Soforthilfe für das Volkstheater

Insolvenz des Volkstheaters Rostock vorerst abgewendet – Bürgerschaft schließt Finanzierungslücke

15. Januar 2013, von
Geht der Rechtsstreit über Lohnanpassungen zugunsten der Orchestermusiker aus, springt die Stadt für die Nachzahlungen ein
Geht der Rechtsstreit über Lohnanpassungen zugunsten der Orchestermusiker aus, springt die Stadt für die Nachzahlungen ein

Einmal Luft holen für das Volkstheater Rostock. Die Finanzierung und damit das Überleben des Theaters ist erst mal abgesichert. Angesichts einer drohenden Insolvenz beschloss die Bürgerschaft heute in einer Sondersitzung eine Finanzspritze in Millionenhöhe.

Vereinbart wurde, dass das Volkstheater eine Rückstellung in Höhe von 867.000 Euro auflösen kann. Diese war für eventuelle Vergütungsnachzahlungen für die Musiker vorgesehen. Das Bundesarbeitsgericht verhandelt derzeit noch die Frage, ob den Orchestern ein höherer Lohn zusteht. Sollte dies der Fall sein, würde in Rostock nun die Stadt dafür aufkommen.

Außerdem erhöht die Stadt ihren Zuschuss für das Jahr 2013 um 320.000 Euro von 7.914.000 Euro auf 8.234.000 Euro. Zusätzliche 130.000 Euro werden für notwendige Investitionen zur Verfügung gestellt.

Im nächsten Jahr soll der Zuschuss um 900.000 Euro erhöht werden. Dafür soll der Entwurf des Haushaltssicherungskonzeptes 2013 bis 2018 angepasst werden.

„Mit dieser stabilen Finanzsituation können wir selbstbewusst in die Verhandlungen mit dem Land um ein eigenständiges Theater gehen“, kündigt Oberbürgermeister Roland Methling für die Gespräche in der kommenden Woche an. Auch über den im letzten Jahr vom Land in Aussicht gestellte Zuschuss von 500.000 Euro soll dann geredet werden.

Die letzten sieben Tage haben er und die Geschäftsführung des Volkstheaters intensiv um diese Lösung gerungen, die die Bürgerschaft nun einstimmig unterstützte.

Dennoch sei dieser Beschluss kein Freibrief, sagte das Stadtoberhaupt und mahnte strenge Kontrollen und straffes Management an.

Frank Giesen (CDU) schob den Schwarzen Peter für die finanzielle Schieflage des Theaters dem Orchester mit seinen Gehaltsforderungen zu und rief die Musiker auf, an den Verhandlungstisch zu kommen.

Protest für das Volkstheater im Rathaus
Protest für das Volkstheater im Rathaus

Auch Roland Methling musste Kritik einstecken. Russisches Roulette habe der OB mit dem Volkstheater gespielt, verglich Dr. Wolfgang Nitzsche: „Er hätte schon viel eher reagieren können“. Diese Einschätzung teilten auch Vertreter anderer Fraktionen.

Die Entscheidung heute Abend sei nur ein kleiner Wermutstropfen, um Zeit zu gewinnen, kommentierte der kaufmännische Geschäftsführer Stefan Rosinksi nach der Sitzung. „Wir haben noch einen eigenen Konsolidierungsanteil von 450.000 Euro im Jahr 2014 zu leisten. Damit werden wir uns demnächst befassen.“ Außerdem will das Theater ein eigenes Konzept als Gegenentwurf zu den vom Land geplanten Umstrukturierungsmodellen der Theater Mecklenburg-Vorpommerns vorlegen. „Wir glauben, dass da nichts von funktioniert, und werden in den nächsten Wochen ein eigenes erarbeiten“, kündigt Rosinski an.

Vor der Sitzung hatten auch etwa 100 Demonstranten – darunter viele Volkstheatermitarbeiter – mit Schildern in der Rathaushalle gegen die Theaterpolitik protestiert. Musikalische Unterstützung erhielten sie von der Norddeutschen Philharmonie Rostock und dem Opernchor des Volkstheaters, die einen Eindruck ihrer Klangmächtigkeit im Rathaus vermittelten.

Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens teilte mit, dass bereits über 2000 Postkarten, mit denen der Theaterförderverein Unterstützung mobilisieren will, bei ihr eingetroffen seien.

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