Universität Rostock: Exzellenzinitiativen im Blick

Kernaufgabe Forschung: Die Rostocker Uni will sich neben der Lehre vermehrt der Forschung widmen und bei Landes- und Bundesexzellenzinitiativen punkten

11. April 2016, von
Kernaufgabe Forschung: Die Rostocker Uni will sich vermehrt der Forschung widmen und bei Landes- und Bundesexzellenzinitiativen punkten
Kernaufgabe Forschung: Die Rostocker Uni will sich vermehrt der Forschung widmen und bei Landes- und Bundesexzellenzinitiativen punkten

„Fokussiert vernetzte Vielfalt“, lautet der neue Slogan von Prof. Dr. Wolfgang Schareck, Rektor der Universität Rostock. Unter diesem Motto soll die Spitzenforschung an der ältesten Uni im Ostseeraum wieder in Fahrt gebracht werden. Viele Fachbereiche und Institute, die sich zusammen auf ein kleines Detail fokussieren – etwa beim Phosphor-Campus, bei dem sich alles um das eine Element dreht.

Neben einem kurzen Rückblick wagte das neu zusammengesetzte Rektorat heute einen Blick in die Zukunft der Rostocker Universität.

Prof. Dr. Wolfgang Schareck, Rektor der Universität Rostock
Prof. Dr. Wolfgang Schareck, Rektor der Universität Rostock

Haushalt und Finanzausstattung

„Das tut man eben, wenn man Sorge hat, dass man in der Not nicht genügend hat“, kommentiert Wolfgang Schareck die am Monatsanfang von der Landesregierung veröffentlichten Hochschulrücklagen, „und wir haben immer wieder Not.“ Gut 27,5 Millionen Euro hatte die Universität Rostock zum Jahreswechsel auf der hohen Kante. Klingt viel, doch zum überwiegenden Teil seien die Rücklagen bereits verplant und in Vorhaben gebunden, führt der Rektor aus.

103,6 Mio. Euro gab es 2015 vom Land, rund 60 Mio. Euro wurden an Dritt- und Sondermitteln eingeworben, 18,3 Mio. Euro für Baumaßnahmen eingesetzt. Für die Jahre 2016 bis 2020 wird der Landeszuschuss für den laufenden Betrieb um jährlich 4,3 Mio. Euro erhöht (jeweils ohne Unimedizin). Ein gutes Verhandlungsergebnis, auch im Sinne der Planung und Hochschulautonomie, lobt Schareck, auch wenn der Handlungsspielraum der Uni angesichts von Kostensteigerungen weiterhin begrenzt bleibe: „Dass wir natürlich mehr Geld gebrauchen könnten, ist keine Frage.“

Studierende und Studiengänge

Die Gesamtzahl der Studierenden an der Rostocker Uni ist weiter rückläufig. Mit 13.766 hat sie 2015 den tiefsten Stand der letzten zehn Jahre erreicht. „Insgesamt liegen wir mit den Zahlen deutlich besser als die Prognosen uns das ursprünglich mal prophezeit haben“, zeigt sich Wolfgang Schareck trotzdem nicht unzufrieden. Immerhin komme etwa jeder zweite Student aus Mecklenburg-Vorpommern, wo die Anzahl der Schulabgänger aufgrund des demografischen Wandels in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist.

 WS 05/06WS 06/07WS 07/08WS 08/09WS 09/10WS 10/11WS 11/12WS 12/13WS 13/14WS 14/15WS 15/16
Studierende, gesamt14.14214.07614.11714.47215.13815.23615.31215.06214.41713.89013.766
Dr. Jan Tamm, Kanzler der Uni Rostock
Dr. Jan Tamm, Kanzler der Uni Rostock

Positiv entwickelt hat sich hingegen die Zahl der Studienanfänger. 3.442 Erstsemester nahmen zum Wintersemester 2015/16 ein Studium an der Rostocker Alma Mater auf (Vorjahr: 3.286). Die Diskrepanz zwischen mehr Studienanfängern und weniger Studenten erkläre sich einerseits aus den doppelten Abiturjahrgängen, die jetzt ihr Studium beendet haben, andererseits gebe es einen „deutlichen Nachholbedarf in den Masterstudiengängen“, so Schareck. Selbst in zulassungsbeschränkten Studiengängen sei die Nachfrage zu gering. Hier wirke sich vor allem das Fehlen attraktiver Arbeitsplätze für Masterabsolventen im Umfeld negativ aus.

