Erneut ganztägiger Warnstreik bei der RSAG

Nachdem die heutige Verhandlungsrunde zwischen Verdi und dem KAV ergebnislos blieb, ruft die Gewerkschaft am 18. Februar erneut zum Streik bei RSAG und Rebus auf

17. Februar 2020, von
Am 18. Februar 2020 erneut ganztägiger Warnstreik bei der RSAG und Rebus (Foto: Archiv)
Am 18. Februar 2020 erneut ganztägiger Warnstreik bei der RSAG und Rebus (Foto: Archiv)

In den Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des öffentlichen Personennahverkehrs (TV-N Mecklenburg-Vorpommern) wurde heute erneut kein Ergebnis erzielt, wie die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) und der Kommunale Arbeitgeberverband Mecklenburg-Vorpommern (KAV MV) am Nachmittag bekanntgaben.

Verdi hat daraufhin bei der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) und der Rebus Regionalbus Rostock für morgen zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen.

Bei der RSAG sind voraussichtlich sämtliche Bus- und Straßenbahnlinien ab Betriebsbeginn um 3 Uhr morgens bis zum Betriebsbeginn am Mittwoch betroffen. Damit fallen auch die Nachtbuslinien F1 und F2 aus. S-Bahnen sowie die Warnow-Fähren zwischen Kabutzenhof und Gehlsdorf sowie Warnemünde und Hohe Düne sind ebenso nicht vom Streik betroffen wie die Regionalzüge mit RSAG-Personal zwischen Bad Doberan und Graal Müritz. Für diese Mitarbeiter gilt ein anderer Tarifvertrag.

Im Gegensatz zum heutigen Streik wird morgen nach Gewerkschaftsangaben auch Rebus wieder bestreikt. Damit dürfte auch hier der komplette Linienverkehr im Landkreis und der Hansestadt Rostock ausfallen. Dies gilt auch für Fahrten, die Drittunternehmen im Auftrag von Rebus durchführen.

Der KAV hat in der heutigen Verhandlungsrunde die folgenden drei Alternativangebote vorgelegt, so Verdi:

  1. eine Erhöhung der Löhne und Gehälter zum 01.01.2020 in Höhe von 70 Euro für alle Entgeltgruppen und Stufen bei einer Laufzeit bis 30.06.2020 oder
  2. eine Erhöhung der Löhne und Gehälter zum 01.01.2020 in Höhe von 70 Euro für alle Entgeltgruppen und Stufen bei einer Laufzeit bis 31.12.2020 oder
  3. eine Einmalzahlung (nicht tabellenwirksam) von 500 Euro für das erste Halbjahr 2020

Der KAV begründet die kurze Laufzeit der Angebote mit den in der zweiten Jahreshälfte anstehenden Manteltarifverhandlungen. Durch neue Regelungen für Arbeitszeit und Zulagen werden hier zusätzliche Kosten befürchtet, sodass die Arbeitgeberseite lieber ein Gesamtpaket verhandeln würde.

„Die Tarifkommission kam zu dem Ergebnis, dass keine der Alternativen ein verbessertes Angebot beinhaltet“, erklärt der Verdi-Verhandlungsführer Karl-Heinz Pliete. Die Gewerkschaft fordert für die rund 1.500 Beschäftigten weiterhin eine Erhöhung des Stundenlohns um 2,06 Euro und zusätzlich eine monatliche Pauschale von 100 Euro. Bei der Pauschale handelt es sich lt. Verdi um einen Angleichungsschritt an andere Tarifgebiete. Er soll die Ost-West-Unterschiede abbauen, da Busfahrer im Nachbarland Schleswig-Holstein trotz vergleichbarer Lebenshaltungskosten rund 250 Euro pro Monat mehr verdienen. Der Tarifvertrag soll rückwirkend ab dem 1. Januar 2020 für zwölf Monate gelten.

Lt. KAV würde dies in Mecklenburg-Vorpommern zu zusätzlichen Kosten von rund 8,1 Mio. Euro im Jahr führen. Die Gewerkschaftsforderung würde einer Gehaltssteigerung zwischen 15 und 20 Prozent entsprechen, was bis zu 458 EUR pro Monat und Beschäftigtem bedeute. Die RSAG rechnet mit etwa 4,4 Mio. Euro jährlicher Mehrkosten.

Bislang gibt es keinen neuen Verhandlungstermin zwischen den Parteien. Dieser „macht erst Sinn, wenn sich die Gewerkschaft erkennbar bewegt“, so KAV-Verhandlungsführerin Gabriele Axmann. „Nun liegt es an ver.di den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen.“

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10 Kommentare

  • Kerstin Heller sagt:

    Denkt die RSAG auch mal an die Fahrgäste die auf Bus und Bahn angewiesen sind oder geht den das nur um das Geld

  • Nadine sagt:

    Es ist eine sauerei ,man müsste wenigstens eine Uhrzeit garantieren damit die Leute zur Arbeit und die Kinder wenn keine Ferien sind zur Schule kommen,nicht alle haben Autos ecc.Unfassbar!

