Medienkompetenzpreis MV 2010

FiSH X – Medienkompetenz als Auftakt des Film-Festivals

17. April 2010, von

Medienkompetenzpreis MVAnd the Oscar goes to … – nein, nicht der Oscar war es, der gestern im Theater im Stadthafen verliehen wurde. Der Meko, auch Medienkompetenzpreis genannt, wurde hier zum Auftakt des FiSH X vergeben, bereits zum fünften Mal übrigens.

Da erzähle mir noch einer was von Fangquoten und Fischsterben! Gleich zwei kunterbunte Fische warteten auf ihre jungen Preisträger.

Sowohl die Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern (MMV) als auch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern (Kategorie „Schule“) stiften jeweils einen Preis. Zusätzlich waren Preisgelder im Umfang von 1.500 Euro ausgeschrieben.

Insgesamt 33 Einsendungen gab es in diesem Jahr für den Medienkompetenzpreis. Sechs Projekte wurden ausgewählt und gestern im Stadthafen Rostock vorgestellt. Verlierer konnte es da kaum noch geben, ist es doch schon ein tolles Ergebnis in die Endrunde zu gelangen.

Wie schon im Vorjahr übernahmen Manja Graaf und Jörg Krempien die Moderation der Veranstaltung und stellten Projekte sowie Teilnehmer in Kurzinterviews vor.

„Aufregung im Adlernest“ - Grundschule Matzlow„Aufregung im Adlernest“ gab es bei den Schülern und Schülerinnen der Grundschule Matzlow. In dem von ihnen gedrehten Trickfilm erzählen sie aus dem Leben des Seeadlers Siggi.

Etwas martialisch klang es ja schon, als sich Seeadler Siggi und „die blöde Ente“ Waltraud wegen eines gefangenen Fisches in die Haare bekamen. Die Geräusche wurden aber auch alle selbst gemacht, ein am Schrank geriebener Luftballon wusste hier zu überzeugen.

Grundschule Matzlow, 2. Platz beim Medienkompetenzpreis MV 2010Mit ausgeschnitten Figuren und viel Knete haben sie die Szenen erstellt und dann Bild für Bild fotografiert. „Wir haben eine Woche gebraucht für einen fünf Minuten langen Film“, erklärt Johanna.

„Kinder lieben Trickfilme und ich übrigens auch“, ließ uns Juror Prof. Rosenstock von der Uni Greifswald wissen. „Ein wunderbarer Trickfilm von Kindern einer vierten Klasse, dessen Charme sich die Jury nicht entziehen konnte, weil er von Anfang bis Ende spannend ist.“

Platz zwei gab es dafür in der Kategorie „Schule“ sowie 500 Euro Preisgeld. Die Jury war von den Beiträgen so begeistert, dass sie einfach keinen dritten Platz vergeben wollte.

„Eine Reise nach Bernli“, Warnowschule Rostock„Eine Reise nach Bernli“ unternahmen Schüler der Warnowschule Rostock, einer Förderschule zur individuellen Lebensbewältigung. Wo Bernli liegt? Direkt in Rostock! Schmarl diente als Drehort für die Phantasiestadt der Schüler.

Zu dem Song „Deine Schuld“ von den Ärzten wurde ein buntes und schrilles Musikvideo gedreht. Sie haben den Ärzten sogar einen Brief geschrieben und die Erlaubnis erhalten, den Song in ihrem Film zu verwenden.

Warnowschule Rostock - 2. Platz beim Medienkompetenzpreis MV 2010„Ich heiße David Hasselhoff und bin Alkoholiker“ beendete Moderatorin Manja die Vorstellungsrunde. Nicht ganz ohne Grund, gab es doch die eine oder andere Anspielung auf die Serie „Knight Rider“ im Video. „Ja, ich bin Fan von der Serie“, bestätigte Sascha (18).

Wie die meisten anderen würde auch er längst zur „Foundation für Recht und Verfassung“ gehören. Keine Ahnung, wovon hier die Rede ist? Serie schauen! Na ja vielleicht lieber doch nicht.

Zusammen mit der Grundschule Matzlow durfte sich die Warnowschule Rostock für ihr Musikvideo über den zweiten Platz in der Kategorie „Schule“ freuen.

Die Deutsche Revolution 1989Von David Hasselhoff zur Wende überleiten zu dürfen, ist natürlich eine Steilvorlage. Gerüchtweise soll er ja immer noch fest davon überzeugt sein, dass sein „Looking for freedom“ die Mauer zum Einsturz brachte.

