1. Warnemünder Sandwelt - Karls Pier 7

„Sand und noch viel Meer“ – Sandskulpturen in Warnemünde

6. April 2010, von

1. Warnemünder Sandwelt - Karls, Pier7Ein Weltmeister ist nicht jeden Tag zu Gast im Ostseebad Warnemünde. Pavel Mylnikov aus Russland ist es. Der sechsfache Weltmeister im Sandskulpturenbau arbeitet derzeit an Pier 7, neben dem Kreuzfahrtterminal in Warnemünde, an seinem neuesten Werk.

Nachdem die 7. Eiszeit bei Karls zu Ende gegangen ist, halten passend zur warmen Jahreszeit nun wieder die Sandskulpturen Einzug. Dieses Mal jedoch nicht in Karls Erlebnis-Dorf in Rövershagen, sondern in Warnemünde, direkt am Meer.

Othmar Schiffer-BelzDen ganzen April über arbeiten hier sechs Künstler an ihren Skulpturen. Ein Abstecher während der Arbeiten lohnt sich. Nicht nur, um den Künstlern über die Schulter zu schauen. Mit seiner locker-sympathischen Art vermittelt Othmar Schiffer-Belz als künstlerischer Leiter den Gästen auch viele Informationen.

Beispielsweise zu dem verwendeten Sand. 400 Tonnen seien es insgesamt, extra angefahren aus einem Tagebau in Brandenburg. Besonderer Sand sei es, mit einer eckigen Kornstruktur und festen Bindung. Allerdings kein Lehm oder Ton – der würde bei dieser Größe reißen.

„Sandkorn, Wasser und die Verdichtung“ seien das ganze Geheimnis. Na ja, ein wenig oder eher doch ganz viel Talent und Geschick nicht zu vergessen!

Wird der Sand angefeuchtet und zusammengedrückt, verzahnt er sich. Dies unterscheide ihn von den runden Sandkörnern des Strands, „da können Sie drücken und drücken …“.

Handkraft allein genügt für die Festigkeit jedoch nicht. Als Vorbereitung wurden daher sechs Schichten übereinander eingeschalt und jeweils mit einem Stampfer verdichtet. Als Ausgangsbasis für alle Skulpturen dient somit eine treppenförmige Pyramide.

Pier7, Karls Sandwelt, Pavel MylnikovGanz anders als im richtigen Leben arbeiten sich die Künstler hier von oben nach unten – sehr schön zu erkennen auf den beiden Aufnahmen von Sonntag und heute.

Trotz der beeindruckenden Ausmaße gehen die Künstler vorrangig mit kleinen Spateln zu Werke. Für den groben Teil hätten Sie Mylnikov in Warnemünde extra noch eine kleine Kinderschaufel besorgt. „Wenn Ihr so was habt, habt Ihr schon den Großteil Eures Werkzeuges dabei“, ermunterte Schiffer-Belz die kleinen Gäste.

Pavel Mylnikov„Ab heute wird in der Sandkiste gearbeitet und nicht mehr gespielt“, denn schließlich könne man auch so in der Welt herumreisen und viel Geld verdienen. Wie viele Eltern ihren Kleinen da wohl am Abend den neuen Berufswunsch ausreden durften.

Zweimal habe Pavel Mylnikov ihm im Vorfeld abgesagt. Überzeugen konnte ihn nur das Versprechen, dass wir hier in Warnemünde nur Sonne haben.
Bei Schiffer-Belz’ sonnengebräuntem Gesicht könnte man dies fast glauben, hätte man nicht noch den vielen Schnee des letzten Winters vor Augen.

„Meerjungfrau mit Perle“ lautet der Titel der Skulptur, die Mylnikov bis Donnerstag vollenden möchte. Sie zeigt eine Meerjungfrau, die auf einem Fisch reitet und eine Perle in einer geöffneten Muschel berührt.

Sandskulptur Meerjungfrau mit PerleEine besondere Herausforderung stellten Muschel und Perle dar. Die Tiefe sei das Problem. „Wie weit kann ich hineingehen, ohne dass etwas abbricht.“ Dies sei das Damoklesschwert, das ständig über allen Künstlern schwebe – „ankleben könne man schließlich nichts“.

Fast dreieinhalb Stunden hat Mylnikov am Sonntag allein mit der Modellierung der Hand zugebracht. Mit dem kleinsten Spatel und teils sogar mit einem Pusterohr hat er die feinen Strukturen herausgearbeitet. Einige der Finger werden jetzt nur noch von einem Strang der Größe 1 x 5 cm an der Muschel gehalten. „Manchmal würde man denken, er lebt nicht mehr oder wäre eingeschlafen“ – mit so viel Liebe widme sich Mylnikov den kleinen Details, erläutert Schiffer-Belz.

Wer der Meerjungfrau einmal ganz tief in die Augen schaut, dürfte erahnen, mit wie viel Feingefühl und Liebe zum Detail der Künstler zu Werke geht. Die Pupillen weisen fast fotorealistische Züge auf – beeindruckend!

Am Donnerstag soll die Meerjungfrau komplett sein. „Wie ich ihn kenne, wird er um 17:45 Uhr seinen Namen in den Sand schreiben, die Hände reindrücken und dann ins Auto zum Flughafen steigen“, so Schiffer-Belz. Ziel des Künstlers ist dessen Heimatstadt Moskau. In Russlands Hauptstadt organisiert der Weltmeister dieses Jahr nämlich zwei eigene Sandskulpturenaustellungen.Karls, Pier 7: Sandfigur Zigmunds Vilnis

Aber auch nach dem Donnerstag lohnt sich ein Abstecher an den Pier 7. Es geht Schlag auf Schlag, sollen bis Anfang Juni doch schon alle sechs Skulpturen fertig sein. Der lettische Designer Zigmunds Villnis arbeitet bereits an seinem Werk.

„Die Meereskinder träumen“ lautet der romantisch klingende Titel seiner Skulptur, die die Besucher jedoch nachdenklich stimmen soll. Vor einer stilisierten Sonne liegen zwei Robben auf Eisschollen, umgeben vom im Meer treibenden Müll. Die Verschmutzung der Meere – ein ebenso ernstes wie aktuelles Thema.

Bis Anfang Juni kann den Künstlern täglich von 10 bis 19 Uhr über die Schulter geschaut werden. Anschließend können die Sandskulpturen bis Ende Oktober bestaunt werden, der Eintritt ist frei.

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