Warnemünde: Stadt will 110 Bäume für Radweg fällen

Für den Neubau des Radwegs in der Warnemünder Parkstraße sollen 110 Bäume gefällt werden, der Großteil im Küstenschutzwald – Nadelöhre und Gefahrenstellen bleiben trotzdem

9. Oktober 2019, von
Stadtauswärts gibt es in der Parkstraße Warnemünde keinen eigenen Radweg, stadteinwärts nur einen schmalen Radfahrstreifen, allerdings nicht durchgängig
Stadtauswärts gibt es in der Parkstraße Warnemünde keinen eigenen Radweg, stadteinwärts nur einen schmalen Radfahrstreifen, allerdings nicht durchgängig

Seit Jahren sorgt der Radweg in der Warnemünder Parkstraße für Diskussionen. Jetzt möchte das Amt für Verkehrsanlagen einen Teilbereich neu gestalten. Doch die im Ortsbeirat vorgestellte Lösung stößt auf Kritik.

Ein richtiger Radweg existiert in der Parkstraße Warnemünde bislang nicht. Stadteinwärts gibt es einen schmalen Streifen auf der Fahrbahn, stadtauswärts ist der Fußweg lediglich für Radfahrer freigegeben. Besonders eng wird es zwischen Sportplatz und Ortsausgang – hier sind die Radler in beiden Richtungen auf dem schmalen nördlichen Streifen unterwegs.

Wochentags wurden in diesem Bereich ca. 200 Radfahrer pro Stunde gezählt, sonntags zeitweise sogar 1.000. Konflikte gibt es dennoch kaum, Radfahrer und Fußgänger arrangieren sich. Um das Nadelöhr trotzdem zu entschärfen und eine rechtskonforme Lösung zu schaffen, wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Varianten untersucht. Robert Fröhlich vom Amt für Verkehrsanlagen stellte gestern im Ortsbeirat Warnemünde die aktuelle Planung vor.

1. Abschnitt: Groß Kleiner Weg bis Kleiner Sommerweg

Die Fahrradstraße im Groß Kleiner Weg am westlichen Ortsausgang soll bis an die Parkstraße verlängert, die Zufahrt zur Ampel verbreitert werden. Damit die Fahrzeugführer sehen, dass Fahrräder hier Vorrang haben, soll die Einfahrt in den Groß Kleiner Weg aufgepflastert werden.

Entlang der Parkstraße ist in diesem Abschnitt weiterhin nur ein gemeinsamer Geh- und Radweg vorgesehen – 3,50 Meter breit, mit einem 0,75 Meter breiten Sicherheitsstreifen zur Fahrbahn. Für getrennte Wege hätte ein schmaler Streifen der angrenzenden Kleingartenanlage geopfert werden müssen – dies konnte nicht realisiert werden.

Entlang der Gartenanlage reicht der Platz in der Parkstraße Warnemünde auch künftig nur für einen kombinierten Rad-/Fußweg
Entlang der Gartenanlage reicht der Platz in der Parkstraße Warnemünde auch künftig nur für einen kombinierten Rad-/Fußweg

2. Abschnitt: Kleiner Sommerweg bis Zufahrt Sportplatz

Ab Höhe des Imbiss wird der Weg verbreitert und in Geh- und Radweg getrennt. Der gepflasterte Gehweg wird zwei, der asphaltierte Radweg drei Meter breit – dazwischen gibt es einen Sicherheitsstreifen von 30 Zentimetern.

Die Zufahrt zum Kleinen Sommerweg wird aufgepflastert und rechtwinklig gestaltet, damit Fußgänger und Radfahrer besser gesehen werden. Unnötig, wenden einige Anwohner ein. Für die wenigen Anlieger gibt es eine Zufahrt hinter dem Imbiss-Dreieck. Der als Rad- und Fußweg ausgewiesene Kleine Sommerweg werde nur von Falschparkern genutzt und sollte abgepollert werden.

Und ein weiteres Problem bleibt: Vom Strand zum Parkplatz wird der Radweg in der Saison von zahlreichen Fußgängern überquert. Damit es auf dem künftig gut ausgebauten Fahrradweg nicht zu Konflikten kommt, sind im Bereich der Fußgängerüberwege und der Zuwege zum Strand sogenannte „Aufmerksamkeitsfelder“ geplant. Diese „Rubbelstreifen“ sollen die Radler daran erinnern auf die Fußgänger zu achten.

3. Abschnitt: Zufahrt Sportplatz bis Strandweg

Dieser Abschnitt bleibt ein verkehrsberuhigter Bereich („Spielstraße“), wird jedoch neu gestaltet und auch die Parkplätze sollen übersichtlicher werden. Die Zufahrt wird wie beim Kleinen Sommerweg mit Randstein angepasst.

Am Strandweg (Zufahrt zum Hotel „Stoltera“) endet der neue Radweg bereits wieder. „Es ist perspektivisch angedacht, diesen Radweg weiterzuführen“, so Fröhlich, doch „das Geld reich erstmal nicht für mehr.“

Dies sorgt für Empörung im Publikum. Der Fußgängerüberweg, der hier seit kurzem samt Tempo-30-Begrenzung für einen sicheren Schulweg zum Ausweichquartier der Heinrich-Heine-Schule sorgt, soll zurückgebaut werden. Über eine Querung mit Mittelinsel müssen die Radler stadteinwärts die teils stark befahrene Parkstraße passieren und auf dem Radfahrstreifen weiterfahren. Doch der ist schmal, in schlechtem Zustand und nicht nur für Kinder gefährlich, kritisieren Anwesende.

