Volkstheater Rostock stellt 121. Spielzeit vor

Mit 31 neuen Produktionen will Intendant Sewan Latchinian in seiner zweiten Spielzeit das Publikum ins Rostocker Volkstheater locken, insbesondere die jungen Zuschauer

30. Juni 2015, von
Volkstheater Rostock Spielzeit 2015/2016
Volkstheater Rostock Spielzeit 2015/2016

„Man geht wieder ins Volkstheater“ – so lautet das Fazit Sewan Latchinians gut ein Jahr, nachdem er die Intendanz des Volktheaters Rostock übernommen und seine erste Spielzeit vorgestellt hat. Auch wenn sie alles andere als normal gewesen sei und besonders kulturpolitische Gründe die Arbeit schwer gemacht hätten, sei es gelungen die Theaterlust zu steigern, so der Intendant weiter. Stolz ist er auf über 50 Premieren, eine Auslastung von 70 Prozent und geschätzten 100.000 Zuschauern bis zum Ende der aktuellen Spielzeit im August.

Diese erfolgreichen Impulse wolle er nun in der kommenden Spielzeit weiterführen und dafür an einigen Stellschrauben drehen. So wurde die Anzahl der Premieren deutlich auf 31 reduziert. Dafür können sich die Besucher auf eine Reihe von Wiederaufnahmen freuen, was durch den Intendantenwechsel so im letzten Jahr nicht möglich war. Auch die Eintrittspreise werden „moderat erhöht“. Die unteren Preiskategorien und Ermäßigungen sollen davon aber nicht betroffen sein.

Spielplanvorstellung 2015/2016 des Volkstheaters Rostock
Spielplanvorstellung 2015/2016 des Volkstheaters Rostock

Heute präsentierten er und die Theaterleitung – der kaufmännische Geschäftsführer Stefan Rosinski und die Spartenchefs – den Plan für die kommende Spielzeit, die unter dem Motto Toleranz steht. Für das Volkstheater Rostock ist es die 121.

„Es könnte der letzte Spielplan seiner Art sein“, so Stefan Rosinski, der von einer möglichen Endspielzeit für die Sparten Tanz- und Musiktheater spricht.

Anfang des Jahres beschloss die Bürgerschaft das sogenannte 2+2 Spartenmodell, das vorsieht Musik- und Tanztheater nicht mehr selbst vom Volkstheater produzieren zu lassen, um Stellen einzusparen, sondern nur noch Gastspiele in diesen Sparten in Rostock anzubieten. Bis Ende des Jahres will das Volkstheater dazu ein Konzept vorlegen.

Intendant Sewan Latchinian
Intendant Sewan Latchinian

Noch kann Sewan Latchinian mit einer großen Kontinuität in der Belegschaft des Volkstheaters mit etwa 270 Mitarbeitern seine Arbeit fortsetzen. Doch die unsichere Lage macht sich schon bemerkbar. So wird der Chorleiter im Herbst das Haus verlassen, da die Zukunft des Opernchores ungewiss ist und ihm eine sichere Stelle anderswo angeboten wurde.

Auch die aktive Suche nach einem neuen Generalmusikdirektor erschien der Theaterleitung bisher als „sinnfrei“. „Solange das zukünftige Theaterkonzept noch in der Diskussion ist, können wir kein qualitatives Angebot für einen Generalmusikdirektor machen“, begründet Stefan Rosinski die Zurückhaltung. So werden die zehn Philharmonischen Konzerte der Norddeutschen Philharmonie Rostock im kommenden Theaterjahr von Gastdirigenten geleitet, darunter auch der ständige Gastdirigent Yongyuan Hu und der ehemalige GMD Florian Krumpöck.

Drei Tänzer und fünf Tänzerinnen unter der Leitung von Katja Taranu werden wieder Tanztheater auf die Bühne bringen: das Weihnachtsmärchen „Robin Hood“, „Have a look 3: Bach & Beats“ und Café Coloré. An der vielleicht letzten Uraufführung des Tanztheaters am Volkstheater Rostock im Mai 2016 sollen sich auch Bürger singend und tanzend im Großen Saal beteiligen.

Auch das Musiktheater will zeigen, wozu das Haus in der Lage ist. Immerhin sei es eine der ertragreichsten Sparten des Hauses. Chefdramaturg für Musiktheater und Konzert Michael Mund kündigt an, dafür Mozarts „Entführung aus dem Serail“, Rossinis „Ermione“, Verdis „Falstaff“ und Bernsteins „Candide“ neu ins Programm zu nehmen.

Ein umfangreiches Programm bereitet das Schauspiel vor. „Politische Relevanz ist uns neben den künstlerischen Ambitionen wichtig“, sagt Sewan Latchinian, der selbst bei Ibsens „ Ein Volksfeind“ und Lessings „Nathan der Weise“ Regie führen wird.

Karl Huck von der Seebühne Hiddensee
Karl Huck von der Seebühne Hiddensee

Auch für die jungen Zuschauer, die das Haus zukünftig noch stärker ansprechen möchte, sind einige Produktionen im Spielplan zu finden. Für die ganz Kleinen ab 5 Jahren das Musiktheater „Gold“ von Leonard Evers, das das Märchen vom Fischer und seiner Frau aufgreift oder für Jugendliche ab 14 Jahre „Norway. Today“ von Igor Bauersima.

Mit Shakespeares „Romeo und Julia“, einer Koproduktion mit Studenten der HMT, wird ein Abiturthema angeboten und auch mit „Feuerherz“ von Jürgen Eick nach Plenzdorf und Goethes Leiden des jungen Werther sollen besonders junge Leute erreicht werden. Für diese Inszenierung konnte das Volktheater Rostock die Punkband Feine Sahne Fischfilet gewinnen, die live auf der Bühne auftreten werden. Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow sagt: „Wir kommen aus einem vorpommerschen Dorf, wo es nicht mal ein Kino gibt. Dass wir im Volkstheater spielen, ist zumindest absurd, aber wir finden es sehr schön.“

Geplant sind außerdem wieder eine Produktion der Bürgerbühne und eine Rostocker Premiere von „Störtebeker“, ein Figurentheater von der Seebühne Hiddensee.

Die Spielzeit beginnt offiziell mit dem 2. Stapellauf am 26.09.2015 mit drei Produktionen an einem Abend.

Auf 1,75 Millionen Euro will der Geschäftsführer im nächsten Jahr die Einnahmen aus dem Spielbetrieb steigern. Wunder solle man jedoch nicht erwarten. Schon jetzt sei das Personal bis an die Grenzen belastet.

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