FreitagNachtFoyer – Klamauk zur OB-Wahl 2012

Vier Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters wagten sich in die etwas andere Bühnenshow des Volkstheaters Rostock

28. Januar 2012, von
FreitagNachtFoyer – Klamauk zur OB-Wahl 2012 im Volkstheater Rostock - Karina Jens, Ait Stapelfeld, Sybille Bachmann und Toralf Vetter (v.l.n.r)
FreitagNachtFoyer – Klamauk zur OB-Wahl 2012 im Volkstheater Rostock - Karina Jens, Ait Stapelfeld, Sybille Bachmann und Toralf Vetter (v.l.n.r)

Zwo, Eins, Risiko lautet das Motto vom FreitagNachtFoyer im Volkstheater Rostock. Man hätte wissen oder zumindest ahnen können, was auf einen zukommt, wenn man sich auf diese Bühne wagt.

Und so zogen es Christian Blauel (Grüne), Kerstin Liebich (Linke) und Amtsinhaber Roland Methling vor, gestern Abend nicht im Foyer des Theaterzeltes Platz zu nehmen – sicher keine schlechte Entscheidung.

Für die anderen vier Bewerber um den Stuhl des Oberbürgermeisters gab es immerhin Gratisgetränke, gehört Alkohol doch zu der Show, wie Moderator Rawman (Michael Ruchter) zu – ach, lassen wir das. Immerhin wurde dabei (fast) kein Steuergeld verschwendet, gingen der Rotwein für Sybille Bachmann (Rostocker Bund) und der Champagner für Karina Jens (CDU) doch auf die Rechnung von Intendant Peter Leonard. Ait Stapelfeld (SPD) und Toralf Vetter (Einzelbewerber) begnügten sich mit Bier.

Was man als König oder Königin von Rostock tun würde, konnte in der Aufwärmrunde noch schnell abgehakt werden: Theater bauen (Jens), den Streit in der Stadt beenden (Stapelfeld), für mehr Bürgerbeteiligung sorgen (Bachmann) oder Karneval das ganze Jahr (Vetter). Geschenkt.

Weiter ging es mit „ehrlich zu beantwortenden intimen Fragen“, etwa der, wie viele Menschen man schon umbringen musste, um dorthin zu kommen, wo man jetzt steht. Es lacht niemand!

Schlimmer geht’s nimmer? Falsch! Rawman wäre schließlich nicht Rawman! Und wenn wir schon mal am Theater sind, können wir ja auch gleich in eine andere Rolle schlüpfen: Wer bin ich? Ein heiteres Ratespiel für OB-Kandidaten. Okay, sie wussten, wen sie spielen, dafür gab es statt eines kleinen gelben Klebezettels auf der Stirn immerhin eine Krone auf den Kopf. Mit welchem der Mitstreiter möchte man Segelboot fahren und wer sollte im großen Sturm am Ruder stehen. Klar, am liebsten man selbst. Abgehakt!

Schlimmer geht’s nimmer? Falsch! Rawman wäre schließlich nicht Rawman! Und wenn das Theater schon so viel Geld von der Politik bekommt, kann man der Politik ja auch etwas zurückgeben. Zehn Minuten Tanzunterricht für jeden Kandidaten, um dann die Ergebnisse auf der Bühne zu präsentieren. Aha!

Schlimmer geht’s nimmer? Richtig! Denn auch wenn bis dahin irgendwie alle noch gute Miene zum bösen Spiel machten, fasste sich Ait Stapelfeld an dieser Stelle ein Herz. „Wir machen uns hier zum Affen“, holte der SPD-Mann zum entscheidenden Schlag aus. „Ich denke, wir sollten die Wahl ein bisschen ernster nehmen“, erklärte Stapelfeld, verband damit die Aufforderung an alle zur Wahl zu gehen und verschwand. K.O. in Runde fünf – Rawman ausgeknockt!

Zum Glück gab es gestern auch etliche kulturelle Höhepunkte: neben toller Livemusik und Artistik auch einen Ausschnitt aus dem Stück „Novecento”, das heute im Schifffahrtsmuseum Premiere feiert. Hingehen! Und den weniger gelungenen Teil des gestrigen Abends einfach vergessen, schnell!

Für alle, die nicht dabei sein konnten, gibt es hier noch den Mitschnitt von der entscheidenden fünften Runde.

Schlagwörter: Ait Stapelfeld (6)FreitagNachtFoyer (4)Karina Jens (18)OB-Wahl (16)Politik (117)Sybille Bachmann (7)Toralf Vetter (6)Volkstheater (246)

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11 Kommentare

  • Robert sagt:

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Eingeladenen nicht wussten, auf was für Klamauk sie sich da einlassen — und ihre Aussagen zum Theater waren wirklich mehr als schwach! Daher waren Vetters Worte dann aber wirklich ein gutes Ende für diese Runde: „Eine Demokratie, die keinen Spaß mehr abkann, die keinen Spaß mehr macht — die brauchen wir auch nicht…“ Vielen Dank also an die Kandidaten, dass sie überhaupt gekommen sind — das (so dachte ich zumindest) zeigt doch wenigstens einen gewissen Sinn für Humor und Selbstironie..