„Die Deutsche Revolution 1989 – Was war? Was ist? Was bleibt? Eine Spurensuche“ brachte Schülern die Zeit rund um Wende und Mauerfall näher. Nicht irgendwo, sondern hier bei uns, in Mecklenburg-Vorpommern. Nicht abstrakt, sondern in sehr persönlichen Interviews mit Zeitzeugen.

90 Schüler von sieben Schulen aus Rostock, Güstrow, Bützow und Ribnitz-Damgarten waren an diesem Projekt beteiligt. Kein Wunder, dass die Bühne fast gesprengt wurde. War die Klasse 9b des Christophorus-Gymnasiums Rostock doch gleich in voller Besetzung angereist.

Anna von der „Rudolf Harbig“ Schule in Ribnitz-Damgarten recherchierte in Trinwillershagen. Dort wo sich Fuchs und Hase Bush und Merkel gute Nacht sagen oder das Wildschwein schmecken ließen. Zu DDR-Zeiten gab es hier die Vorzeige-LPG „Rotes Banner“, aus deren Umfeld sie Interviewpartner fand.

Janine, Geschwister-Scholl-Gymnasium BützowEinen kleinen Fauxpas des Moderators gab es dann doch. Lieber Jörg, man fragt Damen nicht nach ihrem Alter. Punkt. Auch keine jungen Damen. Punkt.

Schon gar nicht fragt man sie, wie alt sie zu einem bestimmten Zeitpunkt waren. Nein, auch oder erst recht nicht, wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal in Planung, geschweige denn geboren waren.

Und nein, es hilft auch nichts, wenn man Ihnen die Möglichkeit anbietet, ihr Alter negativ anzugeben. Welchen Bildungsauftrag Dir Minister Tesch für diesen Nachmittag auch immer mit auf den Weg gegeben hat, Du kannst doch keine Mathestunde aus der Preisverleihung machen und die arme Janine aus Bützow derart verwirren …

Mit den (minus) sechs Jahren dürfte sie übrigens gar nicht so verkehrt gelegen haben, was ihr Alter zur Wendezeit betrifft.

Medienkompetenzpreis 2010 für 7 Rostocker SchulenOb solch ein praktisches Projekt den Geschichtsunterricht aufwerten würde, wollte der Moderator noch wissen. „Auf jeden Fall“, so Hannes vom Ostseegymnasium Rostock, „es macht einfach viel mehr Spaß, wenn man nicht immer nur ‚doofe‘ Bücher lesen muss."

Ach ja, meine ehemalige Schule, die damals noch den Namen des ‚Kundschafters‘ Dr. Richard Sorge trug …

Der „Abriß – Geschichte der SED“ war das einzige Buch, das wir hier kurz vor der Wende im Geschichtsunterricht lesen durften. Hannes, dagegen dürften alle Deine Schulbücher wie die spannendsten Romane wirken.

Medienkompetenzpreis 2010 - Sieger in der Kategorie SchuleAnfang der Achtziger führten etwa 40 Schüler der damaligen Schule völlig selbstständig eine Rockoper auf. Mit diesem Thema beschäftigten sich die Schüler des Ostseegymnasiums in ihrer Projektarbeit.

„Es stimme nicht, dass die Schulen des Landes kein Interesse an der Aufarbeitung der DDR-Zeit haben, wie es in der OZ in dieser Woche zu lesen war“, so Prof. Roland Rosenstock (Uni Greifswald). Es gäbe viele engagierte Lehrer, die sich der Vergangenheit stellen, auch ihrer eigenen. Das Projekt sei der Beweis dafür.

„Die Wahrheit über die DDR hat viele Gesichter und viele Geschichten“, so Rosenstock. Die Jury zeigte sich berührt und bewegt von den Zeitzeugen-Interviews und würdigte das Mammut-Projekt mit dem ersten Platz in der Kategorie „Schule“. Der erste Fisch des Tages hatte damit seine neuen Besitzer gefunden.

Die kleinen Warnow Reporter„Wo kommt die Warnow her? Wie lang ist die Warnow? Wie tief ist die Warnow? Wie breit ist die Warnow? Wie viel Liter hat die Warnow? Was bedeutet der Name Warnow? …“ – Kinder können einem Löcher in den Bauch fragen. Die kleinen Warnow-Reporter sind der lebende Beweis!

