Polizeikriminalstatistik 2016: Mehr Straftaten in Rostock

Mehr Körperverletzungen, Diebstähle und Schwarzfahrer 2016 in Rostock

5. Mai 2017, von
Sebastian Schütt, Michael Ebert und Rogan Liebmann stellen die polizeiliche Kriminalstatistik 2016 für Rostock vor
Sebastian Schütt, Michael Ebert und Rogan Liebmann stellen die polizeiliche Kriminalstatistik 2016 für Rostock vor

„Das Risiko, in Rostock auf offener Straße Opfer einer Straftat zu werden, ist erfreulicherweise gesunken“, verkündet Sebastian Schütt, Leiter des Kriminalkommissariats Rostock.

Soweit zu den guten Nachrichten, die sich aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 für Rostock ergeben. Ansonsten sehen die Beamten der Polizeiinspektion Rostock eher sorgenvoll auf das Zahlenwerk, das sie heute der Öffentlichkeit vorstellten.

„Die Entwicklung der Straftaten macht uns nicht glücklich. Wir können aber nur das leisten, was die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen zulassen“, beurteilt ihr Leiter Michael Ebert die Ergebnisse.

10.036 von 100.000 Menschen waren demnach im letzten Jahr in Rostock von Kriminalität betroffen, 300 mehr als im Vorjahr. 2016 zählte die Polizei insgesamt 800 Fälle mehr als 2015.

Besonders betroffen macht die Beamten der deutliche Anstieg im Bereich der sogenannten Roheitsdelikte, zu denen im Wesentlichen Körperverletzungen und Raub gezählt werden. Damit folgt unsere Hansestadt leider einem landes- und bundesweiten Trend. In Rostock sind es vor allem einfache Körperverletzungen, d.h. die ohne Waffen oder andere Gegenstände und nicht gemeinschaftlich durchgeführt werden, die hier ins Gewicht fallen. „Ein stückweit Verrohung ist daraus sicherlich zu erkennen, wenngleich ich hier auch von einem veränderten Anzeigenverhalten ausgehe“, ordnet Sebastian Schütt die Zahlen ein. So werde zunehmend die Internetwache genutzt, die das Erstatten einer Anzeige erleichtere.

Zunehmend werden aber auch die Polizisten selbst angegriffen. Der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ist um 37 Prozent gewachsen.

Sinkende Fallzahlen verzeichnet die Statistik hingegen bei räuberischer Erpressung und Handtaschenraub. Bei letzterem hat die Polizei eine Aufklärungsquote von 75 Prozent erreichen können. Schütt unterstreicht: „Im gesamten Raubbereich investieren wir viel Kraft, um eine hohe Aufklärungsquote von zwei Dritteln erreichen zu können.“

Den größten Bereich der Kriminalität jedoch macht der Diebstahl aus. Während diese Delikte im Land rückläufig sind, nehmen sie in der Hansestadt leicht zu (2,6%). Vor allem bei den Wohnungseinbrüchen und beim KFZ-Diebstahl sind die Zahlen enorm gestiegen. An jedem zweiten Tag wurde in Rostock 2016 ein Auto gestohlen (164 erfasste Fälle). Die Polizei war jedoch kaum in der Lage Licht ins Dunkel zu bringen. Nur 8,5 Prozent der Fälle konnten aufgeklärt werden. „Die Geschichte der Ermittlung zeigt immer wieder, dass gerade höherwertige Autos, die große Gewinnmargen versprechen, organisiert und strukturiert geklaut und verschoben werden. Da wird es schwierig, das KfZ wiederzufinden“, berichtet der Leiter der Kriminalpolzeiinspektion Rostock Rogan Liebmann. Während Mopeds und Krafträder (63 erfasste Fälle) im letzten Jahr in der polizeilichen Kriminalstatistik kaum eine Rolle mehr spielten, sind gestohlene Fahrräder (1.170 erfasste Fälle) weiterhin ein großes Thema. Doch auch hier konnte ein deutlicher Rückgang der Diebstähle (-16,3%) verzeichnet werden.

Ein weiteres großes Thema sind Diebstähle an und aus Kraftfahrzeugen. Jeden Tag werden in Rostock drei Scheiben eingeschlagen, um Gegenstände aus einem Auto zu entwenden. Trotz spürbarem Rückgang (-8,9) liegen die erfassten Fälle mit 1032 immer noch auf einem hohen Niveau. Deutlich zugenommen (25,5%) haben im letzten Jahr auch die erfassten Taschendiebstähle (325). Ein Phänomen, dem die Polizei etwas ratlos gegenübersteht und das sie weiter beobachten will. Nur 9,8 Prozent konnten 2016 aufgeklärt werden. Mit einer größeren Serie hatte es die Polizei im letzten Jahr bei den Kellereinbrüchen zu tun. Das erklärt auch die hohe Fall-, aber auch Aufklärungszahl von 919 bzw. 21,5 Prozent.

Das bundesweit viel diskutierte Thema der Wohnungseinbrüche beschäftigte auch die Rostocker Polizei außerordentlich. Weil es enorme psychische Folgen für die Opfer nach sich ziehe, steht es auch hier unter besonderer Beobachtung, erläutert Sebastian Schütt. „Wir haben den höchsten Wert seit fünf Jahren im Bereich des Wohnungseinbruchsdiebstahls in Rostock.“ Zurückzuführen sei das nicht auf Banden, sondern zwei unabhängig voneinander agierende Serientäter, die im letzten Jahr festgenommen wurden. 70 Taten konnten ihnen zugeordnet werden. Es handelt sich dabei um zwei junge Rostocker, die relativ einfach bei den Einbrüchen vorgingen und damit ihren Lebensunterhalt bestritten haben. Rechnet man ihre Taten raus, ergibt sich ein gleichbleibendes Niveau in diesem Bereich.

Bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten, wozu im wesentlich Betrug gezählt wird, ist es vor allem die Beförderungserschleichung, im Volksmund auch Schwarzfahren genannt, deren Fallzahlen in Rostock stark zugenommen haben.

Schließlich zeigt die polizeiliche Kriminalstatistik auch, dass Straftaten gegen das Aufenthalts, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz im letzten Jahr abgenommen und Rauschgiftdelikte wie auch schon in den Vorjahren weiter zunehmen.

Über die Jahre hinweg erreichte die Polizeiinspektion Rostock bei ihrer Arbeit eine relativ konstante Aufklärungsquote von fast 60 Prozent. Die polizeiliche Kriminalstatistik wird nach vergleichbaren Kriterien seit 1953 in der Bundesrepublik Deutschland geführt. Sie listet vollendete und versuchte Straftaten auf, die der Polizei bekannt geworden sind. Ausgenommen sind politisch motivierte Kriminalität und Verkehrsdelikte.

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