Immerhin, so Verkehrsplaner Fröhlich, sollen Schild und Fahrbahnmarkierung den Weg auf die gegenüberliegende Straßenseite weisen. Aktuell ist für Fahrradfahrer überhaupt nicht ersichtlich, dass und wo sie sie wechseln sollen.

Entlang des Küstenwalds in Warnemünde sollen Fuß- und Radweg getrennt werden, dafür müssen Bäume gefällt werden
Entlang des Küstenwalds in Warnemünde sollen Fuß- und Radweg getrennt werden, dafür müssen Bäume gefällt werden

Baumfällungen und Ersatzpflanzungen sorgen für Empörung

110 Bäume sollen für die Neugestaltung des Radweges insgesamt gefällt werden, der Großteil davon im Küstenschutzwald. Die Waldumwandlung ist bereits abgeschlossen und auch die Baumfällung wurde schon ausgeschrieben, so Fröhlich.

Dass ein schmaler Streifen des Küstenschutzwaldes weichen soll, war bekannt. Dass der Eingriff in die Natur so groß wird, sorgt für Unmut. Ebenso wie der Ort der Ausgleichspflanzung. Die sei schon abgeschlossen, erklärt der Verkehrsplaner, 2.330 neue Bäume wurden gepflanzt – weit weg von Warnemünde, in der Rostocker Heide.

„Das geht nicht“, empört sich Mathias Ehlers vom Warnemünder Umweltausschuss, „dass Warnemünde durch solche Aktionen immer baumfreier wird“.

Schlagwörter: Fahrrad (126)Parkstraße (12)Warnemünde (933)

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5 Kommentare

  • Norbert Kts sagt:

    Die Bäume sind unsere wichtigsten Helfer gegen Klimaerwärmung. Wenn wir sie töten sterben auch wir bald und brauchen keine Radwege mehr. Lasst uns die Bäume am Sonntag Nachmittag (16Uhr) spontan besuchen – solange sie noch leben.🌳🌳🌳🌳🌳

  • Sven sagt:

    In Warnemünde gibt es ganz andere Verkehrsprobleme als solch ein konstruierter Konflikt. Als ständiger Radfahrer sehe ich weder Fußgänger noch Bäume als Konkurrenten. Gegenseitige Rücksicht hat noch niemandem geschadet. Ganz im Gegenteil. Das tatsächliche Problem ist der Flächenanspruch des – gerade im Sommer in Warnemünde – immer weiter ausuferndenden Autoverkehrs.
    Lasst die Bäume stehen! Die 2330 Bäume in der Heide können gerne auch so gepflanzt werden, dafür benötigt es nun wirklich keinen gesonderten Grund.

  • Marianne Segeb. sagt:

    Danke für den ausführlichen Artikel und die Bilder! Hier besteht ein riesiger Bedarf nach besseren Radwegen in beide Richtungen. Sowohl für Rostocker als auch für Urlauber – schließlich handelt es sich auch um einen Teil des Ostseeküstenradwegs! Dennoch dürfen dafür keine Bäume in der Größenordnung gefällt werden. Stattdessen muss die Auto-Fahrbahn so verschmalert werden, dass die Breite der Straße nicht mehr zum Rasen einlädt. Es gibt keinen Grund, warum Autos dort mit 100 Sachen langrasen müssen!

  • Gabi sagt:

    Eigentlich sollte „du sollst nicht töten“ und § 1 StVO gelten. Wenn alle die hier einhalten würden, dann bräuchte es keine Separierung der Straße in langsame, schnellere, ganz schnelle und super schnelle.
    Davon abgesehen sind nach deutschem Recht immer die Gefährder und nicht die Gefährdeten zu beschränken oder das Tun, welches andere gefährden kann, zu verbieten. Wenn man aber schon das umweltfreundliche Führen von Fahrrädern beschränken will, dann nur unter der Voraussetzung, dass die Flächen reichen. Dabei ist die Technik der Erde und nicht die Erde der Technik anzupassen.
    Davon abgesehen muss die Straße lt. RASt06, EFA, ERA, RAS95 und dem Gleichstellungsgesetz, welche dem Stand der Technik und des Wissens entsprechen und auch vor Gericht anerkannt werden, gestaltet werden. Dabei ist die Straße von außen nach innen zu planen. Erst Geh-, dann Radwege. Was übrig bleibt für den Autoverkehr. Weiterhin sind die Einsatzhöchstmengen für Radfahren auf Gehwege zu beachten. Diese sind hier eklatant überschritten und zeigt die Ignoranz des Amtes für Verkehrsanlagen gegenüber dem fließenden Rad- und Fußverkehr. Ebenso ignoriert dieses Amt die Klimakrise. Wenn man die nicht berücksichtigt, liegt Warnemünde in 80 Jahren unter Wasser und es hat sich aus-verkehrt. Kommunales Geld wird zum Fenster rausgeworfen

  • ME sagt:

    War nicht neulich in der Rostocker Presse zu lesen das das Tiefbauamt das in diesem Jahr eingeplante Geld gar nicht komplett verbauen kann ? Wieso wird dann an einer derart HALBEN Sache mit der Begründung festgehalten das Geld nicht reicht?
    Und was die nicht nachvollziehbar große Anzahl an geplanten Baumfällungen betrifft habe ich schon mal gesagt und sage es wieder : Wer sich derart frevelhaft an unserer Natur vergreift , den sollte man Teeren und Federn und dann durch das Dorf jagen.
    Es gibt Stimmen, die zu Protestbriefen an den OB aufrufen – Prima Idee – Schreibt Leute!!

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