Auch wenn es für den Rektor „auf die Qualität mindestens so ankommt wie auf die Quantität“, ist die Anzahl der Hochschulanfänger, also derjenigen, die zum ersten Mal ein Hochschulstudium beginnen, „von zentraler Bedeutung“, gibt Dr. Jan Tamm, Kanzler der Uni, zu bedenken. Jeder Hochschulanfänger oberhalb einer festgelegten Referenzlinie bedeutet für die Rostocker Alma Mater bares Geld aus den Hochschulpaktmitteln. „Für uns ist entscheidend, dass wir diese Referenzlinie halten“, erläutert Tamm, „sonst haben wir ein Problem in der Substanz, weil wir die Hochschulpaktmittel einfach benötigen, um die Kapazitäten aufrecht zu erhalten“. Immerhin geht es allein von 2016 bis 2020 um über 40 Millionen Euro. Aktuell liegt die Uni Rostock drei bis vier Prozent über den Vorgaben.

 20142015
Zielzahlen, Referenzlinie1.9411.958
Zielzahlen, KMK-Prognose 20122.1712.241
Hochschulanfänger, Ist-Werte2.0342.321

Mit dem Bachelor Umweltingenieurwissenschaften, sowie den Mastern in Berufs- sowie Sonder- und Inklusionspädagogik werden ab dem kommenden Semester drei neue Studiengänge angeboten. Zum Wintersemester 2017/18 können sich die ersten Studenten im neuen Studiengang für Ur- und Frühgeschichte einschreiben.

Landes- und Bundesexzellenzinitiative

In der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern ging Mecklenburg-Vorpommern bislang leer aus. Das Programm zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen wurde 2005 erstmalig gestartet. In der aktuellen Runde werden bundesweit 45 Graduiertenschulen, 43 Exzellenzcluster und elf Zukunftskonzepte („Elite-Unis“) von 2012 bis 2017 mit insgesamt 2,7 Milliarden Euro gefördert – aus MV ist keine Hochschule dabei.

Prof. Dr. Udo Kragl, Prorektor für Forschung und Forschungsausbildung
Prof. Dr. Udo Kragl, Prorektor für Forschung und Forschungsausbildung

Schafft es Rostock das nächste Mal? „Ich glaube, da sind wir sehr viel besser aufgestellt als damals“, gibt sich Prof. Dr. Udo Kragl, Prorektor für Forschung und Forschungsausbildung, zuversichtlich. Das schlechte Abschneiden Rostocks war Anlass für die Gründung der Interdisziplinären Fakultät durch den damaligen Rektor Prof. Dr. Thomas Strothotte – Kragl wurde Gründungsdekan. Speziell im Department „Maritime Systeme“ haben sich „starke Teams gebildet, die bei der Bundesexzellenzinitiative antreten könnten“, so Kragl.

Gute Chancen rechnet sich auch Wolfgang Schareck aus, etwa mit einem Thema, das den Standort am Meer aufgreift und diesen „unfairen Vorteil“ nutzt, das Leibniz-Institut für Ostseeforschung (IOW) und das Department für maritime Systeme vor Ort zu haben. Aber auch die Physik mit dem Department „Leben, Licht & Materie“ sowie Universitätsmedizin und biomedizinische Technik hätten etwa mit der Stent-Entwicklung gute Chancen.

Allerdings sollen voraussichtlich nur 50 Cluster gefördert werden, wovon rund 30 auf die Exzellenzuniversitäten entfallen und sich etliche Einrichtungen mit ihren bisherigen Themen positionieren werden. „Wir werden in der Konkurrenz um vielleicht zehn neue Cluster sein“, schätzt der Rostocker Rektor die Chancen vorsichtig ein.

Vorher geht es aber noch an die Fördertöpfe des Landes. Mit rund 30 Mio. Euro fördert das Land die Spitzenforschung bis 2020. Im Gegensatz zur vorherigen Förderperiode möchte sich Wissenschaftsminister Mathias Brodkorb dieses Mal auf einige wenige Großprojekte konzentrieren – um die fünf sind geplant. Bis Mitte Mai sollen zwölf Anträge eingereicht werden, bei denen die Uni Rostock federführend ist, erklärt Schareck.