  • Kerstin sagt:

    Ich hatte nicht den Eindruck, dass die vier wussten, worauf sie sich einlassen. Kurz vorher war noch die Diskussion an der Uni, man hetzt von Termin zu Termin…
    Nicht mal ich hätte erwartet, dass es so billig und niveaulos werden könnte und ich kenne das FNF und Rawman.
    Wenn man auf Englisch gefragt wird, ist doch klar, dass man versucht so zu antworten. Das erstickte alles im Keim, auch Aussagen zum Theater. Dass einer nicht mal die Fragen versteht, mag zwar (Internationalität) eines OB unwürdig sein, aber es war der, der sowieso keine Chancen hat. Da sollte man als Theatermensch drauf eingehen und improvisieren können, egal welche Rolle man gerade spielt. Vorführen muss nicht sein, der tat mir wirklich schon leid.
    Für mich ist gestern Abend alles entglitten, es war einfach nur primitiv und peinlich, ein absoluter Tiefpunkt am VTR.

  • Kai sagt:

    hat das theater so etwas wirklich nötig?
    und der intendant steht selbstgefällig daneben
    a fish always rots from the head down, mr. leonard!!!

    da kann ich karina jens nur beipflichten, wenn sie sich darüber beklagt, wie gerade die wenigen unterstützer behandelt werden
    kompliment, ait stapelfeld, dass wenigstens sie rückgrat gezeigt und dem treiben einhalt geboten haben

  • Marie Block sagt:

    Nichts gegen Spaß in der Demokratie, es war nur schlicht und ergreifend NICHT LUSTIG.

    Wie wenig Bedeutung Inhalte im aktuellen Wahlkampf leider nur noch haben, beweist tagein tagaus schon die OZ. Erst werden die Wahlplakate durch den Kakao gezogen, dann müssen die Kandidaten bei einem Werbe-Wahl-Forum für ein Einkaufszentrum/einen Elektronikmarkt malen und shoppen und heute wird mal wieder aus einem Mückenbeinchen eine Elefantenhorde gemacht (nein, ich habe wirklich nichts mit Methling am Hut).

    Muss sich nun aber auch noch das Theater auf dieses Boulevardniveau begeben?

    Marie

  • Sophie sagt:

    Na da hatte der Spießer aus der SPD wohl die falschen Berater an der Seite….Aber was soll man von so einem Amtscheffe schon erwarten, der Rostocker auf seinem Plakaten zum gemeinsamen Stadtfegen aufruft und sich ansonsten mit überegionalen Themen wie Mindestlohn versucht zu profilieren….

    Fehlbesetzung? Wie die anderen auch? Wieso gibt es keinen vernünftigen Gegenkandidaten, haben die Parteien etwa keinen oder trauen sich diese nicht?

  • Paul Fleischer sagt:

    Ach Rostock, Kleinbürgerliches Rostock. Da wird aus einem begrenzt lustigen Abend gleich ein Affront, ein Skandal. Und ein bubihafter Stapelfeld, wird zum Held, weil der die Aufforderung zum Tanz verweigert. Wie mutig! Geschenkt!
    Natürlich kann man über die Qualität der schauspielerischen Darbietung streiten, vielleicht auch über die offenbar mangelnden Entertainer-Qualitäten. Aber anstatt die Herrschaften aus der Politik mal alle Fünfe gerade sein lassen, kommen sie einfach nicht aus dem Bewerbungs- und Profilierungsmodus herraus. Auch mal Feierabend machen!
    Die letzten Unterstützer des Theaters so zu behandeln ist natürlich unrühmlich, aber ich glaube es sind weit mehr als diese vier die da saßen, werte Frau Jens! Ein Maß an Eitelkeiten wird in solchen Momenten offenbar, man ist fast dankbar. Am Ende verschwinden nämlich die Masken des „Bittemichwählen“ und aus der immer grinsenden Jens wird die Eitele und Reizbare, aus Stapelfeld der „Nein, ich möchte nicht“ Trautsichnicht, aus Bachmann eine „Ich verreise am liebsten mit mir selbst“ und Vetter zum Gewinner des Abends („Ich mach hier jeden Spaß mit“).
    Anstatt die Chancen zu nutzen, an so einem Abend mal Menschlichkeit, nämlich Humor zu beweisen, stößt man den Machern des Abends mit Wortkargen Antworten mindestens genauso vor den Kopf, wie die Macher, den Bewerbern. Und auch wenn manch einer jetzt einwerfen mag: „Humor ist ja nun auch nicht wirklich die wichtigste Kategorie für die Bewerber zum Hauptverwaltungsbeamten“, dem sei gesagt: Wenn Menschlichkeit kein wichtiger Indikator bei einer solchen Wahl ist, dann können wir auch gleich Roboter wählen!

