Beginn der 120. Spielzeit des Volkstheaters Rostock

Das dreiteilige, spartenübergreifende Spektakel „1. Stapellauf Neubeginn“ eröffnete am Samstag die neue Spielzeit 2014/15 am Volkstheater Rostock

21. September 2014, von
„1. Stapellauf Neubeginn“ eröffnete die neue Spielzeit 2014/15 am Volkstheater Rostock
„1. Stapellauf Neubeginn“ eröffnete die neue Spielzeit 2014/15 am Volkstheater Rostock

Volle Fahrt voraus! Das Traditionsschiff „Volkstheater“ ist in See gestochen – mit an Bord drei dramatische sowie dennoch vergnügliche Stücke und mehr als 500 Zuschauer, die sich auf eine schauspielerische und musikalische Reise mitnehmen ließen. Zur Spielzeiteröffnung am 20. September 2014 wurde mit gleich drei Aufführungen aller Sparten der Neubeginn des Volkstheaters gefeiert.

Untergang der Titanic am Volkstheater Rostock: Auswanderer auf dem Theatervorplatz, Foto: Thomas Häntzschel
Untergang der Titanic am Volkstheater Rostock: Auswanderer auf dem Theatervorplatz, Foto: Thomas Häntzschel

Los ging die Reise mit der ersten Mitspieloper der Musikgeschichte, Wilhelm Dieter Sieberts „Untergang der Titanic“. Nachdem Intendant Sewan Latchinian vom Dach des Großen Hauses aus den ersten Stapellauf mit sieben Glockenschlägen eingeläutet hat, marschierten auch schon die ersten Auswanderer mit ihren Koffern auf dem Theatervorplatz ein. Die Passagiere der 1. Klasse stiegen aus Oldtimern und mischten sich nacheinander unter das Publikum. „Stürme dahin, auf glücklichen Wegen, unserer strahlenden Zukunft entgegen!“, sang Lady Astor und taufte mit diesen Worten das Jahrhundertschiff. Die Fahrt konnte beginnen. Als Passagiere der 2. Klasse gingen die Gäste mit an Bord.

Untergang der Titanic am Volkstheater Rostock
Untergang der Titanic am Volkstheater Rostock

Zusammen mit Tänzern, Sängern, Schauspielern und dem Orchester lief die Mitspieloper auf der Bühne im Großen Saal des Volkstheaters weiter, bis es plötzlich hieß „Das Schiff wird sinken“. Mit Rettungswesten ausgestattet, mussten sich die Zuschauer einen Weg ins Freie bahnen. Vorbei an „Situation-Rooms“, in denen sich verzweifelte Passagiere versuchten zu erhängen oder bereits kurz vor dem Ertrinken waren, konnten die Zuschauer auf Treppen oder mithilfe einer Rutsche ins Freie gelangen. Zum großen Finale, dem Untergang der Titanic, fanden sich schließlich alle wieder auf dem Theatervorplatz ein. Dort retteten sich die letzten Passagiere ins Rettungsboot, bevor die Titanic schließlich mit einem lauten Knall unterging.

Monika Meier und Angelika Laukien waren begeistert von der Mitspieloper „Untergang der Titanic“ am Volkstheater Rostock
Monika Meier und Angelika Laukien waren begeistert von der Mitspieloper „Untergang der Titanic“ am Volkstheater Rostock

Unter den geretteten Passagieren waren auch Monika Meier und Angelika Laukien. Die zwei Rostockerinnen sind noch ganz überwältigt von der tollen Mitspieloper. „Das war eine super Idee, wirklich Wahnsinn. Hoffen wir mal, dass wir auch in Zukunft noch mit so tollen Ideen im Rostocker Volkstheater überrascht werden“, so Monika Meier, die sich jetzt auf die nächsten zwei Stücke freut.

Zwischen den Stücken gab es jeweils eine sechzigminütige Pause, in der für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt wurde. In der ersten Pause konnten Gerichte aus dem letzten Speisemenü der Titanic vom 14. April 1912 probiert werden, in der zweiten neu interpretierte Klassiker aus der DDR-Schulspeisung.

Ingrid Babendererde am Volkstheater Rostock, Foto: Thomas Häntzschel
Ingrid Babendererde am Volkstheater Rostock, Foto: Thomas Häntzschel

Als nächstes Stück folgte die Uraufführung „Ingrid Babendererde“ in der Bühnenfassung von Holger Teschke. Der Mecklenburger Dichter Uwe Johnson schilderte in seinem Erstlingsroman wie schon in den Anfängen der DDR ihr Ende angelegt war. Die Schauspieler verkörpern Figuren, die vor allem auf der Sinnsuche nach dem eigenen Weg sind, jedoch von der Partei keine Chance bekommen, diesen auch zu verwirklichen. Drangsaliert verlassen schließlich zum Ende der Aufführung drei Schüler die DDR, unter ihnen auch Ingrid Babendererde. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" – unten Goethes berühmte Worte als Ausdruck der humanistischen Weltanschauung, oben Banner mit sozialistischen Parolen bilden den Kontrast im kargen Bühnenbild. Die Leichtigkeit der Schauspieler in Zusammenspiel mit den drei Musikern von Wallahalla verleihen dem Stück eine humorvolle Note.

