Ausgezeichnete Livemusik: Stubnitz und Seemannsklub

Das Rostocker Kulturschiff „Stubnitz“ und eine Veranstaltungsreihe der Kulturbotschafter wurden mit dem bundesweiten Spielstättenprogrammpreis ausgezeichnet

25. September 2013, von
Die Stubnitz, die im Moment nicht im Rostocker Stadthafen liegt, wurde mit dem Spielstättenprogrammpreis ausgezeichnet.
Die Stubnitz, die im Moment nicht im Rostocker Stadthafen liegt, wurde mit dem Spielstättenprogrammpreis ausgezeichnet.

Zwei Rostocker Kulturveranstalter wurden heute mit dem Spielstättenprogrammpreis Rock, Pop, Jazz 2013 ausgezeichnet. Das Kulturschiff Stubnitz und die Veranstaltungsreihe Seemannsklub des Rostocker Unternehmens Kulturbotschafter Events können sich über den Preis für ein herausragendes Programm im Kalenderjahr 2012 freuen.

Der Preis wurde von der Initiative Musik zum ersten Mal verliehen, die dafür aus dem Etat des Bundesstaatsministers für Kultur und Medien mit einer Million Euro ausgestattet wurde. „Der Preis zielt auf die kleinen und mittleren Clubs und Programmveranstalter, die mit Mut zum Risiko ein kulturell herausragendes Programm anbieten, das jenseits des Etablierten auf ein hohes musikalisches Niveau setzt. Genau diese Risikofreude brauchen wir, wenn sich die Musikszene weiterentwickeln soll und wir unsere vielfältige Clublandschaft erhalten wollen“, betonte Staatsminister Bernd Neumann, der heute Abend in Hamburg die Preise überreichte.

320 Veranstalter aus ganz Deutschland hatten sich um den Preis beworben. Die besten 55 wurden in drei Kategorien ausgezeichnet. Die Stubnitz ist eine von mehreren Preisträgern der ersten Kategorie, in der Spielstätten mit regelmäßigen Livemusikveranstaltungen pro Woche geehrt werden und setzte sich mit der besten Punktzahl von allen anderen ab. Stubnitz-Chef Urs Blaser ist froh über den Höchstpreis von 30.000 Euro. „Es ist mal eine qualitative Beurteilung. Denn was inhaltlich auf dem Schiff passiert, nehmen viele nicht wahr. Viele sind erstaunt, dass es noch schwimmt, und tun das Programm als Party ab.“ Über 240 Veranstaltungen in Rostock, Bremen, Hamburg und London gab es im letzten Jahr auf dem Schiff. Etwa 36.000 Besucher kamen an Deck des ehemaligen Kühlschiffes. „Endlich wird der Beitrag der Stubnitz für eine Musikkultur, die nicht auf Mainstream setzt, national gewürdigt“, freut sich die Vorsitzende des Rostocker Kulturausschusses Susan Schulz (Grüne).

Wann das Schiff wieder im Stadthafen anlegen wird, weiß die Crew der Stubnitz, die derzeit in der Hafencity Hamburgs liegt, noch nicht. „Es kann nicht sein, dass wir in Rostock Schulden machen und woanders das Geld wieder eintreiben“, wünscht sich Urs Blaser ein auskömmliches Budget sowohl für den Unterhalt des Schiffes als auch für die Programmgestaltung. Etwa 15 Euro Förderung für eine Karte eines anspruchsvollen Programms seien nötig. Im nächsten Jahr wolle man auf die Fraktionen der Bürgerschaft zugehen.

Kulturbotschafter Frank Berger, Tim Seemann und Daniel Karstädt in Hamburg (Foto: privat)
Kulturbotschafter Frank Berger, Tim Seemann und Daniel Karstädt in Hamburg (Foto: privat)

Ganz ohne Fördergelder konnte in der Kategorie „Programmreihen“, die Veranstaltungen mit mindestens zehn Livemusikveranstaltungen würdigt, der Rostocker Seemannsklub überzeugen. Das Erfolgsrezept: bekannte, zugkräftige Indie-, Pop- und Rockkünstler, die sonst lieber in Berlin oder Hamburg spielen, nach Rostock holen und diese mit weniger bekannten lokalen Bands auf die Bühne bringen. 200 bis 300 Besucher lockten die Konzerte in verschiedene Rostocker Clubs wie den Zwischenbau, den Stadtpalast und auch die Stubnitz. Hier fand das erste Konzert statt. Aber nicht nur der maritime Ort, auch der Name des Erfinders gab der Reihe ihren Namen, erklärt Tim Seemann von Kulturbotschafter Events. Für ihn ist der Preis, der mit der Höchstfördersumme von 5000 Euro verbunden ist, eine Bestätigung seiner Arbeit und gleichzeitig Ansporn. Mit dem Preisgeld sollen Veranstaltungen in der Rostocker Kulturwoche und kleine Indie-Konzerte unterstützt werden.

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1 Kommentar

  • Felix sagt:

    Herzlichen Glückwunsch! Eine solche Auszeichnung war längst überfällig. Schade ist nur, dass die Stubnitz kaum noch als Teil der Rostocker Clublandschaft gelten kann. Fast 2 Jahre ist es schon her, dass sie ihren Anker gelichtet hat. Seitdem kann hier von „kulturell herausragend“ nämlich keine Rede mehr sein. Doch nicht nur die Stubnitz fehlt, auch Jaz und Palette e.V. schlossen fast zeitgleich ihre Pforten und ließen ein ödes Nachtleben zurück. Ein hochwertiges Programm abseits des Mainstream findet sich kaum mehr und wird scheinbar vergrault. Warum betreibt die Stadt derartigen Raubbau mit unserer einst vielfältigen und begehrten Clublandschaf?
    Ich wünsche mir und im Sinne vieler Rostocker wieder ein Nachtleben, das mehr bietet als 80er-, Charts- und Flirt Partys. Rostock kann mehr und ist ein Programm wert, das auch nicht-Rostocker anspricht und zeigt, dass sich Rostock lohnt!

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