Bei ihrem Projekt handelt es sich ausnahmsweise nicht um einen Film. Mit Unterstützung des Lokalradios Rostock (LOHRO) entstand eine Radioreportage zum Thema Warnow – eine ganze Stunde lang und inzwischen bereits zweimal auf Sendung gegangen.

Wie sie dazu gekommen sei, erklärt Charline (10) ganz pragmatisch: „Es gab eine Projektliste, wo wir ankreuzen durften, welcher unser erster, zweiter oder dritter Wunsch ist.“ Was Charline angekreuzt hat? Radioreporter – klar, oder? Wessen erster Wunsch das noch war? Alle Finger schnellen in die Höhe. Sogar der von Betreuer Lars (27) – es steckt wohl in jedem Mann ein kleiner Reporter.

Die kleinen Warnow Reporter - Medienkompetenzpreis 2010, 3. PlatzFür die Interviews hätten sie mit Aufnahmegeräten geübt, immer in Zweiergruppen. Am Anfang des Projektes gab es zudem ein leeres Buch. „In dieses Buch haben wir am Ende des Tages hineingeschrieben, was wir an diesem Projekttag gemacht haben“, so Alex (10).

„Wir haben sogar einen Mann von der Wasserschutzpolizei interviewt“, erzählt Laura (11) stolz „und ihn nach seinem schlimmsten Erlebnis gefragt. Da ist mal ein Pkw in die Warnow gefallen und da war noch ein Mann drin …“ Schnitt!

Es muss nicht immer Film sein! Das hat dieses Projekt gezeigt. Radio sei für ihn immer noch seine zweite große Liebe, so Juror Stefan Horn. „An einem großen Interview kann man auch als Profi ganz kläglich scheitern“, betonte er. Mit guter Vorbereitung könne man aber ein interessantes und charmantes Gespräch führen. Dies sei den Schülern gelungen. Ein kurzweiliges und interessantes Stück Hörfunk ist entstanden. Dafür wurden die jungen Radioreporter mit dem 3. Platz der Landesmedienanstalt belohnt.

Adolph-Diesterweg-Schule Stralsund: „Lebensläufe“„Wenn wir mal nicht im Gefängnis waren, dann waren wir in der Schule“, beschreibt Elisa den hohen Zeitaufwand ihrer Arbeit. „Von einem Gefängnis ins andere“, bemerkte Moderatorin Manja mit einem kleinen Schmunzeln. „Wann hattet Ihr Freigang?“

Mit Unterstützung der Medienwerkstatt Identity Films haben die Schüler der Adolph-Diesterweg-Schule aus Stralsund ein ganz besonderes Projekt auf die Beine gestellt. Für den Beitrag „Lebensläufe“ besuchten sie Strafgefangene im Gefängnis.

Platz 2 für „Lebensläufe“ der Adolph-Diesterweg-Schule StralsundWie sie auf die Fragen gekommen seien, die sie den Insassen gestellt haben, wollte die Moderatorin wissen. „Wir haben ein spezielles Training gehabt“, erklärt Vanessa, „haben da aber echt lange dran gesessen, bis wir das alles ausgearbeitet hatten.“

Stefan bestätigt: „Es gab sehr viele Fragen, deren Antworten ich wissen wollte. Unsere wichtigste Frage war: Wie sind die dazu gekommen? Warum sitzen die da? Was haben sie falsch gemacht und könnte uns das auch passieren?“

Fragen und das Herauskitzeln der Antworten sei das eine, der Schnitt aber immer das Schwierigste an so einem Projekt, erklärt Stefan Koeck von der Medienwerkstatt. „Über 80 Stunden Material (kein Wunder, dass die armen Schüler nur noch im Gefängnis saßen!) mussten auf 26 Minuten herunter geschnitten werden.“

Macht so ein Filmprojekt eigentlich Lust auf mehr? „Ich würde es mein ganzes Leben lang machen“, ist sich David sicher.

„Lebensläufe“ - 2. Platz beim Medienkompetenzpreis MVBeeindruckt zeigte sich auch die Jury. Botschaften aus knackigen Antworten seien natürlich die einfacheren, so Stefan Horn. Für einen gescheiterten Lebenslauf gibt es aber eben keine allgemeingültige Erklärung.

