Nette Toilette bald in Rostock?

Kostenlose WC-Nutzung in Gaststätten und Geschäften – Stadt will für zusätzlichen Aufwand finanziell entschädigen und damit bei öffentlichen Toiletten sparen

22. Februar 2019, von
Nette Toiletten sind kostenlos auch für jene, die in einem Restaurant nicht zum Essen und Trinken einkehren wollen.
Nette Toiletten sind kostenlos auch für jene, die in einem Restaurant nicht zum Essen und Trinken einkehren wollen.

Die Blase drückt und keine öffentliche Toilette weit und breit? Schilder wie „nur für Gäste“ oder ein geforderter Geldbetrag schrecken in Restaurants von der WC-Nutzung ab. Das soll sich in Rostock ändern. Die Stadt soll prüfen, ob sie „Nette Toiletten“ einführen kann.

Das Prinzip: In Restaurants, Hotels und Geschäften können auch Nichtkunden die Toiletten während der Öffnungszeiten kostenlos nutzen. Der Mehraufwand, der durch zusätzlichen Wasserverbrauch, Reinigungs- und Instandhaltungsbedarf entsteht, wird von der Stadt finanziell ausgeglichen. Zusätzlich fallen Gebühren für die Nutzungsrechte des Labels „Nette Toilette“ an. Die Stadt wiederum möchte damit bei der Neuanschaffung und Bewirtschaftung öffentlicher Toiletten sparen. In über 250 Kommunen gibt es bereits „Nette Toiletten“. Zu erkennen sind sie an einem einheitlichen Aufkleber im Eingangsbereich von teilnehmenden Einrichtungen. Auch mithilfe einer App sind sie auffindbar.

„Im gesamten Stadtgebiet, insbesondere in der Innenstadt, in Warnemünde und Markgrafenheide haben wir noch lange nicht die gewünschte Anzahl an öffentlichen Toilettenanlagen erreicht“, heißt es in der Begründung des Antrags der CDU-Fraktion.  Gerade im Hinblick auf ein einwohner- und tourismusfreundliches Klima werde dieses „Win-win-Projekt“ befürwortet.

Eine gute Idee findet auch Klaus Schwertfeger. Er betreibt ein Lokal am Alten Strom in Warnemünde. „Wir schicken keinen weg. Im Sommer können wir als Gastronomen es sowie kaum kontrollieren, ob jemand Gast ist oder nicht. Und wenn jemand fragt, kann er auf Toilette gehen.“

Der Ortsbeirat Warnemünde, der bereits vor ein paar Jahren das Projekt anzuschieben versuchte, beruhigt. Die Teilnahme sei freiwillig und damit nicht verpflichtend. Wenn jemand negative Erfahrungen machen sollte, könne er auch wieder zurückrudern. „Unbestritten ist, dass wir hier in Warnemünde ein massives Toilettenproblem haben“, betont der Ortsbeiratsvorsitzende Alexander Prechtel. Ein Teil des Budgets, das seit diesem Jahr dem Ortsbeirat zur Verfügung gestellt wird, soll deshalb auch in die Übernahme der Kosten für drei öffentliche Toiletten fließen. Für das Projekt „Nette Toilette“ hofft Prechtel, dass sich möglichst viele daran beteiligen.

In einer Stellungnahme weist die Stadtverwaltung hingegen daraufhin, dass bereits bei einer Prüfung 2011 das Konzept als nicht erfolgsversprechend eingeschätzt wurde. Damals fehlte das Geld und die gastronomischen Einrichtungen wollten nicht unentgeltlich mitmachen. Außerdem habe sich die Stadt mittlerweile in einer entsprechenden Bedarfskonzeption darauf festgelegt, bis 2022 kommunale Toiletten in Touristenhotspots bereitszustellen. Dass geprüft werden soll, inwiefern es vertraglich geregelt werden kann, dass Sanitäranlagen privater Betreiber auch öffentlich genutzt werden können, ist ebenfalls in diesem Konzept vorgesehen.

Der Ortsbeirat Warnemünde stimmte der Beschlussvorlage einstimmig zu, so wie auch der Ortsbeirat in Stadtmitte. Im März will die Bürgerschaft darüber beschließen, ob die Einführung der Netten Toilette geprüft werden soll. Vor- und Nachteile sollen ermittelt, finanzielle Auswirkungen durchgerechnet werden. Im Mai sollen dann die Prüfergebnisse vorliegen. Vielleicht fällt es dann in Rostock bald leichter, sich zu erleichtern.

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