Das Uwe-Johnson-Archiv zieht nach Rostock

Unterzeichnung der Absichtserklärung legt den Grundstein für Gesamtausgabe des Autors

17. Juli 2012, von
Nur ein Teil des gesamten Werkes - Bücher von Uwe Johnson
Nur ein Teil des gesamten Werkes - Bücher von Uwe Johnson

Von einer „literarischen Sensation“ sprach Oberbürgermeister Roland Methling, von „einem glücklichen Tag für Literaturliebhaber“ Bildungsminister Mathias Brodkorb. Und auch wenn Politiker sonst ganz gerne übertreiben, ist der Umzug des Uwe-Johnson-Archives von Marbach in die Hansestadt ein Glücksgriff für die Johnson-Forschung in Rostock. Mit der Unterzeichnung eines „Letter of Intent“ wurde heute gleichzeitig der Grundstein für eine kritische Werkausgabe des Autors gelegt.

Unterzeichnung des "Letter of Intent": Rektor der Universität Prof. Dr. Wolfgang Schareck, Dr. Ulrich Fries (Johannes und Annitta Fries-Stiftung) Raimund Fellinger (Peter Suhrkamp Stiftung) und Prof. Dr. Holger Helbig
Unterzeichnung des "Letter of Intent": Rektor der Universität Prof. Dr. Wolfgang Schareck, Dr. Ulrich Fries (Johannes und Annitta Fries-Stiftung) Raimund Fellinger (Peter Suhrkamp Stiftung) und Prof. Dr. Holger Helbig

In den letzten Jahren wurde Rostock zunehmend bedeutender für die Uwe-Johnson-Forschung. Seit 2009 gibt es eine Stiftungsprofessur an der Universität, ein Jahr später wurde die Johnson-Gesellschaft gegründet, die inzwischen über 100 Mitglieder zählt. So ist der Schritt, den Nachlass eines der wichtigsten Schriftsteller des Landes hierher zu holen, gar nicht so ganz abwegig.

Doch dazu bedurfte es der Zusammenarbeit verschiedener Stellen. Nachdem das Literaturarchiv in Marbach nicht mehr zahlen konnte, entschied die Peter Suhrkamp Stiftung, der Hansestadt den Zuschlag zu geben. Für die Finanzen ist dabei hauptsächlich die von Holzhändler Dr. Ulrich Fries gegründete Johannes-und-Annitta-Fries-Stiftung zuständig. Um die Verwaltung der ungefähr 10.000 Bücher und 50.000 Blätter Manuskript soll sich die Universität in Zusammenarbeit mit der Johnson-Gesellschaft kümmern.

Mitglieder der Johnson-Gesellschaft mit der unterzeichneten Absichtserklärung
Mitglieder der Johnson-Gesellschaft mit der unterzeichneten Absichtserklärung

Einer der Hauptverantwortlichen ist Literaturprofessor Dr. Holger Helbig. Er betonte heute bei der feierlichen Unterzeichnung der gegenseitigen Absichtserklärung der Beteiligten im Barocksaal: „Es geht hier um mehr als nur um Literatur!“ Im Herbst sollen die Bestände nach Rostock transportiert und im Bücherspeicher der Universität untergebracht werden. „Dann werden wir auf mehreren Baustellen gleichzeitig arbeiten“, erklärt Holger Helbig. Allein die Konservierung und Digitalisierung wird mehrere Jahre dauern. Gleichzeitig soll eine Ausstellung erarbeitet und die erste kritische Johnson-Gesamtausgabe vorbereitet werden.

Für diese liegt ein Antrag bei der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften vor, die das auf 20 Jahre angelegte Langzeitprojekt in Millionenhöhe fördern soll. Wenn das klappt, wäre Uwe Johnson fast 30 Jahre nach seinem Tod neben so großen Namen wie Christoph Martin Wieland, Immanuel Kant und Karl Marx der erste zeitgenössische Autor im Programm. Ein erster Band könnte dann im Jahr 2015 erscheinen.

Uwe Johnson im Matrikelbuch der Universität Rostock
Uwe Johnson im Matrikelbuch der Universität Rostock

Uwe Johnson und die Universität Rostock, eine Verbindung mit Zukunft also. Doch auch ein Blick in die Vergangenheit lohnt, denn wie das Matrikelbuch aus dem Jahr 1952/53 verrät, war der Schriftsteller Student der Rostocker Germanistik. Er selbst sagte: „Meine Zeit in Rostock hat mich erst zum Schriftsteller gemacht.“ Der 19-jährige Student ergriff bei einer Veranstaltung Partei für die Junge Gemeinde und geriet so mit der SED-Leitung aneinander, was für ihn eine menschliche Reifeprüfung war – ein Thema, das sich auch in seinen Werken häufig wiederfinden lässt. Kurz nach dem Vorfall verließ Johnson die Universität Rostock.

Doch nun schließt sich der Kreis und das Vermächtnis des Schriftstellers kehrt wieder an die Universität der Hansestadt zurück.

Foto 1: IT- und Medienzentrum Universität Rostock

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