„Deswegen fehlt hier die Botschaft in dem Film. Die Botschaft setzt sich langsam in jedem Betrachter selbst zusammen. Das ist die bemerkenswerte Leistung des Films ‚Lebensläufe‘“ – ein verdienter zweiter Platz für die Stralsunder Schüler!

Film ab - Leben auf dem Lande, leben in der StadtUnd der Medienkompetenzpreis MV 2010 geht an … – den Verein „Friedrichshof 13“.

„Film ab – Leben auf dem Lande, Leben in der Stadt“ lautet der Titel ihres Beitrags. Ein Filmprojekt von Menschen mit Behinderungen über Menschen mit Behinderungen. Ein Film über den ganz normalen Alltag, den sie erleben. Liebe, Lust und Leid, wie bei jedem anderen auch.

Maria aus Dahlen war für Kamera und Regie zuständigDie unterschiedliche Situation in der Stadt und auf dem Land sollte dabei besonders beleuchtet werden. So gab es eine Gruppe, die in Friedland drehte und eine Gruppe aus Rostock.

„Ein Mensch mit einer Behinderung, warum soll er nicht im Fernsehen zu sehen sein, warum soll er keine Rolle spielen? Na klar!“, bringt Ronny (28, Video) es im Film zum Ausdruck. „Wir haben’s genauso drauf!“

Ronny mit dem Medienkompetenzpreis 2010 Maria (22) aus Dahlen stand nicht nur Moderator Jörg Rede und Antwort. Nebenbei erzählt sie mir auch dies und jenes. Dass sie in den Diakoniewerkstätten Neubrandenburg für Webasto arbeitet und bei dem Film für Kamera und Regie zuständig war, was natürlich etwas mehr Spaß machte.

Noch ein wenig mehr als alle anderen Beiträge habe die Jury dieser Film überzeugt, so Stefan Horn.

„Nicht ganz üblich beim Medienkompetenzpreis ist es, dass die Macher und Akteure sich selbst und ihre Lage zum zentralen Thema der Produktion gemacht haben und dass das auch noch so überzeugend gelingt.“

Aus diesem Grund gehe der erste Platz, der Medienkompetenzpreis 2010, an „Film ab – Leben auf dem Lande, Leben in der Stadt“.

Medienkompetenzpreis MV, Publikumspreis für „Lebensläufe“So gut und fachkundig eine Jury auch sein mag, ist und bleibt der Publikumspreis für Filmemacher doch immer etwas ganz Besonderes.

Das war heute kaum anders, zumal der Publikumspreis auch noch der größte war. Zumindest aufgespannt – gab es doch einen kunterbunten Schirm von Rok-TV.

Weit auseinander lagen die Urteile von Jury und Publikum nicht. Auf dem 3. Platz landete mit 52 Stimmen der Sieger des Schulwettbewerbs „Was war? Was ist? Was bleibt?“.

Acht Stimmen mehr und damit Platz 2 gab es für den Gewinner des Kompetenzpreises mit „Film ab – Leben auf dem Lande, Leben in der Stadt“. Denkbar knapp, mit nur einer Stimme Vorsprung, aber dennoch ganz vorn in der Gunst des Publikums lag die Adolph-Diesterweg-Schule mit ihrem Projekt „Lebensläufe“.

Publikumspreis geht an die Adolph-Diesterweg-Schule in StralsundDa haben die fünf sympathischen Mädels und Jungs aus Stralsund heute doppelt abgestaubt! Bestimmt ein guter Trost für die viele Zeit, die sie hintern Gittern verbringen mussten.

Ach ja, zusätzlich zu Ruhm, Ehre und dem Schirm gab es für die Preisträger auch noch eine Geschenkkarte vom Media Markt über 100 Euro. Glückwunsch, trotz Schirm ein hoffentlich sonniges Wochenende und viel Spaß beim Shoppen!

Irgendwie ist der Artikel heute ein wenig länger geworden als üblich und hat auch viel mehr Bilder bekommen. Besserung wird jedoch gelobt! Morgen gibt es einen Bericht über den derzeit malerischen Sonnenaufgang in Warnemünde, Montag dann einen Artikel zur Miss-Wahl. Bei beiden lasse ich als Ausgleich die Bilder weg – Phantasie ist dann gefragt! Tolle Aussichten, oder?

Schlagwörter: Filmfest (28)FiSH (20)Medienkompetenzpreis (5)Stadthafen (230)

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