Busse und Müllautos sicherer mit Abbiegeassistent

Für mehr Verkehrssicherheit lassen RSAG, Stadtentsorgung und andere Betriebe der Stadt Abbiegeassistenzsysteme in ihren Großfahrzeugen einbauen

23. Mai 2019, von
RSAG-Busse und Mülltautos der Stadtentsorgung Rostock fahren mit Abbiegeassistenten
RSAG-Busse und Mülltautos der Stadtentsorgung Rostock fahren mit Abbiegeassistenten

Die Gefahr des toten Winkels ist bekannt. Will ein Kraftfahrer abbiegen, sind Fußgänger und Radfahrer gefährdet, die sich in dem schwer einsehbaren Bereich neben dem Fahrzeug befinden. Erst im März war in Lütten Klein ein Radfahrer im toten Winkel ums Leben gekommen. Seit 2011 wurden in Rostock weitere elf leicht- und schwerverletzte Personen, vorwiegend Radfahrer, gezählt, die mit einem abbiegenden Lastwagen kollidierten, weil sie nicht rechtzeitig vom Fahrer gesehen wurden, informiert der für den Verkehr zuständige Senator Holger Matthäus.

Fahrzeuge kommunaler Betriebe sind nicht in diese Unfälle verwickelt gewesen. Doch auch sie – etwa 145 Stück – werden jetzt mit elektronischen Abbiegeassistenten ausgestattet und sollen so Rostocks Straßen sicherer machen. „Nach wie vor verfolgt die Stadt das Null-Verkehrstote-Ziel. Auch wenn unaufmerksames Verhalten und das Ignorieren von roten Ampeln nicht zu beeinflussen sind, wollen wir das technisch Machbare machen“, so Matthäus.

Ein Kraftfahrer muss heutzutage viele Dinge auf einmal im Blick haben: den Spiegel, die Kamera und den Einweiser erzählt Geschäftsführer Henning Möbius aus dem Alltag der Stadtentsorgung Rostock (SR). Das kommunale Entsorgungsunternehmen hat nicht nur den größten Fuhrpark, sondern fährt teilweise mit 26 und 30 Tonnen schweren Müllautos durch jede einzelne Straße, wo Leute wohnen. „Das ist immer eine Gefahr, die wir so weit es geht eindämmen müssen“, betont Möbius. 35 von 55 Großfahrzeugen hat die SR bereits mit den neuen Abbiegeassistenten ausgestattet. 40.000 Euro hat das bisher gekostet. Die Kosten der Nachrüstung, erläutert Matthäus, fließen in die Kalkulation der Abfall- und Straßenreinigungsgebühren für 2020 und die Folgejahre ein.

Auch die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) beschäftigt sich gerade mit der Frage, wie sie Abbiegesysteme in ihren Fahrzeugen installiert. In den nächsten Wochen will sie erstmals sechs neue Niederflurbusse auf die Straßen schicken, bei denen radarbasierte Notbrems- und Abbiegeassistenzsystem zum Einsatz kommen. Der aktive Bremsassistent warnt beim Erkennen einer möglichen Gefahrensituation im Fahrweg des Busses zuerst den Fahrer mit Blinklicht und Vibration im Fahrersitz und leitet dann eine leichte Bremsung ein. Die letztendliche Entscheidung, in angemessener Weise zu reagieren, verbleibt beim Busfahrer. „Eine automatisierte Vollbremsung ist aus Rücksicht auf die Sicherheit der Fahrgäste im Bus nicht vorgesehen“, erläutert Thomas Nowak, der bei der RSAG für die Instandhaltung der Busse zuständig ist. Insgesamt hat die RSAG 70 Busse, die auf 21 Linien 4,3 Millionen Kilometer im Jahr zurücklegen.

Michael Reitz zeigt auf den radarbasierten Abbiegeassistenten, der bei RSAG-Busses zum Einsatz kommt
Michael Reitz zeigt auf den radarbasierten Abbiegeassistenten, der bei RSAG-Busses zum Einsatz kommt

„Jegliche Hilfsmittel, die an LKWs angebracht werden, aber auch insgesamt Infrastruktur, die das Radfahren sicherer machen, sind zu begrüßen“, sagt Michael Reitz. Der Busfahrer, Kundenmanager der RSAG und Vorsitzender des ADFC Rostock sieht in den neuen Abbiegesysteme einen Vorteil für LKW-Fahrer einerseits und Radfahrer und Fußgänger andererseits. Gerade bei den in den letzten Jahren immer häufiger auf den Straßen anzutreffenden Pedelecs habe sich die Geschwindigkeit, mit der Radfahrer heranfahren, erhöht.

Die technischen Voraussetzungen für Sensoren an Fahrzeugen, die den Fahrer auf Personen und Hindernisse in der Umgebung hinweisen, gibt es schon recht lange. Nach einem EU-Beschluss sollen solche Abbiegeassistenten für Neufahrzeuge nun ab 2022 verpflichtend sein.

Etwa ein Drittel aller Unfälle, die für Radfahrer tödlich enden, werden durch solche Abbiegeunfälle verursacht. Darauf weist Senator Holger Matthäus hin, als die Stadtentsorgung Rostock und die RSAG heute die neu ausgerüsteten Fahrzeuge vorstellten.

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