Tanztheater „Primäraffekt“ feiert Uraufführung im Theaterzelt

Das Tanztheater von Bronislav Roznos lotet tänzerisch die Zwischentöne menschlicher Grundgefühle aus

1. April 2012, von

 "Platonische Liebe" (Marat Rakhimov und Linda Kuhn) Was ist wesentlicher Bestandteil jeder menschlichen Existenz? Diese Frage stellte sich Bronislav Roznos, Chefchoreograph und Leiter der Tanzsparte am Volkstheater Rostock, dem „Tanztheater Bronislav Roznos“.

Die Antwort darauf ist so simpel wie komplex: die Basisemotionen Freude, Angst, Liebe und Hass. Unabhängig von der Kultur oder Herkunft kennt jeder Mensch diese Grundgefühle, oder auch „Primäraffekte“.

Mit der Produktion „Primäraffekt – Die menschlichen Grundgefühle“ widmet sich das „Tanztheater Bronislav Roznos“ den menschlichen Grundgefühlen und deren Ausprägungen.

Fasziniert von der Menge der Unterkategorien der Basisemotionen und dem individuellen Ausdruck dieser, entwickelte Roznos das Konzept des Tanztheaters „Primäraffekt“, das den fühlenden Menschen in den Mittelpunkt rückt.

An der tänzerischen Interpretation der Basisemotionen wird de­mons­triert, wie einfühlsam, sinnlich und manchmal auch erschreckend klar die Kunst des Tanzes der menschlichen Gefühlswelt Ausdruck verleihen kann.

"Primäraffekt" im Theaterzelt
"Primäraffekt" im Theaterzelt

Ausdruck ist das Schlüsselwort der “Primäraffekt“- Produktion. Denn statt Gefühle zu verbergen, sie abzublocken, werden sie hier in den Mittelpunkt gerückt: Vor und hinter transparenten Schleiern werden die menschlichen Grundgefühle in verschiedensten Schattierungen unzensiert in tänzerischer Form ausgelebt.

Durch die mit Aus- und Eingängen durchdrungenen, durchsichtigen Vorhänge der Bühnendekoration fließen die Tanz-Szenen und somit auch die Emotionen ineinander, sodass sich auf der Bühne keine Aneinanderreihung der Grundgefühle, sondern vielmehr ein Ausloten der Zwischentöne dieser darstellt.

Die scheinbare Gegensätzlichkeit dieser Emotionen wird so auf der Bühne, fast unmerkbar, zu einer fließenden Skala uminterpretiert. So erschließt sich in Roznos’ „Primäraffekt“, dass beispielsweise Angst und Hass Parallelen in sich tragen, die durch die tänzerische Umsetzung fein herausgearbeitet werden.

Die offengelegten Schattierungen der Basisemotionen, wie das Gefühl der Schadenfreude, der Nächstenliebe, der Paranoia (Verfolgungswahn), oder – besonders interessant –  der Autophobie (die Angst vor dem Alleinsein bzw. vor sich selbst), werden so ausdrucksstark in ihren Ausprägungen mal verspielt, mal introvertiert, mal gewaltsam tänzerisch behandelt.

Primäraffekt: "Homosexuelle Liebe" (Natalie Brockmann und Teresa Lucia Forstreuter)
Primäraffekt: "Homosexuelle Liebe" (Natalie Brockmann und Teresa Lucia Forstreuter)

In der tänzerischen Bearbeitung des Themas war es Roznos wichtig „hinter diesen Gefühlen in erster Linie den Menschen zu sehen“, wie der Chefchoreograph erklärt. Dabei hat er nicht nur selbst versucht, sich in Menschen hineinzuversetzen, die beispielsweise von Angstzuständen betroffen sind, sondern ließ auch seinen Tänzerinnen und Tänzern Raum, die Schattierungen und Ausprägungen der menschlichen Grundgefühle für sich zu interpretieren.

Jeder Tänzer beherrscht so fast alle Rollen, sodass das Stück in einer A- und einer B-Besetzung angeboten wird. Laut Roznos seien beide Vorstellungs-Varianten von gleicher Qualität, jedoch anderer emotionaler Sensibilität.

„Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich das erst einmal verdauen muss“, beschreibt Karsten Lehmann das Gefühl nach der Tanzvorstellung und bezieht sich damit vor allem auf die letzten Bilder des Tanztheaters, die sich mit „Hass“, als Endstation aller negativen Gefühle, beschäftigten.

"Primäraffekt"-Tanzensemble
„Ein paar Sachen habe ich nicht so richtig verstanden, oder muss darüber noch ein wenig nachdenken, ich meine da zum Beispiel die Interpretation der ‚Caritas‘ [Nächstenliebe] und deren visuelle Unterstreichung. Dennoch waren bestimmte Emotionen sehr treffend getanzt“, findet Lehmann, dem am besten die tänzerische Umsetzung der „Platonischen Liebe“ gefiel. Tänzerisch beurteilt er die Darbietung als „auf hohem Niveau“.

Die B-Premiere von „Primäraffekt“ findet am 7. April um 19:30 Uhr im Theaterzelt statt. Hingehen sollte jeder, der sich auf abstrakter Ebene mit den Zwischentönen menschlicher Grundgefühle auseinandersetzen möchte.

Weitere Vorstellung gibt es im Theaterzelt am 13., 19. und 25. April jeweils um 19:30 Uhr und im Mai am 3. um 15 Uhr, am 6. um 18 Uhr und am 25. Mai um 19:30 Uhr.

Zu der Aufführung am 13. April bietet das Volkstheater ein Vor- und Nachgespräch mit dem Rostocker Philosophen Professor Dr. Heiner Hastedt und am 25. April mit dem Psychologen Professor Dr. Peter Kropp an.

Fotos: D.Gätjen, VTR

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