„Wie im Himmel“ am Volkstheater Rostock: Sithembile Menck, Juschka Spitzer, Alexander Wulke, Petra Gorr und Uli K. Müller, Foto: Thomas Häntzschel
„Wie im Himmel“ am Volkstheater Rostock: Sithembile Menck, Juschka Spitzer, Alexander Wulke, Petra Gorr und Uli K. Müller, Foto: Thomas Häntzschel

Auch die letzte Aufführung des ersten Stapellaufs „Wie im Himmel“ von Kay Pollaks wurde mit verdient starkem Beifall belohnt. Das Stück zeigt die Geschichte des berühmten Dirigenten Daniel Daréus, der nach einem Herzinfarkt in das Dorf seiner Kindheit zurückkehrt und dort dem Kirchenchor zu neuer musikalischer Größe verhilft. Ein Stück des Opernchors, der Singakademie, der Schauspieler sowie der Norddeutschen Philharmonie Rostock bildeten den krönenden Abschluss des Abends.

Der große Beifall und das Lob der Gäste beim spartenübergreifenden Auftakt sind ein deutlicher Zuspruch für das Volkstheater Rostock, welches durch die Sparpolitik von Stadt und Land in seiner Vielfalt immer noch gefährdet ist.

Wer das große Spektakel an diesem Wochenende verpasst hat, kann sich noch auf sechs weitere Veranstaltungen bis in den Oktober freuen. Die Reise lohnt sich!

„1. Stapellauf Neubeginn“ - Es lebe das Volkstheater
„1. Stapellauf Neubeginn“ - Es lebe das Volkstheater

Weitere Termine:

  • Samstag, 27. September 2014 16 Uhr
  • Freitag , 03. Oktober 2014 16 Uhr
  • Samstag, 04. Oktober 2014 16 Uhr
  • Samstag, 11. Oktober 2014 16 Uhr
  • Samstag, 18. Oktober 2014 16 Uhr
  • Samstag, 25. Oktober 2014 16 Uhr (Derniere)

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Fotos 2, 5 und 6: Thomas Häntzschel

Schlagwörter: Norddeutsche Philharmonie (28)Sewan Latchinian (14)Theater (204)Volkstheater (247)

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1 Kommentar

  • Andreas sagt:

    Zur Premiere „1.Stapellauf“ am vergangenen Wochenende. 8 Stunden Theater. Wir gehen nachhause nicht mit dem Gefühl, endlich ist es geschafft, sondern noch Tage danach hallt dieses Erlebnis in uns nach.
    Dem Theater ist es gelungen, neben dem vergnüglichen Spektakel und der Rundum-Wohlfühl-Atmosphäre (Dank an alle!!! Mitarbeiter des Hauses), auch einen nachhaltigen Denkanstoß zu geben.
    3 Stücke, die jeweils auf einen gesellschaftlichen Ansatz verweisen. In „Untergang der Titanic“ eine Klassengesellschaft, in der letztendlich die Aktienkurse der Damen und Herren aus dem Oberdeck das Leben bzw. Überleben bestimmen. Das führt zwangsläufig zum Untergang.
    Im 2. Stück „Ingrid Babendererde“ der Versuch, die Trennung der Klassen aufzuheben. Ideologischer Dogmatismus, damit verbundene Intoleranz , aber auch Verklemmtheit treiben den Einzelnen, diese Gesellschaft zu verlassen, aber auch mutig sich selbst und seinen Idealen treu zu bleiben. „Was wird von uns bleiben?“, ein Nachdenkens werter Satz am Ende des Stückes.
    Im 3. Stück „Wie im Himmel“ geht es um die Suche nach einem frei bestimmten Leben in der Gemeinschaft. Sich einander zuhören, jeden so zu respektieren wie er ist, einander zu lieben und dabei sich selbst zu finden. Das ist der große utopische Entwurf, realisiert in der kleinen Chorgemeinschaft eines schwedischen Dorfes. Sehr emotional und ergreifend.

    Tolle Inszenierungseinfälle, ein großartiges Zusammenspiel aller Sparten, schauspielerische Leistungen auf hohem Niveau.

    Danke!!! Hingehen und Anschauen!!!

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