Wenn eine Stadt wie Rostock so etwas verliert und es auch noch selbst auf dem Gewissen hat, dann ist das nicht gut für die Stadt.“

Christof LangeNatürlich kann man die Brandschutzmängel nicht einfach ignorieren, es müsste sich einiges am Gebäude tun, bevor man es wieder bespielen könnte. Aber es handele sich ja „nur“ um Brandschutzmaßnahmen, die nachgeholt werden könnten, so Janny Fuchs. Natürlich bräuchte es auf lange Sicht ein neues Theater, aber für den Zeitraum des Baus bräuchte man einfach weiterhin das Große Haus. „Schließlich sprechen wir von mindestens vier Jahren“, so Fuchs.

Die Forderung steht nun ganz klar und unmissverständlich im Raum. Und dort wurde sie nicht nur von den Theatermitarbeitern hingestellt. Sondern zum Beispiel auch von Studenten der HMT und Mitgliedern der Freien Theater Jugend, die sich dem Flashmob angeschlossen hatten. Bleibt abzuwarten, inwieweit die Verantwortlichen darauf eingehen werden.

Hier gibt es noch ein paar Videoimpressionen vom heutigen Tag:

Schlagwörter: Flashmob (4)Großes Haus (18)Janny Fuchs (2)Michael Ruchter (2)Volkstheater (246)

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1 Kommentar

  • katrin beese-mai sagt:

    was leider im artikel keine erwähnung findet ist die tatsache, dass der flashmob von bürgern der hansestadt organisiert wurde und diese auch zahlreich daran teilnahmen, um damit die wichtigkeit des theaters für rostock und seine bewohner und besucher zum ausdruck zu bringen. alternative spielorte können nur die ausnahme sein. theater braucht heimat!

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