  • Nadine sagt:

    Alle wollen mehr Geld verdienen, also müssten alle in allen bereichen Streiken! Und was dann….?

  • Andreas Frischholz sagt:

    Tatsächlich geht es denen nur um das Geld. Der Vorstand der RSAG möchte (wie jedes Jahr) Millionen an die Stadt zurückzahlen, um sich kräftig auf die Schulter klopfen zu lassen. Die Mitarbeiter der RSAG haben nur einen geringen Stellenwert, aber genau diese verdienen das Geld für die RSAG. Ich hoffe die Verdi bleibt hart und lässt sich vom KAV nicht länger verar*****

    Übrigens „verdienen“ die Vorstände der RSAG einen fünfstelligen Betrag (pro Monat)

    Mit freundlichen Grüssen

    Andreas Frischholz

  • Holger sagt:

    Und die Funktionäre der Gewerkschaften verdienen weniger?
    Streiken tun immer nur die, die im Unternehmen eh schon am meisten verdienen (Piloten., Lokführer. Busfahrer) Um die anderen Kollegen kümmert sich keiner.
    Die Gewerkschaftenn sollen sich mal lieber um einen vernünftigen Mindestlohn kümmern, aber das macht ja richtig Arbeit.

  • Sven sagt:

    @ Holger: Es ist genau umgekehrt. Nur Berufsgruppen, die gut organisiert sind (Industrie, Metall, Verkehr…), sind auch in der Lage gute Abschlüsse zu erzielen. Und das kann man ihnen nun wirklich nicht vorwerfen. Im Ggs. dazu weite Teile der Dienstleistungsbranche. Gewerkschaften können sich nur für Mitglieder einsetzen (obwohl auch Nichtmitglieder von Tariferhöhungen profitieren – was durchaus als Trittbrettfahrerei diskutabel ist). Und Tarifentgelte liegen in aller Regel oberhalb des Mindestlohnes. In der Praxis wird der Mindestlohn also für tariffreie Beschäftigungsverhältnisse angewendet. Insofern geht Dein Argument ins Leere.

  • Holger sagt:

    Ins Leere, wo?
    Es streiken immer dieselben. Busfahrer bekommt mehr Geld, Putzfrau geht leer aus.
    Und warum ist die Gewerkschaft im Dienstleistungsgewerbe oder im Einzelhandel nicht so aktiv?
    Weil es Arbeit macht, Die wollen auch nur schnell Geld machen. Jeder denkt nur an sich.
    Also warum soll ich Mitleid mit den Busfahren haben?
    Wenn denen der Job nicht passt, es werden noch Lkw-Fahrer gesucht. Da ist die Gewerkschaft auch „stark“
    Ich und Tausend andere müssen zur Arbeit, nur das zählt.

  • Sven sagt:

    @ Holger
    „Es streiken immer dieselben“. Ist nicht ganz verkehrt. Muss man nicht schön finden, ist aber so. Und warum? – Eben, sie sind gut organisiert.
    Beispiel amazon: Da versucht Verdi seit Jahren, in der Belegschaft Fuß zu fassen, klappt aber nicht recht. Die Gewerkschaft gibt sich hierbei seit Jahren sehr wohl Mühe. Wenn sich die Mitarbeiter aber nicht von einer Gewerkschaft vertreten lassen wollen, ist das ihre Wahl.
    Ich sehe sehr wohl, dass es Berufsgruppen gibt, die eine deutlich bessere Bezahlung verdient hätten. Das hat mit dem Verdi-Streik aber nichts zu tun. Dafür ist die Politik zuständig. Also, wählen gehen.

  • Holger sagt:

    Ich habe kein Problem damit, dass Sie für mehr Lohn kämpfen. Ich hätte auch gern mehr.
    Aber ich mag es nicht, wenn ich ohne meine Zustimmung dazu genötigt und benutz werde, Interessen anderer durchzusetzen und Partei gegen die RSAG zu beziehen.
    Ich habe nichts gegen die Verkehrsbetreibe, außer die überzogenen Fahrpreise.
    Für mich ist in diesem Fall die Gewerkschaft der böse. Zumal das auch noch mein Geld kostet, wenn ich mit dem Taxi zu Arbeit fahren muss. Die sollen den Streit unter sich austragen.
    Und noch eines. In meiner Firma werden immer mehr tarifgebundene Stellen nicht mehr besetzt und durch nicht tarifliche gebundene Subunternehmen ersetzt und die Gewerkschaft sieht zu.

  • Kerstin Heller sagt:

    Wann gibt die RSAG Bescheid wann der Nächste Streik ist

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