Protest gegen Abholzung in den Wallanlagen

Vor der Fällung der Bäume an der Hermannstraße riefen Umweltverbände zur Demo auf

22. Februar 2014, von
Protest gegen Abholzung in den Wallanlagen
Protest gegen Abholzung in den Wallanlagen

Ob nächste Woche noch die Bäume an der Hermannstraße stehen? Rostocker Umweltverbände befürchten eher nicht und haben heute Vormittag zu einer Demonstration aufgerufen, nachdem die Rostocker Gesellschaft für Stadtentwicklung angekündigt hatte noch vor Ende Februar über sieben Bäume und Gehölze an dieser Stelle zu entfernen. Im April sollen hier am Eingang der Wallanlagen Sanierungsarbeiten beginnen. Neben der Neugestaltung der Parkanlage nach denkmalpflegerischen Zielstellungen steht auch die Verbreiterung der Hermannstraße auf dem Arbeitsplan. Dafür müssen zwischen August-Bebel-Straße und Rosengarten eine Reihe Bäume weichen.

„Damit werden wir ein weiteres Gebiet Stadtnatur verlieren“, bedauert Dr. Thomas Pitsch vom Rostocker Frühling, einer der Initiatoren des Protestaufrufes, dem am sonnigen Samstagvormittag über 100 Menschen folgten.

Anja Bätghe
Anja Bätghe

Dabei sei die Grünanlage eine wichtige grüne Lunge der Stadt, die zur Lärmminderung und Luftverbesserung beitrage, betont Anja Bäthge den Erholungswert. In einer hochtechnologisierten Gesellschaft mit viel Stress sei das für die Arbeitsleistung und damit schließlich auch für die Wirtschaft wichtig. „Um Rostock für die Wirtschaft attraktiv zu machen, muss man die Bäume stehen lassen.“

Protest gegen Abholzung
Protest gegen Abholzung

„Warum muss man in die Innenstadt von Rostock eigentlich mit dem Auto fahren?“, fragt ein weiterer Demonstrant und wünscht sich, „dass man das Geld, das man in die Rodung steckt, anders verwendet, beispielsweise für Fahrradparkplätze.“

„Ich möchte die Wallanlagen nicht so gestaltet sehen, wie der Kanonsberg jetzt aussieht“, für Bauingenieur Sören Spiller war die dortige Entfernung der Gehölze ausschlaggebend, um sich gegen eine weitere Abholzung der Wallanlagen einzusetzen. Er kritisiert die denkmalpflegerische Zielstellung, mit der die Rücknahme des Baumwuchses zugunsten von Sichtachsen von den Ämtern begründet wird: „Als man hier 1880 lang flanierte, konnte man den Blick zu den Feldern, Mühlen und Gärten schweifen lassen. Das ist jetzt aber nicht mehr so.“

Demo durch die Wallanlagen
Demo durch die Wallanlagen

Da nun schon so viele Natur- und Baumfreunde versammelt waren, lenkte der 22-jährige Rohköstler Philip, der fast täglich durch die „wunderschönen“ Wallanlagen geht,den Blick auf den globalen Zusammenhang von Abholzungen: „Jeden Tag werden riesige Waldgebiete vernichtet. Diese höchste ökologische Vielfalt des Regenwaldes wird dadurch vernichtet, dass der Mensch Fleisch isst, vor allem aus der Massentierhaltung.“

Bereits in der letzten Woche hatten BUND, NABU, Ökohaus und Rostocker Frühling in einem offenen Brief an die Stadtverwaltung an der Rechtmäßigkeit des Vorgehens gezweifelt. „Das Artenschutzrecht hat offensichtlich keine Berücksichtigung bei den Ausführungsplanungen im Bereich Hermannstraße und Eingang Wallanlage bei der Trinkenden gefunden“, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung.

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