  • Kerstin sagt:

    Klar, für Vetter war es einfach, zum Gewinner des Abens zu werden, bekam er doch gleich zwei Bier. Sympathie und Spaß beseite: Wählbar ist er nun wirklich nicht!

    Es mag der aktuellen Inflation an entsprechenden Fernsehsendungen geschuldet sein, dass einige anscheinend tatsächlich denken, der nächste Rostocker Oberbürgermeister wird als Sieger einer Casting-Show ermittelt und nicht gewählt. Ich möchte weder Komiker, noch Sänger oder Tänzer – Spaß gibt es im Theater oder anderswo, vom künftigen Verwaltungschef erwarte ich andere Qualitäten.

    Oh Gott, bin ich spießig und kleinbürgerlich!

    Natürlich trug jeder dazu bei, dass der Abend so lief, wie er lief, auch die vier Kandidaten.

    Rawman: What will happen to theatre …?
    Jens: Everything will be ok.
    Rawman: Do you want to go in detail?
    Jens: No.

    Okay, sie ließ dann doch noch verlauten, dass das alte Haus saniert und dort in der Zwischenzeit gespielt wird, aber der Funken sprang bei keinem über.

    Und so entwickelte sich nach und nach ein Abend, der nur Verlierer kannte. Schade! Und der lachende Dritte? Etwa wieder mal Methling? Schade!

    K.B.

  • Frank sagt:

    Beides für sich wäre okay: Trash mit Rawman, beautiful Swetlana und beautiful Katarina ist sehr hübsch. Kandidatenforum auch, die haben ja auch schon einiges durch miteinander. Aber die Mischung! Das war wie Rotwein mit Buttermilch – es hackert einfach. Ich fand den Abtritt akzeptabel.

  • Conny sagt:

    Ach. Dieser Abend hat einfach gezeigt, die Teilnehmer des Bewerbungsverfahrens stoßen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Jetzt gehts ans Eingemachte. Anfang Januar hat sich noch jeder für jeden Mist hergegeben. Man muss sich nur die Eigenlobe aller Kandidaten der letzten Wochen vor Augen googlen. Nach 3 Wochen ARBEIT siehts jetzt komplett anders aus. Ich sage es mal so: Die Kandidaten, die an diesem Abend teilgenommen haben, haben alle Nerven gezeigt. Alle vier! Ausgeschieden sind hier drei andere. @Kerstin: Auch Herr Vetter bleibt neben den anderen drei Bewerbern wählbar.

  • Karin sagt:

    Humor besitzen hat für meine Begriffe nicht zwingend zur Folge, jeden mutwilligen Mist mitmachen zu müssen. Tatsächlich ist der Job als OB nicht nur mit „Lustigkeit-Wurstigkeit“ machbar, sondern jede Entscheidung hat Folgen für die Bürger dieser Stadt. So ein Amt anzustreben hat auch viel mit Idealismus zu tun im besten Sinn, Humor und Leichtigkeit sind dabei gute Begleiter.Ich wünsche mir einen OB, der mutig, sachlich und humorvoll die Probleme dieser Stadt angeht und sich nicht um jeder Wählerstimme willen bereitwillig „zum Affen machen“ läßt. Bravo Ait Stapelfeld

  • Hans sagt:

    Ich kann „Paul Fleischer“ nur bepflichten, wenn er feststellt, dass der Abend im Foyerzelt gewissermaßen mal das Wahlkampflächeln der Plakate entlarvte. Die Kandidaten mussten sich dieser Show nicht stellen, und dass ein blinder Stimmenfang im Rahmen einer solchen Veranstaltung nicht möglich sein wird, hätte wenn schon nicht den Kandidaten so doch zumindest ihren Beratern klar sein können. Zweifelsohne hatte das Interview seine Längen, aber Rawman hat eingangs nicht umsonst seine Nervosität betont, auch für ihn war das Neuland. Dass es möglich war Sympathie-punkte und Inhalt gleichermaßen rüberzubringen hat (für mich?) Frau Bachmann bewiesen; wie anstrengend es dagegen sein kann, permanent eine Image-Kampagne der eigenen Person zu durchzusetzen, zeigten dagegen die Vertreter unserer so genannten Volksparteien (Interessant zu sehen, dass Frau Jens einen eigenen Tour-Bus besitzt!).
    Ich denke, Stapelfeld und Jens können sich damit arrangieren, die Stimmen vieler Foyer-Besucher verloren zu haben, da dies ohnehin nicht ihre Zielgruppe sein dürfte.
    Abgesehen ist und bleibt das Freitagnachtfoyer hoffentlich die offene(!) Bühnenshow, zu der eben neben einigen Höhepunkten auch immer wieder ein paar Fehltritte gehören dürfen.

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