Ulmicum, Biomedicum und E-Technikum – Baugeschehen an der Uni Rostock

Die ehemalige Uni-Orthopädie, das frühere Elisabeth-Heim, in der Ulmenstraße - hier soll das neue Institutsgebäude für die Philosophische Fakultät entstehen
Die ehemalige Uni-Orthopädie, das frühere Elisabeth-Heim, in der Ulmenstraße - hier soll das neue Institutsgebäude für die Philosophische Fakultät entstehen

Groß gebaut wird derzeit an der Schillingallee, zwischen Innerer Medizin und Chirurgie. Hier entsteht mit dem ZMF (Zentrale Medizinische Funktionen) das künftige Herzstück der Universitätsmedizin. Nebenan wird demnächst das Biomedizinische Forschungszentrum ausgebaut. Unter dem Namen „Biomedicum“ sollen hier Lehre und Forschung an der Medizinischen Fakultät weiter gesteigert werden.

Mit der Einweihung des Forschungsbaus Leben, Licht und Materie und der neuen Physik auf dem Südstadtcampus wurden 2015 zwei Großprojekte abgeschlossen. Knapp 17,1 Mio. Euro sind 2015 in große Baumaßnahmen der Rostocker Uni geflossen. In diesem Jahr werden es nur 1,7 Mio. sein – hauptsächlich aufgrund der notwendigen Planungsvorläufe.

Rechtzeitig vor der Landtagswahl soll im August zumindest noch der 1. Spatenstich für den Erweiterungsbau des Instituts für Chemie vollzogen werden. Und auch der Bau der zweiten neuen Forschungshalle der Maschinenbauer und Schiffstechniker soll spätestens 2017 starten, der Baubeginn für das E-Technikum steht noch nicht fest.

Sowohl in der Universitätsmedizin als auch in der Universität sind in den folgenden Jahren große Bauvorhaben geplant – in einem Umfang, der die Mittel des Landes bis 2020 weit übersteigt. Die Fortschreibung des Hochschulbaukorridors von 2021 bis 2025 erlaubt jedoch bereits jetzt eine entsprechende Planung.

Das alte Physikalische Institut der Uni Rostock soll umgebaut und weiter genutzt werden
Das alte Physikalische Institut der Uni Rostock soll umgebaut und weiter genutzt werden

„Den größten Bedarf mit einem Volumen von fast 100 Millionen Euro haben wir für das Ulmicum“, blickt Wolfgang Schareck in die etwas fernere Zukunft. Auf dem Gelände des jetzigen Ulmencampus sollen eine zweite große Bibliothek sowie eine neue Mensa entstehen. Und es ist ein weiteres Institutsgebäude für die Philosophische Fakultät geplant – dort, wo jetzt noch die alte, baufällige Uni-Orthopädie steht.

Im Endergebnis soll das Ulmicum alle pädagogischen Fächer, die Philosophen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler und die juristische Fakultät vereinigen.

Perspektivisch möchte sich die Uni auf die folgenden vier Standorte konzentrieren:

  • Südstadtcampus (MINT, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik)
  • Innenstadt-Campus (Theologie, Universitätsleitung und -verwaltung)
  • Ulmencampus (Geistes- und Sozialwissenschaften)
  • Schillingallee (Universitätsmedizin)

Der Bebel-Tower soll als Standort abgeschafft werden, erklärt Baudezernent Dr. Andreas Werner. Modernisiert werden soll hingegen das 1910 eröffnete Physikalische Institut, das derzeit als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge genutzt wird. „Das Gebäude hat Historie“, bekennt der studierte Bauingenieur. Er könnte sich vorstellen, dass die Mathematiker hier einziehen, die momentan auf dem Ulmencampus ansässig sind. Auch wenn diese vielleicht lieber auf den MINT-Campus in der Südstadt ziehen würden, aber das ist auch eine „Frage des Geldes“, so Werner.

Veranstaltungstipp

Mit Rostock Lecture hat die Uni Rostock vor einigen Jahren begonnen, einmal im Semester eine besondere Vorlesung anzubieten. Am Donnerstag ist die Astrophysikerin Prof. Heike Rauer vom Institut für Planetenforschung zu Gast und widmet sich der Frage, ob es bewohnbare Planeten außerhalb unseres Planetensystems gibt. (14. April 2016 19:00 Uhr, Aula, Universitätsplatz)

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