OB Madsen erklärt Rostock für Corona-frei

Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen erklärt Rostock für coronafrei und sieht einen Grund zum Feiern – das wirft Fragen auf

23. April 2020, von
OB Madsen erklärt Rostock für Corona-frei
OB Madsen erklärt Rostock für Corona-frei

„Rostock ist Corona frei“, ließ Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen heute Morgen per Pressemitteilung ausrichten und das „vielleicht sogar als erste Großstadt in Deutschland“.

Heute konnte der letzte an Covid-19 erkrankte Rostocker aus der Quarantäne entlassen werden, sagt Madsen und lobt vor allem die erstklassige Arbeit des Rostocker Gesundheitsamts, das es immer geschafft habe, die Kontaktpersonen bei Infektionen zu identifizieren und so die Ansteckungsketten schnell zu durchbrechen.

Infizierte werden nach Hauptwohnsitz gezählt

Die Zählung der Infizierten wirft allerdings Fragen auf. Schließlich hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) erst am Montag, dem 20. April, die letzte Corona-Neuinfektion für die Hansestadt Rostock gemeldet. Wie kann diese Person schon nach drei Tagen nicht mehr unter Quarantäne stehen?

Bei den in den letzten 14 Tagen für Rostock gemeldeten Neuinfektionen handelt es sich tatsächlich ausschließlich um Personen, die mit ihrem Hauptwohnsitz in Rostock gemeldet sind, aber nicht hier leben, erläutert Stadtsprecher Ulrich Kunze. In die Statistik fließen die Zahlen für die Kreise und kreisfreien Städten entsprechend dem jeweiligen Hauptwohnsitz ein. Umgekehrt würde beispielsweise auch ein infizierter Student mit Hauptwohnsitz Berlin, der in Rostock lebt und an der hiesigen Uni studiert, nicht in der Statistik der Hansestadt auftauchen, bestätigt Kunze.

Grund zum Feiern?

„Heute ist also ein echter Grund zum Feiern!“, erklärt Madsen, mahnt jedoch gleichzeitig, „dass wir auch weiterhin unheimlich diszipliniert bleiben müssen“.

Die Art der Kommunikation sorgte im Internet schnell für erste Kritik. Schließlich betrifft dies nur die bestätigten Infektionen. Dass es in Rostock tatsächlich keine Corona-Infizierte mehr gibt, ist keineswegs sicher. Zudem macht das Virus nicht an der Stadtgrenze halt.

Keinesfalls soll der Slogan „Rostock ist Corona frei“ die Einwohner zu einem sorglosen Umgang mit der Corona-Gefahr verleiten, stellt Stadtsprecher Kunze klar. Die Meldung soll vielmehr ein „Sonnenstrahl“ in der aktuellen Krise sein.

Rostock appelliert bei Maskenpflicht an Eigenverantwortung

Nachdem das Land Mecklenburg-Vorpommern gestern die Maskenpflicht vom ÖPNV auf den Einzelhandel ausgedehnt hat, appelliert die Hansestadt an die Eigenverantwortung der Rostocker.

Zwar habe die Stadt tatsächlich schon Masken aus dem vom Land versprochenen Kontingent bekommen, diese würden bislang jedoch bei weitem nicht für die von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig genannte Hälfte der Einwohner reichen, eher für jeden siebenten, so Kunze.

Eine Verteilaktion sei bislang nicht geplant, zumal dafür die Kapazitäten fehlen und man auch nicht zehntausende Rostocker zur Maskenausgabe an wenige zentrale Orte locken möchte.

Aktualisierung, 23.04.2020 12:30 Uhr:
Wie das Innenministerium MV mitgeteilt hat, ist gerade ein Flugzeug aus Hanoi mit 1,5 Millionen Mund-Nasen-Abdeckungen am Flughafen Rostock-Laage gelandet.

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2 Kommentare

  • dericco sagt:

    So ein Blödsinn, so eine Aussage kann erst dann getätigt werden wenn jeder Rostocker gecheckt wurde. Wer Eis schon wie viele damit noch rumlaufen

  • Hurraribo sagt:

    Jetzt 2 Tage lang Rundgänge gemacht, weder Masken noch Halstücher gefunden.
    Gegen eine Maskenpflicht habe ich nichts, im Gegenteil, aber eine Maskenpflicht ohne Ressource Maske ist völliger Schwachsinn.
    Muss dann wohl der dicke Schal werden, den ich den Winter nicht gebraucht habe, auch wenn ich schon sehen kann, dass man mit etwas anderem im Gesicht als einer Maske brav rausgeleitet werden wird.

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