Rostocker Architekturpreis zum zehnten Mal vergeben

Modernisierung des Rathauses und des Ortsamtes ausgezeichnet

24. Juni 2012, von
Architekt Hans-Ullrich Grassmann
Architekt Hans-Ullrich Grassmann

„In der Architektur muss eins und eins zweieinhalb ergeben“, sagte der international renommierte Architekt Hans-Ullrich Grassmann gestern in der Kunsthalle. Dort fand, wie immer am Tag der Architektur Mecklenburg-Vorpommern, die zehnte Verleihung des Rostocker Architekturpreises statt. Über 80 Gäste erwarteten gespannt, welches der zwölf in der Hansestadt nominierten Bauprojekte von der Jury ausgewählt wurde und sich fortan Jubiläumspreisträger nennen darf.

Die Nominierten des Architekturpreises 2012 in der Kunsthalle
Die Nominierten des Architekturpreises 2012 in der Kunsthalle

Hans-Ullrich Grassmann ist nicht nur Architekt beim angesehen österreichischen Büro Baumschlager & Eberle, sondern auch Dozent für Architektur in Hildesheim und Hannover. In seinem Vortrag sprach er über zentrale Elemente und Facetten der Baukultur. Wie in anderen Lebensbereichen auch sei die Nachhaltigkeit die wichtigste Eigenschaft, die moderne Architektur zu erfüllen habe, sowohl ökologisch als auch ökonomisch und sozial. Letzteres verdeutlichte er mit der anfangs genannten Rechenaufgabe. „Gebäude dürfen nicht nur für sich stehen, sondern müssen auch das Umfeld aufwerten und eine emotionale Bindung schaffen und so eine städtebauliche Aufwertung schaffen.“

Ein Thema, das auch in Rostock zunehmend an Bedeutung gewinnt, was verschiedene städtebauliche Wettbewerbe, wie zum Beispiel bei der Mittelmole in Warnemünde, zeigen. Daneben ist ein weiterer Trend die zunehmende Bürgerbeteiligung. Nur wenn ein Gebäude sich in sein Umfeld einpasst und mit den schon bestehenden Strukturen harmoniert, kann dieses als Erfolg gesehen werden.

Diana Albert und Heidrun Walter im neu gestalteten Säulenportal des Ortsamtes
Diana Albert und Heidrun Walter im neu gestalteten Säulenportal des Ortsamtes

„Beim Architekturpreis geht es um Qualität“, sagte der Juryvorsitzende Carsten Nielsen. Es kam dabei jedoch nicht nur auf die handwerkliche Umsetzung an, sondern auch darauf, wie mit bestehenden Strukturen umgegangen wurde, inwieweit der Bau seinem späteren Zweck entspricht und natürlich auch, wie sich das Objekt städtebaulich einpasst. Dabei sei es besonders schwer gewesen, die unterschiedlichen Projekte, sowohl Umbauten, Modernisierungen und Neubauten, zu vergleichen. Zu den nominierten Bauten gehörten unter anderem eine Laborhalle der Uni Rostock, eine Kindertagesstätte und das Gebäude der „Oehm und Rehbein GmbH.

In die Riege der Preisträger, zu denen zum Beispiel das Max-Planck-Institut oder die Urnengemeinschaftsanlage auf dem Neuen Friedhof gehören, durfte sich jedoch ein anderes Projekt einreihen. Genau genommen sind es sogar zwei Arbeiten, doch die Jury entschied, dass die Erweiterung des Rathauses und der Umbau zum Ortsamt in so enger Zusammenarbeit entstanden sind, dass man sie zusammen würdigen muss.

Ausgezeichnet: Anbau des Rathauses mit Ortsamt und Ausländeramt
Ausgezeichnet: Anbau des Rathauses mit Ortsamt und Ausländeramt

Hauptverantwortlich für das Projekt waren die Hochbauarchitekten Diana Albert und Kerstin Beyer vom Büro Albert und Beyer sowie die Innenarchitektin Heidrun Walter von Walter + Planer. Sie waren bereits 2001 gemeinsam für die Modernisierung des Rathauses mit Rathaushalle und Bürgerschaftssaal verantwortlich. In den letzten dreieinhalb Jahren konnten sie dann den nächsten Teilbereich realisieren, indem sie das 1908 errichtete Seitengebäude und ein denkmalgeschütztes Haus in der Großen Wasserstraße im Auftrag der Stadt umfangreich modernisierten.

„Unsere Bürophilosophie ist es, den historischen Bestand zu wahren, aber auch funktional zu modernisieren“, erzählt Diana Albert. Besonders beim neuen „Stadtzentrum Rostock“ war das eine große Aufgabe, da die Schalterhalle der ehemaligen Bank in dem neuen Ortsamt erhalten bleiben sollte. „Wir sind hier nur stellvertretend für ein großes Team. Vor allem die Statiker und die Elektroniker hatten mit der historischen Bausubstanz des Stahlbetonbaus zu kämpfen“, berichtet Heidrun Walter.

Die Rückseite des modernisierten Rathauses befindet sich noch im Bau
Die Rückseite des modernisierten Rathauses befindet sich noch im Bau

Beide waren am gestrigen Abend überrascht und sehr glücklich über die Auszeichnung in Form einer Plakette, die zukünftig das Gebäude zieren soll. Eigentlich hatten sie ihre Einreichung zurückgenommen, weil sich der Baufortschritt im Laufe des Jahres verzögert hatte. So hat das Ortsamt zwar die Arbeit in dem neuen Haus bereits aufgenommen, fertig ist der sieben Millionen Euro teure Bau aber noch nicht. Vor allem am Schustergarten, einer Freifläche im Innenhof, die zukünftig mit einer Treppe auch eine ideale Fotomöglichkeit für Brautpaare aus dem Standesamt bieten soll, wird noch fleißig gewerkelt.

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